Brugg

Leiterin verlässt die Stadtbibliothek bereits nach 18 Monaten

Joséphine Erne-Anrig geht. cm

Joséphine Erne-Anrig geht. cm

Das war ein kurzes Gastspiel: Joséphine Erne-Anrig hat sich für die Stadtbibliothek engagiert und hinterfragt nun die verkrustete Vereinsstruktur. Die Bibliothek müsste aus ihrer Sicht dringend vom Zimmermannhaus Richtung Eisi verschoben werden.

Reges Treiben am Dienstagmorgen in der Stadtbibliothek Brugg: Eine Neuzuzügerin erkundigt sich nach Medien, um Schweizerdeutsch zu lernen; Kinder möchten eine CD länger ausleihen und ein älterer Herr findet schnell neuen Lesestoff. Leiterin Joséphine Erne-Anrig ist im Element und gibt gerne Auskunft und Tipps, die weit über das Angebot in der Bibliothek hinausgehen.

Als Erne im Januar 2015 ihre neue 60-Prozent-Stelle als Bibliotheksleiterin in Brugg antrat, war sie voller Tatendrang. Nun hat die 50-Jährige aus Rothrist auf Ende Juni bereits gekündigt. «Die Stadtbibliothek ist eine Dienstleistung für die Menschen und muss, meiner Meinung nach, auch so gesehen und geführt werden», sagt Erne. Wie gross der Optimierungsbedarf für die Institution mit gut 33 000 Medien ist, brachte kurz nach Ernes Stellenantritt eine Kundenbefragung zutage. «Die knapp 600 Rückmeldungen haben mich sehr berührt und waren mir ein Motor in meiner Arbeit für die Stadtbibliothek», sagt Erne.

Einiges hat sich seither verbessert: übersichtlicheres Angebot, sauber präsentiert und mehr Sitzmöglichkeiten – inklusive Café-Ecke für die Kunden. Bisher nicht umgesetzt wurden ein neuer Internet-Auftritt und der Umzug an einen besser zugänglichen und zentraleren Standort. Dass es an einigen Stellen klemmt, führt Erne unter anderem auf die Vereinsstruktur zurück: «Der Vorstand der Stadtbibliothek Brugg ist ein Laiengremium. Es sitzen drin: Kultur-Stadtrat Leo Geissmann von Amtes wegen sowie vier Laien, davon eine Person, die die Buchhaltung führt, und als einzige Fachperson, die Bibliotheksleitung.» Die Präsidentin stellte die Bibliotheksleiterin ein.

Neuer Standort Richtung Eisi

«Ich wurde mit der Forderung nach einer umfassenden Bibliotheksentwicklung angestellt, was ich auch gerne in Angriff genommen habe», so Erne weiter. Und: Es sei absolut toll, wie verschiedenste Menschen von Brugg sich aktiv für ihre Bibliothek engagiert haben. Die gute Zusammenarbeit mit den Schulen, der Initiative Altstadt, dem Seniorenrat und der Koordinationsstelle Alter bezeichnet Erne als Höhepunkte. Dass sich die Stadtbibliothek Brugg in den letzten 16 Monaten zu einem gemütlichen Ort der Begegnung, wo Medien ausgeliehen werden können und die Lese- und Informationskompetenz aktiv gefördert wird, gemausert hat, freut Erne und macht sie stolz.

Ein Kränzchen windet sie dem zuständigen Stadtrat Leo Geissmann, der die Arbeit der Bibliothek mit seiner ruhigen Art aktiv gefördert habe. Was den neuen Standort betrifft, so sei hoffentlich allen klar, dass dieser dringendst Richtung Eisi verschoben werden sollte, fährt Erne fort.

Die Leiterin hat sich nach monatelangem inneren Ringen zur Kündigung entschlossen. Die Diskrepanz zwischen den Forderungen des Vorstands und der täglichen Bibliotheksarbeit sei zu gross. Auch das Tempo der Umstrukturierungen muss laut Erne den Nutzern und den Personalressourcen angepasst sein und bleiben. Die Leiterin hat sich nach eigenen Angaben weit mehr, als in einem 60-Prozent-Pensum zu erwarten wäre, für die Bibliothek eingesetzt, aber auch ihr Tag habe nur 24 Stunden.

Bewerbungsgespräche laufen

Zurzeit liegt die Verantwortung der Stadtbibliothek Brugg auf den Schultern des Vereinsvorstands. Erne weiss aus Erfahrung, dass es von Vorteil wäre, dieses Konstrukt zu überdenken und die Bibliothek – wie es der Name sagt – der Stadt zu übergeben. Noch ist unklar, wie es im Sommer bei Erne weitergeht. Vor wenigen Tagen hat sie die Prüfung zur Mentaltrainerin abgelegt.

Die Stelle (60–80%) für eine neue Bibliothekarin oder einen neuen Bibliothekar als Leitung der Stadtbibliothek Brugg wurde ausgeschrieben, sagt Vereinspräsidentin Käthi Süess. Die Bewerbungsgespräche laufen. Am eingeschlagenen Weg hin zu einer zeitgemässen Bibliothek soll nichts ändern. Nach einer Einarbeitungsphase stehe für die Nachfolge als Nächstes die Überarbeitung des Webauftritts an. Bezüglich geeigneteren Räumlichkeiten ist der Vorstand weiterhin im Gespräch mit dem Stadtrat. «Der Bedarf und die Positionierung der Bibliothek sollen mit externer Hilfe in einem Bibliothekskonzept erarbeitet werden», erklärt Präsidentin Süess, ohne Details zu verraten.

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