Lupfig
Lis Frey: «Ich schätzte den Kontakt mit den Leuten»

Bekannt geworden ist sie als Regionalredaktorin des «Badener Tagblatts», dann der Aargauer Zeitung, später mit Lesungen selbst verfasster Geschichten und mit Kochkursen. Lis Frey, 80 Jahre alt geworden, verlässt nach 54-jährigem Wirken die Region.

Edgar Zimmermann
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Lis Frey in ihrer Wohnung in Lupfig mit einem Elefanten, den sie von einem Arbeitskollegen geschenkt bekam. Mario Heller

Lis Frey in ihrer Wohnung in Lupfig mit einem Elefanten, den sie von einem Arbeitskollegen geschenkt bekam. Mario Heller

Mario Heller

Sie ist ein bekanntes Gesicht, bekannt geworden vor allem als Regionalredaktorin (fr) des «Badener Tagblatts» (BT), dann der Aargauer Zeitung, später mit Lesungen selbst verfasster Geschichten und mit Kochkursen. Mitte Oktober zügelt sie in die Nähe ihrer Tochter und deren Familie nach Emmen.

«Ich wäre gerne in unserer Region, mit der ich so stark verbunden bin, geblieben, wenn ich nicht gesundheitlich angeschlagen wäre», gesteht Lis Frey. Aber: «Ich freue mich auf die neue Heimat, auf die Kulturstadt Luzern, die wunderschöne Landschaft. Die Züglete ist eine Art Abenteuerreise, und ich habe in meinem Leben ja viele Abenteuerreisen unternommen.»

Tatsächlich bereiste sie viele ferne Länder wie die Himalaja-Staaten, den Nahen Osten, Australien, China, Afrika. Sie kehrte immer mit Elefanten im Kleinformat zurück. Fasziniert von diesem Tier sammelte sie jahrzehntelang Elefanten in den unterschiedlichsten Materialien – über 1200 Exemplare zählt ihre Sammlung heute.

Vom Emmental in den Aargau

Einige Lebensstationen: Aufgewachsen in Sumiswald, KV-Lehre, ab 1961 in Ennetbaden, Sekretärin bei der BBC, 1964 Züglete mit der Familie nach Birr. Dort befand sich die Wyden-Siedlung im Bau. Der Neuzuzügerin wurde es zu einem Bedürfnis, im «Team Gemeindeaufbau» mitzuwirken und die in die Gemeinde strömenden Ausländer integrieren zu helfen. Sie engagierte sich bei Projekten wie Club International, Neuzuzügerabende, Kinderbetreuung, Jugendhaus Juppi, Schachklub. Es ging ihr darum, den Kontakt und das Verständnis zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern.

In diesem Zusammenhang begann sie, Berichte für das Badener, Aargauer und Zofinger Tagblatt zu schreiben, war aber auch in der Redaktionskommission des reformierten «Kirchenboten» tätig. Nach Absolvierung eines Journalistenkurses wurde sie 1972 vom BT als feste Mitarbeiterin mit Hauptgebiet Birrfeld verpflichtet. Anfang Juli 1981 trat sie in die Redaktion des Ressorts Brugg-Windisch ein und wurde zu einer wichtigen Stütze, zu einer «Zeitungsfrau mit Leib und Seele» mit einem enormen Arbeitspensum und einem breiten Themenbereich. «Ich schätzte den Kontakt mit den Leuten und setzte mich gerne für die Bevölkerung und unsere Region ein.» Und sie wurde ihrerseits geschätzt.

Der Tipp von Rudolf von Salis

Bei einem Interview mit dem Historiker Rudolf von Salis regte dieser an, sie möge ihre Geschichten aus der Jugendzeit doch aufschreiben. Diesem Rat folgte sie nach der im April 1998 erfolgten Pensionierung. Gedacht waren sie vor allem für ihr Enkelkind.

Als auch andernorts Interesse aufkeimte, trug Lis Frey ihre berndeutschen Geschichten – inzwischen sind es um die 55 – auf Anfrage hin an zahlreichen Anlässen vor. Hinzu kamen Kochkurse «Essen und Trinken bei Gotthelf» mit Lesung und dem Hauptmenü Hackbraten.

Fast 18 Jahre lang war sie zwischendurch in Brugg wohnhaft, dann zog es sie zurück ins Birrfeld. Dass sie hier die Jugendfestrede halten durfte, freute sie ebenso wie etwa die Ernennung zum Ehrenmitglied der in Hottwil gegründeten Wessenberg-Akademie. Schwere Zeiten und Schicksalsschläge blieben ihr im Leben aber nicht erspart.

Werden der 80-Jährigen künftig nicht gewisse Aktivitäten fehlen? «Vielleicht kann ich auch in der neuen Heimat da und dort mal eine Lesung abhalten – und zwei Engagements in unserer Region sind ebenfalls schon eingetroffen», sagt Frey optimistisch.

Adolf Ogi als Helfer und eine zu nasse Schämpis-Taufe

Lis Frey – Besondere Begegnungen und Erlebnisse im Zuge der Berichterstattungen

In Burgdorf wurde im Jahr 1991 das zum Museum umgebaute Kornhaus eröffnet. Das «Badener Tagblatt» schickte die gebürtige Emmentalerin an diesen Anlass. Als Bundesrat Adolf Ogi mit dem Stadt- und dem Stiftungspräsidenten das Band durchschnitt, war das Gedränge der Fotografen dermassen gross, dass Lis Frey kein Bild glückte. Nach der Zeremonie schilderte sie Ogi das Missgeschick. Kurzerhand bot er die beiden Präsidenten zu einem neuerlichen Banddurchschnitt fürs BT auf.

An der grossen Air-Show im Jahr 1994 in Buochs wurden die Hawker Hunter verabschiedet. Die Aviatik-Journalisten befanden sich auf einem Hügel mit Sicht auf das Geschehen am Himmel. Doch da merkte Frey, dass sie für den spektakulären Schluss-Überflug falsch platziert waren. Es war verboten, auf die gegenüberliegende Seite zu wechseln. Frey begab sich zu einem Militärfahrzeug und fragte den Soldaten charmant, ob er sie hinüberfahren würde. Es klappte. Und so konnte sie den ganzen Hunter-Pulk auf den Film bannen, was zu einem Exklusivbild auf der Frontseite führte.

Ebenfalls 1994 war Lis Frey als Berichterstatterin an der Gründung des Hospiz-Vereins Aargau in Bremgarten dabei. Nach der Versammlung wollte man auf die «Taufe» anstossen. Die Service-Angestellte stolperte aber auf dem Teppich, mehrere Gläser auf dem Tablett kippten und gossen ihren Inhalt auf das Kleid der Berichterstatterin. Pflotschnass machte Lis Frey sich auf den Heimweg und hoffte inständig, in keine Polizeikontrolle zu geraten, denn in ihrem Auto roch es enorm nach Alkohol … (nn)

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