Bözen/Brugg
Lehrer Rolf Alder: «In der Stadt wäre es bestimmt anders»

Der ehemalige Brugger Stadtammann Rolf Alder unterrichtet während fünf Monaten eine Abschlussklasse im Fricktal. Als Lehrer motiviert er seine Schüler und zeichnet ihnen die Möglichkeiten, die sie nach dem Abschluss einer Berufslehre haben, auf.

Claudia Meier
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Der ehemalige Stadtammann von Brugg und Lehrer, Rolf Alder, mit seinen sieben Sekundarschülern im Klassenzimmer in Bözen. Die Oberstufe wird Ende Schuljahr definitiv geschlossen.Mathias Marx

Der ehemalige Stadtammann von Brugg und Lehrer, Rolf Alder, mit seinen sieben Sekundarschülern im Klassenzimmer in Bözen. Die Oberstufe wird Ende Schuljahr definitiv geschlossen.Mathias Marx

«Am Mittwoch haben wir Papiersammlung. Dann habe ich keine Zeit», antwortet der ehemalige Brugger Stadtammann und Lehrer Rolf Alder, als die Aargauer Zeitung nach einem passenden Fototermin in der Schule Bözen fragt.

Alders fünfmonatige Stellvertretung im Fricktal läuft in einer Woche aus. Doch zuvor hilft er tatkräftig bei der Papiersammlung mit. «Ich habe am Auto die Anhängervorrichtung montiert.»

Seit November unterrichtet Alder die sieben letzten Sekundarschüler in Bözen (siehe Box). Die Arbeit macht dem ehemaligen Vollblutpolitiker sichtlich Spass, auch wenn die Schüler sagen, er sei streng.

BEEHZ schliesst endgültig

Die Kreisschule BEEHZ (Bözen, Effingen, Elfingen, Hornussen, Zeihen) besteht noch bis Ende Schuljahr 2012/13. Am Standort Bözen werden die beiden letzten Real- und Sekundarschulklassen zum Schulabschluss geführt. Alle anderen Klassen besuchen die Schule in der Gemeinde Frick. Primarschule und Kindergarten bleiben in Bözen. Mit der endgültigen Schliessung der Oberstufe geht eine Ära zu Ende. Die Aargauer Zeitung berichtet in loser Folge über die letzten 17 Oberstufenschüler auf dem Sprung in die Arbeitswelt. (CM)

«Ich habe einen super Stundenplan. Ausser am Dienstag habe ich nachmittags immer frei – selbstverständlich nur unterrichtsfrei», schwärmt er und fährt fort: «Am Anfang legte ich klare Regeln fest. Damit bin ich schon vor 25 Jahren, als ich noch vollamtlich als Lehrer tätig war, sehr gut gefahren.»

Handwerkerberufe sind beliebt

Alder gefällt es – nicht zuletzt wegen des sonnigen Wetters – ausgezeichnet im Fricktal. Trotzdem räumt er ein: «Für die Abschlussklasse wäre es besser gewesen, sie hätte während des ganzen Jahrs die gleiche Lehrperson gehabt. Das sagen mir auch die Schüler.»

Aber mit Blick auf den im August beginnenden Unterricht in der Berufsschule haben die Jugendlichen so bereits einen Vorgeschmack auf mehrere Lehrpersonen bekommen. Nur noch 17 Oberstufenschüler tummeln sich auf dem Pausenplatz. Viele Schüler hätten genug von der Schule und freuen sich auf die Arbeitswelt, sagt Alder verständnisvoll.

«Der Berufswahlprozess war gut aufgegleist. Praktisch alle haben eine Lehrstelle auf sicher», erzählt Alder. «Ich freue mich sehr für die jungen Berufsleute. Zwei machen eine Lehre als Maurer. Ich finde es super, dass die Schüler handwerkliche Berufe wählen. In der Stadt wäre es bestimmt anders.»

Als Lehrer motiviert er seine Schüler und zeichnet ihnen die Möglichkeiten, die sie nach dem Abschluss einer Berufslehre haben, auf. «Ihr müsst in der Berufsschule vom ersten Tag an Gas geben, dann stehen euch unendlich viele Möglichkeiten – auch an der Fachhochschule – offen», appelliert er an seine Schüler.

Abschlussreise nach Berlin

Die beiden letzten Klassen der Oberstufe werden im Juni gemeinsam eine Abschlussreise nach Berlin unternehmen. Mit Arbeitseinsätzen und Backwarenständen sammeln sie Geld für ihre Reise. «Ich sitze auf der Ersatzbank», antwortet Alder auf die Frage, ob er auch mitreisen werde. Sollte eine Begleitperson kurzfristig ausfallen, würde er einspringen.

Am 4. Januar 2010 – nur vier Tage nachdem er sein Stadtammann-Mandat niedergelegt hatte – stand der Politiker als Stellvertreter vor einer Schulklasse in Rothrist. «Ich wurde richtiggehend ins kalte Wasser geworfen. Aber kaum hatte ich angefangen, kamen bereits die Sportferien. Das war wunderbar. Als Stadtammann war ich während 20 Jahren an 365 Tagen erreichbar.»

Danach folgten weitere Oberstufen-Stellvertretungen. «All diese Stellvertretungen hätte ich nicht gemacht, wenn mir das Unterrichten nicht so viel Spass machen würde», sagt Alder und lacht. Viele seiner früheren Mitstreiter am Lehrerseminar in Wettingen hätten sich frühzeitig pensionieren lassen. Alder wird im Juni 64 Jahre alt und strotzt vor Energie.

Wie geht es für den ehemaligen Stadtammann im Unruhestand nach den Frühlingsferien weiter? «Ich habe schon ein ganzes Programm zusammen, dabei würde ich doch sehr gerne auch mal ausspannen», erzählt er. Seit über 30 Jahren hat Alder ein Segelboot auf dem Hallwilersee. Der Lehrer möchte den günstigen Wind und die freie Zeit im Frühling wieder vermehrt nutzen, um über den See zu gleiten.

«Im Juni und nach den Sommerferien übernehme ich noch zwei kleine Stellvertretungen in Villmergen, aber dieses Mal sind es nur Kurzeinsätze», sagt Alder augenzwinkernd. Zu Hause warten bereits wieder neue Anfragen für weitere Engagements auf seinem Pult.