Am Sonntagmorgen, kurz nach 10 Uhr, wurde der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Aargau ein Kutschen-Unfall gemeldet – das Gefährt hatte sich mitsamt Zugtieren und Passagieren überschlagen. Neben einer Ambulanzbesatzung wurde auch ein Rettungshelikopter (TCS) beigezogen. Neben der Kantonspolizei rückte auch eine Patrouille der Regionalpolizei vor Ort aus.

Der Zweispänner, gelenkt durch eine 50-jährige Frau, verunfallte auf einem Feldweg im Gebiet «Nassberg» bei Villigen. Dort scheuten die Pferde aufgrund entgegenkommender Rinder ein einer angrenzenden, umzäunten Weide. «Die beiden Pferde sind durchgegangen und die Kutsche beschleunigte schnell», sagt Polizeisprecher Roland Pfister gegenüber der az. Bei einem Abhang überschlug sich das Gefährt in der Folge.

Die Lenkerin des Gefährts klagte nach dem Unfall über eine Hüftverletzung. Sie wurde per TCS-Helikopter ins Spital eingeliefert. «Sie wurde geflogen, weil das Gelände für die Ambulanz nur schwer zugänglich ist», erklärt Roland Pfister. Die 50-Jährige erlitt zwar nur leichte bis mittelschwere Verletzung, hätte aber eine längere Strecke auf einer Bahre getragen werden müssen. 

Eine der beiden mitfahrenden Personen musste per Ambulanz ins Spital geführt werden. Die Pferde blieben beim Sturz unversehrt.

Keine Zulassungspflicht, aber dieselben Verkehrsregeln

Ob die Kutschenausfahrt geschäftlicher oder privater Natur war, kann die Kantonspolizei nicht beantworten. Wie in solchen Fällen üblich mache die Polizei eine Tatbestandaufnahme und schicke den Bericht zur Beurteilung an die Staatsanwaltschaft, sagt Roland Pfister. «Nach meinem Dafürhalten gibt es kein Verschulden der Lenkerin.»

Das Führen einer Pferdekutsche oder eines anderen Tierfuhrwerks bedarf keiner Zulassung oder eines Führerausweises, wie Richard Spathelf, Leiter Verkehrszulassung beim Strassenverkehrsamt Aargau bestätigt. «Mit den Tierfuhrwerken verhält es sich wie bei landwirtschaftlichen Anhängern», so Spathelf, auch diese hätten kein Nummernschild und müssten nicht vorgeführt werden. Dennoch gibt es spezifische Regeln.

So sieht die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeugen für die «motorlosen Fahrzeuge» einige Richtlinien vor. Ist das Tiefuhrwerk schwerer als 0,15 Tonnen, muss eine abstufbare Feststellbremse vorhanden sein, die auch in 12-prozentigem Gefälle eine Wegrollen verhindert. Zudem müssen Kutschen mit Rückstrahlern versehen sein.

Für das Lenken einer Kutsche sieht die Strassenverkehrsordnung weiter eine Altersbeschränkung auf über 14 Jahre vor. Zudem dürfen Lenker nicht an körperlichen oder geistigen Krankheiten oder einer Sucht leiden. Auch die Verkehrsregelnverordnung hält fest, dass «Tierfuhrwerk einen geeigneten Führer haben muss». Steht ein Fahrzeug zudem unbewacht auf der Strasse, so müssen die Tiere zudem so angebunden werden, dass sie den Verkehr nicht behindern.

Ansonsten gelten für Fuhrleute gemäss Kantonspolizei auf Strassen dieselben grundlegenden Regeln wie für andere Verkehrsteilnehmer. Bei grobfahrlässigem Verhalten könnte somit auch das Autobillet entzogen werden. 

Kutschenunfälle sind sehr selten

Anders als herkömmliche Reitunfälle kommt es äusserst selten vor, dass sich eine Pferdekutsche überschlägt. «Diese Fälle kann man an einer Hand abzählen», sagt Roland Pfister, an einen ähnlichen Unfall vergangenes Jahr möge er sich aber noch gut erinnern. Im Juni 2013 stürzte ein Mann in Bergdietikon mit einer Geländekutsche auf einem ebenfalls abfallenden Waldweg. (edi)