Landammann fühlt Puls des Volks

Der Stammtisch im Brugger Restaurant Gotthard war gut besucht – Markus Dieth beantwortete unzählige Fragen.

Louis Probst
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Raumplanung, Bevölkerungsentwicklung, die Aprikosenplantage im Seetal, der Wegfall des C bei der CVP, Staatsfinanzen, Steuerabzüge und sogar das bedingungslose Grundeinkommen und dessen Finanzierung: Das waren – um nur einige wenige zu nennen – Themen, die beim Landammann-Stammtisch im «Gotthard» auf den (Stamm-)Tisch gekommen sind. Doch schön der Reihe nach.

«Es ist zurzeit schwierig, Anlässe durchzuführen», so Gerhard Keller, «Bären»-Wirt zu Hottwil und Mitglied des Vorstands des Branchenverbands Gastro Aargau, bei der Vorstellung der Gastgeber, Roger und Daniela Widmer, vom Restaurant Gotthard. «Umso mehr freut es uns, dass Landammann Markus Dieth sich die Zeit für die Landammann-Stammtische nimmt. Wir schätzen das.»

Dieth sprach über seine Corona-Erkrankung

Es sei eine schwierige Zeit für die Gastrobetriebe, stellte der Landammann fest. «Es ist der Regierung ein Anliegen, eine gewisse Zuversicht auszustrahlen. Die Corona-Zeit ist auch für uns neu.» Markus Dieth streifte auch kurz seine persönlichen Erfahrungen mit dem Virus. Während acht Tagen habe er 40 Grad Fieber gehabt und in dieser Zeit neun Kilo abgenommen, verriet er. «Inzwischen ist aber alles wieder aufgebaut.»

Wieder aufgebaut sozusagen sind, wie Finanzdirektor Dieth sagte, auch die Staatsfinanzen. «Die Lage ist stabil. Dank Sondereffekten, aber auch dank vorsichtiger Budgetierung, konnten in den letzten drei Jahren Schulden im Umfang von 500 Millionen Franken abgebaut und nochmals 500 Millionen Franken in die Ausgleichsreserve eingelegt werden.» Befürchtungen zum kommenden Jahr würden aber die Regierung stark beschäftigen, räumte er ein. «Wir rechnen mit einem Rückgang des Steuerertrags um zweieinhalb bis drei Prozent. Wir hoffen, dass das gut gehen wird – wobei Hoffnung in der Politik nicht immer das Beste ist. Wir brauchen jetzt Stabilität.»

Leute interessieren sich für die Staatsfinanzen

Dass der Landammann-Stammtisch – der im Frühjahr hätte stattfinden sollen, wegen des Lockdowns aber verschoben wurde – coronabedingt auf verschiedene Tische verteilt werden musste, wirkte sich verständlicherweise auf das Gespräch aus. Dank der «Rotation» des Landammanns zwischen den Tischen – an denen unter rund drei Dutzend Stammtisch-­Gästen auch Frau Stadtammann Barbara Horlacher und Einwohnerratspräsidentin Rita Boeck auszumachen waren – konnte aber jedefrau und jedermann seine Fragen anbringen. Schliesslich stehen die Stammtische unter dem Motto «Frog de Landamme». Angesichts der schier unglaublichen Vielfalt der Fragen und des raschen Wechsels zwischen den verschiedensten Themen bekam man zuweilen den Eindruck, als würde hier eine Art von Simultan-Schach gespielt.

Nur so viel: Staatsgeheimnisse verriet Dieth selbstverständlich keine. «Es waren unglaublich spannende Gespräche», zog er nach bald drei Stunden Stammtisch sein Fazit. «Man merkt, dass Corona die Menschen beschäftigt. Die Leute wollen aber auch wissen, wie es um die Finanzen des Kantons steht. Es ist schön, dieses Inte­resse zu spüren.»