Brugg
Lebenskünstler am Werk: Der Silvesterball ist seine Erfindung

Zum vierten Mal organisiert Hansruedi Lauper aus eigener Initiative einen Silversterball im Campussaal Brugg-Windisch. Er sagt, warum er seit einem Unfall ein grosser Optimist ist und was der Region guttun würde.

Claudia Meier
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Hansruedi Lauper ist im Element: Auf seiner Küchenkombination präsentiert er das Modell seiner selbst entworfenen Lounge, die in diesen Tagen entsteht. CM

Hansruedi Lauper ist im Element: Auf seiner Küchenkombination präsentiert er das Modell seiner selbst entworfenen Lounge, die in diesen Tagen entsteht. CM

Claudia Meier (cm)

Damit hat die Schreibende nicht gerechnet, denn: Es sei unmöglich, ihn zu beschreiben, man müsse ihn erleben, heisst es auf dem Facebook-Profil von Hansruedi Lauper. Nun sitzen wir zwei in Brugg am runden Tisch und trinken Kaffee und Tee. Der Blick gleitet über die riesige Terrasse. Die offene Wohnküche dient dem 47-Jährigen als Wohn- und Esszimmer, als Platz zum Überwintern der Balkonpflanzen, als Büro, als Kunstatelier und als Werkstatt.

Hier ist ein Lebenskünstler am Werk. Auf der Küchenkombination steht das Modell einer Holz-Lounge. «Das Original wird in den nächsten Tagen entstehen. Das Holz habe ich bereits zugeschnitten und der Bodenrahmen ist bereit», erklärt Lauper. Die Lounge soll nicht nur auf der eigenen Terrasse, sondern auch beim Fischessen des Pontoniersportvereins zum Einsatz kommen. Dort führt er seit einigen Jahren die Bar. «Ich war sowieso immer der Letzte, der ging», sagt er und lacht verschmitzt. Wegen den Aufführungen der Oper Schenkenberg musste das Fischessen dieses Jahr auf das erste September-Wochenende verschoben werden. «Das kam bei unseren Gästen gut an. Deshalb werden wir diesen Termin beibehalten», so Lauper. Ihm schwebt sogar vor, die Bar an der Aare mit einer Bühne für Newcomer-Bands künftig im Sommer während einigen Wochen zu betreiben – zum Beispiel vom slowUp-Wochenende Mitte August bis zum Fischessen.

«Ein Abstecher in die Opernwelt»

Der Erste und Letzte auf dem Platz war Lauper jeweils auch als Leiter Abenddienst während den neun «Rigoletto»-Aufführungen der Oper Schenkenberg im August. «Das war ein interessanter Abstecher in die Opernwelt.» Der studierte Chemiker war gerade bei einem IT-Projekt involviert, das ihm genügend Freizeit bot, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Seriös erfüllte er seine Aufgaben als Sicherheits- und Platzchef. Um dies zu unterstreichen, trug er jeden Abend Krawatte und verabschiedete die Gäste persönlich.

Hansruedi Lauper legt an solchen Anlässen jeweils grossen Wert auf den Stil. Das macht er auch beim bevorstehenden Silvesterball mit Gala-Dinner im Campussaal, den er dieses Jahr zum vierten Mal organisiert. Für die Herren gilt es, Smoking oder Anzug mit Krawatte zu tragen. Und die Damen werden im langen Abendkleid oder Cocktail-Dress willkommen geheissen. «Wir behalten uns vor, unpassend gekleidete Gäste zurückzuweisen», heisst es auf der entsprechenden Website. Dabei müsste Lauper um jeden Gast froh sein, der in der Silvesternacht den Weg in den Campussaal auf sich nimmt. Denn mit den Anmeldungen – vor allem aus der Region Brugg – harzt es. «Bisher haben sich 70 Gäste angemeldet, mindestens 130 sollten es aber sein, damit ich nicht wieder wie in den Vorjahren bis zu 6000 Franken aus dem eigenen Sack bezahlen muss», sagt er. Hätte er die Unterstützung vom Förderverein Campussaal nicht, käme ihn das Ganze noch teurer zu stehen.

