Weihnachten
Lautes Geknatter – leise rieselt das Sägemehl

Weihnachten steht vor der Tür: Christbäume stehen für Besinnlichkeit und Ruhe; nicht so beim Forstbetrieb – ein Morgen im Wald.

Katja Landolt
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 Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg schlägt innert drei Tagen 1700 Weihnachtsbäume für die Region. Mit Schwung: Jeremias Boss lädt in Zeihen die Tännchen ab.
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 Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg schlägt innert drei Tagen 1700 Weihnachtsbäume für die Region. Mit Schwung: Marco Schwarz lädt die Tännchen ab.
 Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg schlägt innert drei Tagen 1700 Weihnachtsbäume für die Region. Das geht schneller: Michael Schumacher klemmt sich gleich mehrere Tännchen unter den Arm.
 Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg schlägt innert drei Tagen 1700 Weihnachtsbäume für die Region. Marco Schwarz macht kurzen Prozess: Ein prüfender Blick, die Kettensäge heult auf und das Bäumchen fällt.
So werden Weihnachtsbäume im Aargau gefällt.
 Jeremias Boss verschachtelt die Bäume ineinander, die Marco Schwarz auf den Wagen wuchtet.
 Rolf Treier (links) und Sören Wussler verpassen den Tannen den letzten Schliff.

Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg schlägt innert drei Tagen 1700 Weihnachtsbäume für die Region. Mit Schwung: Jeremias Boss lädt in Zeihen die Tännchen ab.

Mit zusammengekniffenen Augen schreiten sie die Reihen ab. In der Hand die Kettensäge, im Leerlauf schnurrend. Ein Ziehen am Ast, der schletzt zurück, sodass der Schnee nur so stiebt, ein prüfender Blick. Dann frisst sich die Kette brüllend durchs Holz, nur kurz – das Weihnachtsbäumchen fällt.

Marco und Jeremias heissen die Männer mit den Kettensägen, man ist Duzis. Michi und Madeline sammeln die erlegten Bäumchen ein und schleifen sie zum Wagen. Das geht alles zack, zack.

1700 Tannen schlagen

Wir sind in der Weihnachtsbaumschule in Bözen, an der Hauptstrasse nach Hornussen. Und was hier gefällt wird, wird demnächst in den Stuben im Schenkenbergertal und im Oberen Fricktal stehen – behangen mit allerlei Glitzerndem und Glänzendem.

Dafür schlagen die Mitarbeiter des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg (zuständig für Schinznach-Dorf, Thalheim, Oberflachs, Bözen, Hornussen, Linn, Zeihen) in drei Tagen 1700 Tannen.

Run auf den hässlichsten Baum

Michi, Madeline und Marco wuchten die Bäume hoch auf den Anhänger, in dünne Schneewolken gehüllt. Es ist an diesem Morgen so kalt und trocken, dass der Schnee nur auf den Gesichtern schmilzt.

Der Schnee macht die Arbeit mühsam, andere Forstbetrieben haben die Tannen deswegen schon letzte Woche geschlagen. Aber diese Tannen, die sollen ganz frisch sein beim Verkauf.

Bäume mit Wucherungen aussortieren

Jeremias steht oben auf den Wagen. Er muss platzsparend stapeln und vor allem so, dass sich die Bäume ineinander festkrallen und nicht von der Ladefläche rutschen. Bäumchen mit Wucherungen an den Ästen sortiert er aus.

Ansonsten wandert alles, was nicht zu gross gewachsen ist, auf den Anhänger; egal ob struppig, verkrüppelt oder karg benadelt. Denn auch wüste Tännchen haben ihren Reiz. «Es gibt Leute, die kommen extra ganz zum Ende des Verkaufs, um den hässlichsten Baum zu erwischen», sagt Jeremias. Warum denn das? «Vielleicht aus Mitleid mit dem Baum.»

Die Tännchen sind festgezurrt. Wir rumpeln los, von Bözen über die Autobahnbrücke nach Zeihen, hoch zum Waldrand. Beim Parkplatz beim Schiessplatz Eichwald werden alle Bäume zusammengetragen. Es riecht gut hier, würzig, nach frischem Holz.

80 Franken

Rolf Treier, Betriebsleiter und Revierförster, verpasst den Tännchen die letzte Schönheitskur; schneidet zu lange Stämme und widerspenstige Äste ab.

Sören hilft ihm dabei, klopft den Schnee ab und hält den Baum schön gerade, damit Rolf ihn begutachten kann. Dann werden die Bäume nach Art und Qualität sortiert: Für eine kleine Rottanne zahlen die Kunden 15 Franken, für eine schöne, zweieinhalb Meter hohe Nordmanntanne bis zu 80 Franken.

Nadeln von Rottannen fallen nach drei Tagen

Nordmanntannen sind der Renner; sie haben saftig glänzende Nadeln, sind buschig, piksen nicht und halten sich gut, zwei bis drei Wochen. Bei Rottannen dauert es dagegen nur zwei bis drei Tage, bis die ersten Nadeln fallen. Wie behandelt man eine Tanne gut? «Man sollte den Baum erst kurz vor Weihnachten in die Stube holen und dann immer mit Wasser versorgen», sagt Rolf.

Die Bäumchen aus Bözen müssen rasch abgeladen werden, lange sollten sie nicht so eng gequetscht auf dem Wagen bleiben. Einige sind trotz der kurzen Fahrt schon recht zerknautscht; die muss man zwei-, dreimal heftig auf den Boden klopfen, dann sehen sie wieder aus wie neu.

Blautannen seien besonders empfindlich bei der Kälte, die Äste werden brüchig und knicken schnell mal ab. «‹Finöggeli› eben», sagt Jeremias, schaltet die Kettensäge aus und wischt sich eine Tannnadel von der feuchten Stirn. Es ist Mittagszeit.

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