Bezirksgericht Brugg
Laptop verkauft und nie geliefert: Beschuldigter hätte einer Verurteilung entgehen können

Tobias* hat einen Laptop verkauft, diesen aber nie geliefert. Vor Gericht hatte er die Gelegenheit, einer Verurteilung zu entgehen. Doch er nutzte sie nicht.

Larissa Hunziker
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Der Beschuldigte Tobias* hatte ein MacBook verkauft und nie geliefert.

Der Beschuldigte Tobias* hatte ein MacBook verkauft und nie geliefert.

Keystone

Am 3. September stand Tobias* vor dem Bezirksgericht Brugg. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft lautete auf Betrug. Tobias hatte dem Geschädigten Bekim* über die Auktionsplattform ricardo.ch ein MacBook für 1760 Franken verkauft. Das Geld strich er ein, das Notebook lieferte er aber nie. Der 33-jährige Tobias sah sich selber aber nicht als Schuldigen. «Ich habe nach Treu und Glauben gehandelt, wollte mich nicht bereichern», sagte er.

An der Gerichtsverhandlung machte Gerichtspräsident Rossi dem Beschuldigten einen Vorschlag. Das Strafverfahren liesse sich ohne Verurteilung abwickeln, wenn der geschädigte Bekim, der in den Ferien weilte und deswegen nicht am Prozess teilnahm, das Geld zurückerhalten und danach sein Desinteresse an einer Strafverfolgung mitteilen würde.

Obwohl Gerichtspräsident Rossi den geschädigten Bekim in den Ferien nicht erreichte, setzte er eine Vereinbarung auf. Gemäss dieser musste Tobias innerhalb der nächsten Tage den Betrag von 1760 Franken auf der Gerichtskasse deponieren. Bekim konnte in der Folge sein Desinteresse an einer Strafverfolgung zum Ausdruck bringen, das Strafverfahren wäre damit ohne Verurteilung abgeschlossen worden. «Es ist ein Zug-um-Zug-Geschäft», sagte Gerichtspräsident Rossi damals.

Der Geschädigte wartet immer noch auf sein Geld

Bis Mitte September hätten beide Parteien die Vereinbarung widerrufen können. Dazu kam es aber nicht, denn die Vereinbarung wurde hinfällig. Wie Gerichtspräsident Rossi auf Anfrage der AZ sagt, habe man nach der Verhandlung keine Rückmeldung des Beschuldigten erhalten. Das Gericht versuchte, Tobias zu kontaktieren – erfolglos. Dementsprechend wurde der geforderte Betrag von 1760 Franken auch nicht auf der Gerichtskasse deponiert. Die Vereinbarung schlug fehl. So wartet der Geschädigte Bekim, der sein Einverständnis zur Vereinbarung gab, weiter auf sein Geld.

Das Bezirksgericht fällte nach dem Hinfälligwerden der Vereinbarung ein schriftliches Urteil. Tobias ist des Betrugs schuldig. Er wird zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 60 Franken, gesamthaft 2700 Franken, verurteilt, bei einer bedingten Probezeit von drei Jahren. Zudem muss er eine Busse von 540 Franken zahlen, die bei Nichtbezahlen in eine Ersatzfreiheitsstrafe von neun Tagen umgewandelt wird. Weiterhin schuldet er Bekim den Betrag von 1760 Franken. Ob er diesen jemals erhält, steht in den Sternen.

Namen geändert