Brugg
Landeskirchen geben Studenten Rat, aber sie kommen nicht, um über Gott zu reden

Die Landeskirchen beraten Studierende der Fachhochschule Brugg-Windisch – mit Erfolg. Aus dem Pilotprojekt ist eine Fachstelle geworden, die nun vergrössert wird.

Manuel Bühlmann
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Campussaal in Brugg/Windisch: Die Landeskirchen geben den Studierenden Rat

Campussaal in Brugg/Windisch: Die Landeskirchen geben den Studierenden Rat

Annika Bütschi

Die Spuren des Campus-Brandes sind sogar im Arbeitszimmer von Crispino Bergamaschi zu sehen – auch wenn es dort nicht gebrannt hat. Die farbigen Notizen auf der grossen weissen Wandtafel erinnern an die Krisensitzungen im Brugger Büro des Direktionspräsidenten der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

Gestern nun fand dort ein Treffen aus erfreulicherem Anlass statt: Vertreter der FHNW und der katholischen sowie reformierten Aargauer Landeskirchen unterzeichneten den Vertrag für eine längerfristige Zusammenarbeit.

Die Unterschriften besiegelten den Wandel des Pilotprojekts zu einer festen Fachstelle. Seit sechs Jahren können sich dort Studierende und Mitarbeitende der Fachhochschule kostenlos beraten lassen.

Mehr Studenten, mehr Beratung

Das Pilotprojekt, so sind sich die Beteiligten einig, habe sich bewährt. Im Hinblick auf den Campus-Neubau, die Integration der Pädagogischen Hochschule und den damit verbundenen Zuwachs an Studenten wird die Fachstelle nun weiter ausgebaut. Aus der befristeten wird eine unbefristete Zusammenarbeit.

Aus 70 Stellenprozent werden 160. Und aus der ökumenischen Fachstelle «Religion, Technik, Wirtschaft» wird die Fachstelle «Religion Campus Brugg-Windisch».

«Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Studierenden für die Fachstelle interessieren», sagt Crispino Bergamaschi, FHNW-Direktionspräsident. Mit dem neuen Campus sei nun ein guter Moment gekommen, um einen Schritt weiterzugehen.

Ähnlich sehen das die Vertreter der katholischen und reformierten Landeskirchen, die die Fachstelle mit insgesamt 240 000 Franken pro Jahr finanzieren. «Die Beratung ist offensichtlich ein Bedürfnis», sagt Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Römisch-Katholischen Landeskirche im Aargau.

Es gehe auch darum, Präsenz zu zeigen und positive Begegnungen mit der Kirche zu ermöglichen. Sein Pendant von der reformierten Landeskirche, Christoph Weber-Berg, ergänzt: «Wir können als Landeskirche nicht warten, bis die Leute in die Kirche kommen, sondern müssen zu ihnen gehen.»

Prüfungsangst und Liebeskummer

Das Angebot würden aber längst nicht nur religiöse Studierende und Mitarbeitende nutzen, sagt Fachstellenleiterin Olivia Forrer. Am meisten Arbeit hat sie zu Semesterbeginn und in der Prüfungszeit.

In die Beratung kommt, wer Tipps gegen Prüfungsangst braucht, unter Liebeskummer leidet – oder einfach eine Wohnung sucht.

«Die Studierenden kommen nicht zu mir, um über Gott zu reden», sagt Forrer. Die religiösen Fragen würden höchstens mitschwingen, etwa bei der Verarbeitung eines Todesfalles.

Zum gemeinsamen Projekt gehören zudem Unterrichtsmodule, Vorträge sowie Tagungen – und ein Raum der Stille.

Das Zimmer, in dem dieses neue Angebot im Campus einst angeboten werden soll, ist beim Grossbrand im April ebenfalls beschädigt worden. Bis zum Studienbeginn im September soll der Raum dennoch bereit sein.

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