Warum setzt er sich für einen schicken Ball im Campussaal ein und riskiert ein massives Defizit? Hansruedi Lauper muss nicht lange überlegen: «Ich mache es, weil wir den Saal haben und weil ich ein Idealist bin.» Tatsächlich stelle er sich diese Frage jeweils auch, wenn er sich «einen abstrampele», die ganze Silvesternacht durchmache und dafür ein lauwarmes Dankeschön bekomme. Doch da sind auch die tollen Feedbacks von den Gästen aus dem Rheintal, Zugerland und Waldenburgertal, die den 47-Jährigen wieder aufstellen und motivieren weiterzumachen. Noch ein paar Anmeldungen aus dem Aargau wären für Lauper eine Bestätigung, dass die Region «etwas Schickes erträgt».

Am Tiefpunkt des Lebens angelangt

Was treibt ihn sonst noch an? Plötzlich wirkt Lauper nachdenklich. Er sagt: «Ich bin im Mai 2000 von einem Dach gefallen und habe mir den Rücken gebrochen. Nur ein halber Millimeter fehlte und ich wäre querschnittgelähmt gewesen.» Von einer Sekunde auf die andere waren alle seine Pläne zerstört. Lauper war am Tiefpunkt seines Lebens angekommen. Danach aber machte sich ungebremster Optimismus breit. Wie kam es dazu? «Mein ältester Bruder Urs Bernhard sagte mir, ich solle mir auf einem kleinen Blatt Papier aufschreiben, was ich wegen meines steifen Rückens nicht mehr machen kann, und auf einem grossen Blatt Papier, was trotzdem noch immer möglich ist.» So habe er kapiert, dass er sehr viel Glück hatte und ihm unzählige Möglichkeiten weiterhin offen stehen.

Grosse Tanzfläche im Campussaal

Zum vierten Mal organisiert Hansruedi Lauper aus eigener Initiative einen Silversterball im Campussaal Brugg-Windisch. Ab 18 Uhr gibt es Apéro und Nachtessen mit Showeinlagen. Wer will, kann auch erst zum Jahresausklang ab 22 Uhr kommen. Es gibt viel Platz zum Tanzen, ein Mitternachtscüpli sowie eine Late-Night-Show. Mehr Details zum Programm und Reservationsmöglichkeiten auf www.silvester-ball.ch. (CM)

Hansruedi Lauper bezeichnet sich selbst als Macher. So ist er seit 25 Jahren in der Feuerwehr dabei und seit 10 Jahren Chef Ölwehr. Der Brugger hat zudem schon einige Konzepte geschrieben, die er mit seinen Kollegen gerne bei einem Bierchen diskutiert und weiter entwickelt: Sei es für einen Businesspark «La Cité» im Birrfeld, für eine Biermeile mit regionalen Spezialitäten durch die Brugger Altstadt oder eben für die Bar «City-Bridge» an der Aare mit gemütlichen Holz-Lounges. Lauper möchte mit einer Biermeile nicht einfach die Oktoberfeste kopieren, sondern einen eigenen Brugger Akzent setzen.

Wäre er mit all seinen Visionen und Ideen nicht der geeignete Politiker, um die Stadt Brugg und die Region vorwärts zu bringen? Dieses Mal winkt Lauper ab und sagt: «Nein, ich will nicht in die Politik. Ich passe zu keinem Parteibüchlein und bin vermutlich auch zu wenig geduldig.» Der Organisator hat sein ganzes Leben in der Stadt Brugg verbracht, mal südlich der Aare und aktuell nördlich im «Goldbunker» auf der Herrenmatt.

In seinem riesigen Wohnzimmer ist er seit zwei Jahren daran, das historische Brugger-Bild (Merian 1642) mit schwarzen Filzstiften an die Wand zu zeichnen. «Sobald die Holz-Lounge fertig ist, werde ich mich wieder vermehrt darum kümmern», sagt Lauper, dem der Optimismus und die Ideen garantiert nie ausgehen werden.

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