Bözberg

Linn hat einen neuen Kulturtreffpunkt – wie damals in den Jahren 1980 bis 1999

Martha und Franz-Friedrich Fischer freuen sich darauf, ihr kulturelles Engagement in ihrem Bauernhaus fortzusetzen.

Martha und Franz-Friedrich Fischer freuen sich darauf, ihr kulturelles Engagement in ihrem Bauernhaus fortzusetzen.

Martha und Franz-Friedrich Fischer sind im Pensionsalter auf den Bözberg zurückgekehrt. Nun hauchen sie dem sanierten Haus Leben ein.

Was für ein Unterschied: Während Jahren wurde der Scheunen- und Stallteil des grossen Bauernhauses im Bözberger Ortsteil Linn kaum genutzt. Nach einer umfassenden Sanierung erstrahlt das Bijou in neuem Glanz und wird nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Denn das Besitzerpaar Franz-Friedrich und Martha Fischer hat sich entschieden, in diesem Hausteil wieder kulturelle Veranstaltungen durchzuführen – wie damals in den Jahren 1980 bis 1999.

Den Auftakt macht am Sonntag Schauspieler Hans- Rudolf Twerenbold. Zum 100. Todesjahr von Schriftsteller Paul Haller liest er für geladene Gäste aus dem Mundartepos «s’Juramareili». Malereien des bald 88-jährigen Künstlers Kurt Hediger aus Reinach umrahmen das Stimmungsbild. Von 14 bis 17 Uhr ist die Ausstellung, die bis am 1. November dauert, am ersten Tag für alle Interessierten zugänglich. Danach steht die Ausstellung samstags und sonntags von 10.30 bis 17 Uhr offen.

Vor 40 Jahren erkannten sie das Potenzial des Hauses

Dass Franz-Friedrich Fischer, der am Samstag seinen 76. Geburtstag feiern kann, 2018 mit seiner um acht Jahre jüngeren Ehefrau Martha von Freiburg nach Linn zurückkehrte, haben nicht alle im Umfeld verstanden. Der Psychotherapeut war in einer zehnköpfigen Kleinbauernfamilie im luzernischen Willisau auf­gewachsen. Später studierte er Heilpädagogik, Philosophie, Theologie und Recht sowie Psychologie und Pädagogik in Zürich und Innsbruck. Auch Martha stammt aus Willisau.

Vor 40 Jahren kaufte das Paar die Liegenschaft an der Linner Dorfstrasse, weil es hier Potenzial sah, sich handwerklich zu verwirklichen und die Liegenschaft weiterzuentwickeln. Fischers legten oft – zusammen mit Freunden – Hand an. «Das war ein willkommener Ausgleich, weil durch das reine Studium der Körper zu verkümmern droht», sagt Franz-Friedrich Fischer und schmunzelt. Von 1982 bis 1992 übte er im kleinen Linn nach dem Amt des Vizeammanns das Amt des Gemeindeammanns aus.

Er war im Spital und sie fällte Grundsatzentscheid

Aus beruflichen Gründen zog das Paar 1999 mit den Kindern Kaspar und Lea-Nina nach Freiburg. «Das war das Beste. Unser Ziel war, dass der Umzug in die Westschweiz allen Familienmitgliedern etwas bringt», erzählt Martha Fischer, die unter anderem als Dozentin im Bereich Gestaltung und Didaktik an der PH und Uni Freiburg arbeitete. Die Kinder besuchten sowohl die französisch- wie deutschsprachige Primarschule. Als Marthas Ehemann aufgrund einer akuten Leukämie während 27 Wochen ans Spitalbett gebunden war, entschied sie als Hauptverdienerin, dass die Familie länger als geplant in Freiburg bleibt.

Doch das idyllisch gelegene Haus in Linn blieb für Fischers stets eine Herzensangelegenheit. Hier logierte Franz-Friedrich, wenn er für die Tätigkeit in seiner eigenen Praxis in Bremgarten in den Aargau fuhr.

Unerwartetes Projekt nahm seinen Gang

Das Paar ist in der Westschweiz und im Aargau hervorragend vernetzt. Für den neuen Lebensabschnitt nahm es sich vor, dem Herzen zu folgen und primär das zu machen, worauf es Lust hat, ohne Druck von aussen. Eine Vision war, das Wohnhaus in Linn zu sanieren. Sohn Kaspar, inzwischen Architekt, half Bauführerin Martha, viel Licht ins neue Haus zu bringen.

Als es darum ging, den repräsentativen und stilvoll eingerichteten Scheunenteil zu bespielen, fragte Franz-Friedrich Fischer seinen früheren Lehrerkollegen Hans-Rudolf Twerenbold für eine Lesung an. Sie kennen sich seit der gemeinsamen Zeit an der Endinger Bezirksschule. Um der Lesung einen stimmigen Rahmen zu geben, hatte Twerenbold die Idee, den Raum mit Landschaftsbildern von Kurt Hediger zu schmücken. Nachdem der Kontakt zum bekannten Kunstmaler hergestellt war, nahm ein unerwartetes Projekt seinen Gang.

Begegnungen liefern Ideen für weitere Veranstaltungen

Mit Tochter und Kunsthistorikerin Lea-Nina durfte sich Martha Fischer Hedigers Werke in dessen Lager anschauen. Insgesamt 36 Werke – Landschaftsbilder und Stillleben – sind nun im Linner Scheunen- und Stallteil so perfekt arrangiert, dass Hediger bei einem Augenschein vor Ort nichts zu bemängeln hatte. «Die Bilder, die wir hier zeigen dürfen, sind mein Lohn», schwärmt Martha Fischer. Sie ist begeistert von den impressionistischen und expressionistischen Ein­flüssen in den Werken. Da der Künstler oft im Freien arbeitet, weiss er Naturelemente wie Schnee oder Baumblätter, die auf der Leinwand landen, geschickt in seine Ölgemälde zu integrieren. Kurt Hediger hat vor, an den drei Sonntagnachmittagen persönlich in Linn anwesend zu sein. Alle gezeigten Werke sind käuflich.

Im ehemaligen Stall hängen Landschaftsbilder von Kurt Hediger.

Im ehemaligen Stall hängen Landschaftsbilder von Kurt Hediger.

Im Zentrum ihres kulturellen Engagements in Linn stehen für Fischers die Begegnungen. «Sie ermöglichen Neues», sagt Martha. «Wir wollen nicht einfach etwas machen, es braucht Herzblut und einen Austausch.» Das Ehepaar ist überzeugt, dass bei Begegnungen neue Ideen für weitere Veranstaltungen entstehen werden. Fischers sind bewusst nach Linn zurückgekehrt, wo es weder Laden noch Restaurant gibt. Sie sehen es als Auftrag, zu diesem Haus zu schauen und den Puls des Lebens neu zu spüren. «Wenn man mit der Zeit geht, kann man sich im Alter arrangieren», lautet Marthas Fazit. Das Geheimnisvolle gibt dem Leben des Paars Energie.

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