Brugg

Linke Kandidaten verärgert – Gewerbeverein hörte nicht alle an

Vier bisherige Stadträte treten zur Wiederwahl an (v. l.): Andrea Metzler (SP), Leo Geissmann (CVP), Willi Däpp (SP) und Reto Wettstein (FDP). Sandra Ardizzone

Vier bisherige Stadträte treten zur Wiederwahl an (v. l.): Andrea Metzler (SP), Leo Geissmann (CVP), Willi Däpp (SP) und Reto Wettstein (FDP). Sandra Ardizzone

Die Wahlempfehlung vom Zentrum Brugg zu den Stadtratswahlen sorgt für Fragen und Zündstoff.

Der Gewerbeverein Zentrum Brugg gab Ende August nach den Hearings mit den drei Stadtammann-Kandidaten bekannt, dass er Titus Meier (FDP) für die Wahl als Stadtammann, die Vizeammann-Kandidatur von Leo Geissmann (CVP) sowie die Stadtrats-Kandidaturen von Richard Fischer (parteilos) und Reto Wettstein (FDP) unterstützt. Die Kandidaten aus dem linken Lager gingen leer aus: Barbara Horlacher (Stadtammann, Grüne), Andrea Metzler (Vizeammann, SP) und Willi Däpp (Stadtrat, SP). «Wir wollten unser Ticket auch nicht zu breit machen», sagte Zentrum-Präsident Dietrich Berger bei der Präsentation auf die Frage, warum die Linken den Gewerbeverein nicht überzeugen konnten.

Am Rande des AZ-Wahlpodiums im Brugger Salzhaus musste Berger dann einiges an Kritik einstecken. Ein verärgerter Gast sagte ihm, dass er künftig nur noch im Ausland einkaufen werde, wenn der Gewerbeverein meine, er müsse sich so in den Wahlkampf einmischen. Auch Stadtrat Willi Däpp und Vizeammann Andrea Metzler zeigten sich erstaunt über die Wahlempfehlung von Zentrum Brugg, wurden sie vom Gewerbeverein doch gar nie zu einem Interview oder Assessment eingeladen.

Parteizugehörigkeit entscheidend

Dietrich Berger bestätigt, dass Zentrum Brugg nur mit den Ammann-Kandidaten ein Hearing durchgeführt hat. Während der letzten Jahre habe das Zentrum aber mit einigen Stadträten näheren Kontakt gehabt. Die dort gemachten Erfahrungen hätten unter anderem zu der Wahlempfehlung geführt, fährt der Präsident fort. «Aus diesen Kontakten war auch klar spürbar, bei wem die Themen und Fragen des Gewerbes einen hohen Stellenwert einnehmen.»

Willi Däpp und Andrea Metzler können nicht verstehen, warum man sie nicht zu Hearings eingeladen hat: «Unserer Ansicht nach hat das Zentrum allein nach der Parteizugehörigkeit entschieden. Ehrlicher wäre die Kommunikation gewesen, dass die Zentrumsvereinigung prinzipiell nur Kandidierende von bürgerlichen Parteien unterstützt.»

Als Mitglieder des Stadtrats stünden sie in regelmässigem Austausch mit verschiedenen Interessengruppierungen, dazu gehöre auch die Zentrumsvereinigung mit den Round Tables. «Es ist sowohl dem ganzen Stadtrat wie auch uns zweien wichtig, dass gute Rahmenbedingungen für das Gewerbe vorhanden sind. Betonen möchten wir weiter, dass wir auch als Privatpersonen, wenn immer möglich, das lokale Gewerbe unterstützen», so Däpp und Metzler.

Sie engagierten sich als Stadtratsmitglieder für den Verbleib des Berufs- und Weiterbildungszentrums (BWZ) in Brugg und für die weitere Zahlung von Betriebsbeiträgen der Stadt Brugg an den Campussaal. «Mit diesen Engagements haben wir zusammen mit dem gesamten Stadtrat die Standortattraktivität der Stadt Brugg gefördert und damit indirekt auch das lokale Gewerbe gestärkt», halten die beiden SP-Politiker fest. In der neuen Legislatur stehe die Umsetzung des Masterplans «Aufwertung Bahnhofplatz/Neumarkt» mit seinen Teilprojekten an, was ebenfalls zur Stärkung des Standorts Brugg beitragen wird.

Willi Däpp und Andrea Metzler werden weiterhin den Dialog mit dem Gewerbe und der Zentrumsvereinigung pflegen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten prüfen, «auch wenn uns die Zentrumsvereinigung nicht unterstützt». An ihrer Einstellung und an ihrem Engagement für gute gewerbliche Rahmenbedingungen werde sich in der nächsten Legislatur nichts ändern.

Zentrum-Präsident Berger will nicht sagen, was bei der Wahlempfehlung gegen Däpp und Metzler gesprochen hat. «Ich werde keine Negativauskünfte erteilen», sagt er auf Nachfrage. Was bei den Round-Table-Gesprächen mit dem Stadtrat wie von wem gesagt wurde, sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

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