Die Sommerau in Unterwindisch ist im westlichen Teil noch nicht überbaut. Das soll sich bald ändern. Der Grundeigentümer will auf dem Areal Wohnungen in der Grösse von 2½- bis 4½-Zimmern realisieren. Für das Areal besteht eine Gestaltungsplanpflicht. Bis zum 7. Juni lag der Gestaltungsplan auf. Eingegangen sind zwei Eingaben.

Auf dem Areal steht auch eines der ältesten Häuser in Unterwindisch. Es stammt gemäss Robert Kühnis, er ist über die Gemeinde hinaus bekannt als Renovations-Künstler, aus dem Jahr 1869. Entsprechend machte er bereits an der Infoveranstaltung im Vorfeld beliebt, das alte Haus auf dem Areal doch zu erhalten. Die Sommerau sei ein Kulturerbe, ein Zeuge der Geschichte von Windisch. Im Gespräch mit der az zeigt er sich auch überzeugt davon, dass das Haus durchaus renoviert werden könnte.

«Ein Anker in der Geschichte»

In der Zwischenzeit ist das Mitwirkungsverfahren abgeschlossen. Zwei Eingaben beziehungsweise Vorschläge wurden eingereicht – den Wunsch, das Haus aus dem 19. Jahrhundert zu erhalten, äusserte niemand. Kühnis hat sich ebenfalls nicht am Verfahren beteiligt. Er habe es mit persönlichem Kontakt versucht, sagt er. «Leider ohne Erfolg.»

Er ist enttäuscht, dass sich kaum noch jemand für Häuser wie dieses einsetzt. «Aus ästhetischen und historischen Gründen sollte man die Sommerau erhalten», sagt er. «Diesen Anker in der Geschichte sollte man nicht wegwerfen. Ein Abriss bedeutet die Zerstörung eines wertvollen Kulturguts.» Verstehen könne er auch nicht, warum das Gebäude bei der Revision der Bau- und Nutzungsordnung nicht unter Schutz gestellt wurde.

Die zuständige Vizepräsidentin Rosi Magon sagt auf Anfrage der az: «Mit der Revision der BNO musste auch das Inventar der schützenswerten Bauten überprüft werden.» Dafür sei der kantonale Denkmal- und Ortsbildschutz zuständig. Allerdings steht es weder unter kommunalem noch kantonalem Schutz. «Die Sommerau, oder auch Löwenkopf-Haus genannt, ist im Bauinventar aufgeführt», führt Magon aus. Es beinhalte zwei Reliefs vom Pförtnerhaus des Klosters Königsfelden, die hier verwendet wurden. Sie ergänzt: «Bei einem Abbruch dieses Hauses sind diese zwei Reliefs zu erhalten. Die Bauträgerschaft muss der Abteilung Planung und Bau in einem Konzept aufzeigen, wie diese gesichert, gelagert und allenfalls weiterverwendet werden können.» Linus Schmid, Geschäftsführer der Reliag AG, die die Überbauung plant, verspricht: «Die Reliefs bleiben erhalten und sollen ins neue Areal zur Freude aller angemessen integriert werden.»

Ein Entscheid der Bauträgerschaft

Rosi Magon sagte bereits an der öffentlichen Informationsveranstaltung, dass im Gestaltungsplan der Erhalt des Hauses möglich ist. «Die Bauträgerschaft muss entscheiden, was sie auf diesem Baufeld machen will. Neubau mit höherer Ausnutzung oder Erhalt eines Zeitzeugen von Unterwindisch.» Der Gemeinderat allerdings habe bereits eine Abbruchbewilligung erteilt, eben mit der Auflage, die Reliefs zu sichern. Dagegen ist keine Einwendung eingegangen.

Eine Nachfrage bei Schmid, der auch Grundeigentümer Daniel Knecht vertritt, zeigt: Ein Erhalt des Hauses kommt für den Grundeigentümer nicht infrage. «Die Liegenschaft in der Sommerau hat ihre Nutzungsdauer seit längerem überschritten.» Die Liegenschaft sei für die heute angestrebten zeitgemässen Wohnansprüche nicht mehr sanierungsfähig. «Ein Erhalt der Liegenschaft würde aber insbesondere den heutigen Ansprüchen an eine verdichtete Bauweise und den damit verbundenen haushälterischen Umgang mit Grund und Boden widersprechen: Eine sinnvolle und nachhaltige Planung und Nutzung des Areals Sommerau würde einschneidend behindert», sagt Schmid. Auch aus Sicht der zuständigen kantonalen Instanzen werde die Liegenschaft weder als erhaltens- noch als schützenswert beurteilt. Ein Verkauf des Grundstücks, auf dem die Sommerau steht, kommt für den Grundeigentümer ebenfalls nicht infrage.

Von der Bauherrschaft fordert die Gemeinde, dass «eine gesamthaft bessere Überbauung entsteht», wie es Rosi Magon ausdrückt. Die Überbauung müsse sich durch hohe Siedlungsqualität (Architektur und Freiraum mit Rücksicht auf Landschaft und Schutzgebiet), hohe Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, Ökologie am Bau, naturnahe Umgebungsgestaltung auszeichnen.