Umiken
Lehnen alle Kirchenpfleger die Wahl ab, kann das ins Geld gehen

Wird Pfarrerin Christina Winkler gewählt, droht der reformierten Kirchgemeinde Umiken die Zwangsverwaltung. Denn dann wollen alle Kirchenpfleger die eigene Wahl ablehnen. Die Steuerzahler könnte das bis zu 70'000 Franken jährlich kosten.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Die Idylle trügt: Die Kirchgemeinde Umiken ist in Sachen Pfarrerin und Kirchenpflege in zwei Lager gespalten.

Die Idylle trügt: Die Kirchgemeinde Umiken ist in Sachen Pfarrerin und Kirchenpflege in zwei Lager gespalten.

Claudia Meier

Bei den Gesamterneuerungswahlen der Reformierten Kirchgemeinde Umiken am 28. September stellt sich Pfarrerin Christina Winkler ohne Unterstützung der Kirchenpflege der Wiederwahl (die az berichtete). Auch alle sechs bisherigen Kirchenpfleger – drei aus Umiken und drei aus Riniken – kandidieren für die neue Amtsperiode. Für die fehlenden drei Sitze aus Villnachern konnten noch keine Kandidaten gefunden werden.

Wo Kuratoren im Einsatz sind

3 Kuratoren sind gemäss Auskunft der Reformierten Landeskirche aktuell im Kanton Aargau im Einsatz, und zwar in den Kirchgemeinden Auenstein, Rein und Zurzach. Der Kirchenrat hat ein viertes Kuratorium der Kirchgemeinde Muhen Ende Juni aufgehoben und die Führung der neu gewählten Kirchenpflege übergeben. (CM)

Sollte Pfarrerin Winkler das absolute Mehr erreichen und die Wahl annehmen, wollen die Kirchenpfleger – wie angekündigt – eine allfällige Wiederwahl ablehnen. Für diesen Entscheid hätten sie drei Tage Zeit, so Beat Huwyler, Leiter Theologie und Recht bei der Reformierten Landeskirche Aargau.

Was würde das konkret für die Kirchgemeinde Umiken bedeuten? Beat Huwyler erklärt: «Innert fünf Tagen nach dem ersten Wahlgang können Kandidierende für die Kirchenpflege durch mindestens fünf Stimmberechtigte angemeldet werden. Wenn genügend oder mehr Personen gemeldet werden, findet am 30. November ein zweiter Wahlgang statt.» Werden nicht genügend Kandidierende angemeldet, legt das Wahlbüro eine Nachfrist für die Einreichung weiterer Wahlvorschläge fest.

Zwangsverwaltung ab 2015 droht

Eine Kirchenpflege sei beschlussfähig, wenn sie aus mindestens vier ehrenamtlichen Mitgliedern bestehe, so Huwyler weiter. Kandidierende können entweder an der Urne gewählt oder – bei weniger Anwärtern als verfügbaren Sitzen – als in stiller Wahl gewählt erklärt werden. Mit anderen Worten: Sollten in der Kirchgemeinde Umiken bis zum 30. November nicht mindestens vier Kirchenpflegemitglieder gewählt sein, errichtet der Kirchenrat per 1. Januar 2015 ein Kuratorium. «Die Geschäfte der Kirchgemeinde werden dann von einem vom Kirchenrat eingesetzten Kurator geführt, bis eine beschlussfähige Kirchenpflege eingesetzt werden kann», präzisiert Huwyler.

Diese Form der Zwangsverwaltung kann die Steuerzahler – je nach Arbeitsaufwand, Grösse der Kirchgemeinde, Anzahl Mitarbeitende und Entlastungsmöglichkeiten – teuer zu stehen kommen. Huwyler sagt dazu: «Die Erfahrungswerte bewegen sich zwischen 40 000 bis 70 000 Franken pro Jahr. Auch die Dauer des Kuratoriums hängt von der Situation ab. Die letzten Kuratorien dauerten zwischen eineinhalb und vier Jahren.» Erst Ende Juni konnte der Kirchenrat das Kuratorium der Kirchgemeinde Muhen aufheben und die Führung der neu gewählten Kirchenpflege übergeben. «Momentan haben wir im Aargau noch drei Kuratorien, und zwar in den Kirchgemeinden Auenstein, Rein und Zurzach», sagt Frank Worbs, Leiter Kommunikation bei der Reformierte Landeskirche Aargau.

Fusion mit Kirchgemeinde Brugg

Für die Wahl der Pfarrerin ist im aktuellen Fall kein zweiter Wahlgang möglich. Sollte sie nicht gewählt werden, würde die Suche nach einer Nachfolgerin sofort von einer Pfarrwahlkommission oder der Kirchenpflege in die Wege geleitet. Online schlagen az-Leser sogar vor, die Möglichkeit einer Integration der Kirchgemeinde Umiken in die Kirchgemeinde Brugg zu prüfen.

Aktuelle Nachrichten