«Die Leute in der Schweiz sind einfach zu reich.», stellt die Scherzerin Patricia Stoll fest. Ihrer Meinung nach wird zu viel entsorgt, was man noch brauchen könnte. Deshalb kämpft sie für die Nachhaltigkeit.

Sie begann, Bücher von einer Verwandten, die diese «nahezu verschlang», zu sammeln. Anstelle diese wegzuwerfen, wollte die Initiantin die Bücher für die Einwohner in Scherz zur Verfügung stellen. Diese seien schliesslich alle «noch fast neuwertig.», betont die Bürgerin.

Doch dass Stoll hinter dieser Aktion steckt, wissen vermutlich nicht viele. Denn auf dem Aushang neben der Bibliothek steht kein Name. «Ich wollte anonym bleiben.» Dennoch gibt sie auf Anfrage gerne Auskunft über ihre Identität.

Bücher für Jung und Alt

Auf die Idee, bereits gelesene Bücher in einem Regal für andere zur Verfügung zu stellen, kam sie nicht als Erste. Bereits vor einiger Zeit wurde sie im Bündnerland auf dieses Konzept aufmerksam.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis sie das Projekt in Scherz, in einem kleinen Häuschen neben dem Entsorgungsplatz, startete. Nach einer mündlich erteilten Erlaubnis der Gemeinde, platzierte die Initiantin ein Bücherregal, das sie am Strassenrand fand, und einen Stuhl, der aus einer Abfallmulde stammt, an den Ort, der der Gemeinde Scherz als Entsorgungsstelle dient.

In besagtem Bücherregal befinden sich Lektüren für Jung und Alt. Auf den oberen Tablaren findet man vor allem Krimis, was das bevorzugte Genre der Verwandten ist. Später kamen aber auch Bilderstrecken, Liebesromane und Kinderbücher hinzu. Auch ein Reiseführer für London fand kürzlich einen neuen Platz im Regal.

Ein Projekt auf Zeit

Ein System gibt es bei dieser Bibliothek jedoch nicht. Jeder kann sich bedienen und wenn gewünscht, auch ein eigenes Buch ins Regal stellen. Es dauerte rund zwei Wochen, bis die Ersten sich an der Bücherauswahl bedienten.

Das Angebot wird nun aber fleissig von den Einwohnern in Scherz genutzt. Mit dem Problem des Vandalismus hatte sie bis jetzt auch noch nie zu kämpfen. Trotz Instandhaltung, die die Scherzerin selbst übernimmt, will sie nicht mehr Geld in das kleine Projekt investieren.

«Eigentlich sind die Bücher ja nur Abfall.» Wie lange das Bücherregal noch im Werkshaus in Scherz steht, kann sie nicht sagen. «Vielleicht noch bis im Winter, anschliessend entsorge ich die Bücher dann im Altpapier.»