Bezirksgericht Brugg
Landesverweis und zwei Jahre Gefängnis: Türke wegen Vergewaltigung der Ehefrau verurteilt

Das Bezirksgericht Brugg hat einen Türken wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung seiner Frau zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Claudia Meier
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Dem Beschuldigten wurde sexuelle Nötigung und mehrfache Vergewaltigung vorgeworfen. (Symbolbild)

Dem Beschuldigten wurde sexuelle Nötigung und mehrfache Vergewaltigung vorgeworfen. (Symbolbild)

Das Setting im grossen Saal am Bezirksgericht Brugg war etwas speziell mit dem Gesamtgericht bestehend aus Gerichtspräsident Sandro Rossi, drei Bezirksrichterinnen, einem Bezirksrichter und dem Gerichtsschreiber sowie als Strafklägerin eine junge Muslima mit Kopftuch und langem Kleid, ihre Anwältin, die Verteidigerin und einen Staatsanwalt. Der Beschuldigte wurde vom Prozess dispensiert.

Zur Last gelegt wurden dem ehemaligen Ehemann, von dem Strafklägerin Azra (Name geändert) inzwischen geschieden ist, sexuelle Nötigung, mehrfache Vergewaltigung, vorsätzliche rechtswidrige Einreise sowie rechtswidriger Aufenthalt. Azra wuchs in der Schweiz auf und lernte ihren späteren Ehemann Ende 2016 an einer Hochzeit kennen. Im Februar 2017 heirateten die beiden standesamtlich in der Türkei. In der Schweiz lebte das Paar zuerst bei Azras Mutter, bevor es in der Region in eine eigene Wohnung umzog.

Schreiend wehrte sie sich gegen Geschlechtsverkehr

Detailliert antwortete Azra auch auf intime Fragen des Gerichtspräsidenten. Ihr Ehemann habe sich am Anfang von der sanften Seite gezeigt, sei aber mit der Zeit körperlich und verbal härter geworden. Es ging unter anderem um eine beischlafähnliche Handlung im Januar 2018, gegen die sich Azra schreiend gewehrt hatte. «Ich hatte meinen Ehemann gern. Doch Küssen und Anfassen ekelten mich», erzählte die junge Frau. Sie habe nicht zur Mutter gehen können, denn sie habe ihren Mann mit dem eigenen Willen geheiratet. «Geschlechtsverkehr gehört zur Ehe», sagte sich Azra, war aber bei jedem Versuch ihres Mannes verkrampft und wehrte sich. «Ich war keine gute Ehefrau und fühlte mich schuldig», räumte sie vor Gericht ein.

Die Vergewaltigungen seien immer nach dem gleichen Schema abgelaufen, meistens nach der Arbeit oder am Wochenende. Sie schluchzte und er forderte, dass sie aufhören soll. Azra besprach sich mit der Frauenärztin und probierte Therapien aus. «Ich suchte eine Lösung, damit es mir besser geht», sagte die Privatklägerin. Denn Azra leidet unter einem ausgeprägten Vaginismus. Das ist eine unwillkürliche Verkrampfung des Beckenbodens sowie des äusseren Drittels der Vaginalmuskulatur, wodurch der Scheideneingang eng oder wie verschlossen erscheint.

Azra hat ihren Mann in der Schweiz abgemeldet

Während der gemeinsamen Ferien im Sommer 2018 zerstritt sich das Paar erneut. Azra entschied, sich von ihrem Ehemann zu trennen und meldete ihn in der Wohngemeinde ab. Das bedeutete, dass er künftig nicht mehr ohne Visum in die Schweiz einreisen durfte. Damit sie Ruhe hatte, schrieb sie dem Staatssekretariat für Migration im März 2019, dass sie eine Scheinehe eingegangen sei. Auch der Kanton wurde kontaktiert. Im April reiste der Türke in die Schweiz ein und suchte Azra auf. Sie rief umgehend die Polizei, welche den Türken vorläufig festnahm.

Ihren Entscheid, neben der illegalen Einreise die früheren Sexualstraftaten zu thematisieren, fällte die Muslima erst, als die Polizei sagte, sie würden ihren Ehemann aus der Haft entlassen. Ihr sei es egal, wo ihr Ex-Mann lebe, einfach nicht bei ihr in der Nähe und ohne ihre Hilfe, sagte Azra vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Beschuldigten eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie einen Landesverweis für zehn Jahre. Azras Anwältin forderte zusätzlich eine Genugtuung in der Höhe von 20'000 Franken. Die Verteidigerin stellte fest, dass es sich beim Vaginismus um «eine gravierende Krankheit» handle und der Beschuldigte in den beiden ersten Anklagepunkten freizusprechen sei. Für die illegale Einreise soll er gebüsst werden.

Das Gericht sprach den Beschuldigten vom Vorwurf des illegalen Aufenthalts frei. In allen anderen Punkten sei er schuldig. Der Türke wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie einer bedingten Geldstrafe von 900 Franken verurteilt. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zusätzlich muss er 1500 Franken Busse und Azra 7000 Franken Genugtuung bezahlen. Der Landesverweis gilt für sieben Jahre.

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