Oberflachs
Kurt Hoffmann liebt die Kunst des Schönschreibens

Kurt Hoffmann ist Hobby-Kalligraf – als solcher wirkt er in einem Film zur Geschichte Königsfeldens mit. Hoffmann brachte sich das Kalligrafieren Schritt um Schritt selbst bei

Elisabeth Feller
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Probe: Filmregisseur Benny Jaberg und Kalligraf Kurt Hoffmann. Wie schreibt es sich auf diesem Pult? EF.

Probe: Filmregisseur Benny Jaberg und Kalligraf Kurt Hoffmann. Wie schreibt es sich auf diesem Pult? EF.

Aargauer Zeitung

Die schwere Holztüre auf Schloss Lenzburg ächzt. Im Mittelalter hätte ein Ritter Alarm geschlagen. Doch im 21. Jahrhundert ist der Mann, der nun den Schlosshof betritt, ein erwarteter Gast. Kurt Hoffmann trägt einen Koffer und steuert auf einen unauffälligen Eingang zu. Er will seine Utensilien sogleich dort abstellen, wo er bald als Schreiber gefilmt wird: Im Mittelalterzimmer.

Der 30-jährige Zürcher Regisseur Benny Jaberg dreht im Auftrag des Museums Aargau «filmische Sequenzen» zum 700-Jahr-Jubiläum der Königsfelder Klostergründung. An diesem Morgen will Jaberg an die Gründung der Klosterstiftung 1311 durch Königin Elisabeth erinnern – und dabei das Schreiben der Stiftungsurkunde filmen. Kurt Hoffmann ist hierfür gefragt, denn er pflegt die Kalligrafie – die Kunst des Schönschreibens mit Federkiel.

Alles hat er sich selbst beigebracht

Hat diese Kunst etwa mit seinem Beruf zu tun? Nein. Hoffmann hat während 35 Jahren in einer Bank gearbeitet, «doch ich habe seit meiner Schulzeit historische Schriften, etwa in der Stiftsbibliothek St. Gallen, bewundert.» Es blieb nicht bei der Bewunderung. Hoffmann brachte sich das Kalligrafieren Schritt um Schritt selbst bei: «Damals gab es praktisch keine Kurse.» Erst nach seiner Pensionierung (er ist heute 70), hat er dann Kurse im In- und Ausland besucht. «Kalligrafie ist eine vorzügliche Schulung für das Auge», bringt Hoffmann seine Faszination auf den Punkt, «zudem wird der Sinn für Proportionen geschärft».

Seiner Leidenschaft kann Hoffmann seit einigen Jahren nicht nur zu Hause in Oberflachs, sondern auch in der Schreibstube auf Schloss Lenzburg frönen. Dort sitzt Hoffmann in mittelalterlicher Kleidung regelmässig an einem Schreibpult – sehr zur Freude des Publikums. «Manche, die mich erblicken, schrecken freilich im ersten Moment zurück, weil sie nicht erwarten, einem Schreiber in den Schlossräumen zu begegnen.» Hofmanns Engagement auf der «Lenzburg» kommt nicht von ungefähr. Als das Museum Aargau sein Freiwilligen-Programm lancierte, meldete er sich. Nicht verwunderlich, dass das Museum Aargau im Zusammenhang mit Jabergs Film sogleich an ihn dachte. «Das wird heute keine einfache Sache werden», sagt Hoffmann und verweist auf die «kleine Freihandschrift» der Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1311.

Bevor es ernst wird, probiert der Oberflachser – noch im blauen T-Shirt, doch schon bald in Mittelalterkleidung – erst einmal aus, wie es sich auf dem Pult schreiben lässt. Hoffmann zieht ein Tintenfässchen, einen Federkiel und ein Blatt Papier hervor.

Diese Tinte ist dokumentenecht

Der Federkiel liegt leicht in der Hand oder in Hoffmanns Worten: «Ergonomisch richtig. In Verbindung mit dem handgeschöpften Papier ergibt sich so eine einzige Harmonie.» Der kleine Federkiel-Exkurs wird fortgesetzt. Hoffmann erzählt von Gänse-, Schwanen- und Krähenfedern, die man verwenden könne. Zur Härtung könne man einen Federkiel beispielsweise in den Backofen legen. Und wie schneidet man einen Federkiel zurecht? «Heutzutage mit einem Teppichmesser.»

Sorgsam setzt der Kalligraf Buchstabe um Buchstabe: L-e-n-z-b-u-r-g. Die Buchstaben sehen allerdings grau aus. Hoffmann lächelt: «Beim Trocknen werden sie dann schwarz», erklärt er und verweist auf den grössten Vorzug der Eisengallus-Tinte: «Sie ist dokumentenecht.» Wie die Schreib-Szene wohl wirken wird? Das wird an der Filmpremiere am 30. September in der Klosterkirche Königsfelden um
18 Uhr zu entdecken sein.

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