20 junge Männer sitzen in einem Labor-Klassenzimmer im Beruf- und Weiterbildungszentrum in Brugg (BWZ). Die Klasse, ausschliesslich aus Elektroinstallateuren bestehend, scheint während dem Unterricht Spass zu haben. Die regionalen Daniel Düsentriebe sind bereits in der Vorbereitungsphase auf die Qualifikationsverfahren (früher Lehrabschlussprüfungen), die im Mai und Juni stattfinden. In einer Vorbereitungsstunde repetieren sie die Inhalte der letzten Jahre mithilfe einer Software und einem Würfelspiel. Die Lehrlinge werden von Felix Kutter, Fachlehrer für Elektroinstallateure, jeden Donnerstag unterrichtet.

Das BWZ in Brugg hat drei Spezialisierungen: Technik und Natur, Wirtschaft (KV) und Erwachsenenbildung. Die Lernenden im Bereich der Technik profitieren dabei von vier hochmodernen Labors, in denen sie perfekte Bedingungen vorfinden, um ihre praktischen Fähigkeiten zu forcieren.

Per Knopfdruck gibt die Lehrperson Spannung auf die in den Schultischen integrierten Labors und schon stecken die Lernenden Serie- und Parallelschaltungen, messen Widerstände oder probieren Motorenschaltungen aus. Das neuste Labor, das im Schuljahr 2017/18 in Betrieb genommen wurde, kostete rund 250 000 Franken. Die Lehrlinge werden aber auch anderweitig in ihrer Ausbildung unterstützt.

Die angehenden Elektroinstallateure bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor.

Die angehenden Elektroinstallateure bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor.

Kurse helfen den Lernenden

Im Hinblick auf die Qualifikationsverfahren (QV), die im Mai starten, erhalten die Schülerinnen und Schüler des BWZ die Möglichkeit, diverse Zusatzkurse zu besuchen. Jeden Samstagmorgen können sie freiwillig an einem Lerntreff teilnehmen, wo jeweils eine Lehrperson Themen aller Art mit den Schülern behandelt. Die Fragen müssen die Jugendlichen aber selber mitbringen. Der Fokus wird vor allem auf das Fachliche gelegt. «Beim Lerntreff geht es auch darum, dass die Schüler ein ruhiges Gefäss vorfinden, wo sie Hausaufgaben oder Ähnliches, in Ruhe oder mit anderen, lösen können», sagt Felix Kutter.

Zusätzliche Hilfe bietet auch der Stützkurs an. Hier werden vor allem Lernmethoden behandelt. Die Stunden leitet ein Lehrer für Allgemeinbildung. Der Kurs dient den Jugendlichen primär als Lerncoaching.

Neben den beiden Kursen werden ausserdem eine Mündlichstunde am Samstag- und ein NIN-Kurs (Niederspannungs-Installations-Norm) unter der Woche angeboten. In den Mündlichstunden werden meistens zehn Fragen an einen Lehrling gestellt, die er vor den anderen Teilnehmern beantworten muss. Damit wird eine mündliche Abschlussprüfung simuliert. Beim NIN-Kurs referiert Michael Kündig, der selber Geschäftsführer der «Strombildung Kündig», Sicherheitsberater und Prüfungsexperte ist.

Die Kurse sind sehr hilfreich und bereiten die Lehrlinge optimal auf die Abschlussprüfungen vor. «Früher sind wir für eine Lernwoche sogar noch nach Italien gereist. Die Reise haben wir aber wieder abgeschafft. Die Jugendlichen verliessen sich zu fest auf diese Woche und lernten zu wenig im Vorfeld. Ausserdem tranken sie am Abend zu viel», fügt Alex Simmen, Rektor BWZ Brugg, mit einem Schmunzeln an.

Sinkende Durchfallquote

In den letzten Jahren sind an der Schule immer weniger Elektroinstallateure durch die theoretischen Berufskunde-Prüfungen (mündlich und schriftlich) gefallen. Waren es 2014 noch 8%, sind es im letzten Jahr nur noch 2% aller Prüfungsabsolventen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen ist dafür die Prüfung an sich verantwortlich. Nach den deutlich schlechteren Ergebnissen früher, wurde in den letzten Jahren vermehrt auf den Wiedererkennungswert der Aufgaben gesetzt und die schriftliche Prüfung schweizweit angepasst. Zum anderen ist die sinkende Quote mit den angebotenen Kursen zu erklären, die in den letzten Jahren intensiviert worden sind und den Absolventen geholfen haben.

Die vorher genannte Statistik zeigt aber nur die Resultate der theoretischen Berufskunde. Eine weitere Fallnote des QV ist die praktische Prüfung. Sie zählt für den Abschluss doppelt. Dazu hat das BWZ aber keine Zahlen, «da dieser Teil in die Verantwortung der überbetrieblichen Kurse und in die betriebliche Ausbildung fällt», erklärt Simmen.

Im kantonalen Vergleich gehört das BWZ unbestritten zu den führenden Schulen. Einen Vergleich erhielt die AZ vom VAEI (Verband Aargauischer Elektro-Installationsfirmen). Im Aargau fielen im letzten Jahr 11% aller Elektroinstallateure durch die Abschlussprüfung (Theoretischer- und praktischer Teil zusammen). Auch hier gibt es eine Aufwärtstendenz.

2014 waren es noch 16%, die scheiterten. Der kantonale Schnitt der Durchfallquote ist aber nach wie vor bedeutend höher als im BWZ. Die Schule ist folglich auf einem guten Weg und sorgt sich um ihre technischen Schützlinge. Die hohe Erfolgsquote ist sicherlich mit auch ein Grund, weshalb künftig Montageelektriker und zusätzliche Elektroinstallateure von Rheinfelden nach Brugg wechseln werden (die AZ berichtete). Die Zukunft des BWZ scheint gesichert. Spannende und ereignisreiche Jahre sind Alex Simmen und seiner Schule also garantiert.

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