Windisch
«Künzli brauchte einen Dickschädel»: Die Chefin ist auch nach 13 Jahren noch süchtig nach ihrer Firma

Im "SommerTalk" auf Tele Züri spricht Geschäftsleiterin Barbara Artmann über Höhen und Tiefen ihrer Arbeit beim Traditionsunternehmen Künzli SwissSchuh AG und warum sie den Swiss Award im Bereich Wirtschaft ablehnte.

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"Ich hab schon immer die Leute nach ihren Schuhen beurteilt", sagt Barbara Artmann, Geschäftsführerin von Künzli Schuhe in Windisch. Die Deutsche aus Bayern ist eigentlich Bankerin, hatte aber 2004 die Idee, eine Firma zu kaufen. "Alles, was ich bisher gemacht habe, war noch nicht wirklich mein Ding. Und dann hat mir der Himmel Künzli geschickt, die Liebe war sofort da", sagt sie im "SommerTalk" von Tele Züri.

Im Jahr 1927 startete Künzli die Produktion mit Skischuhen – diese werden heute nicht mehr produziert. "Wir sind aus dem Sport geboren", erzählt Artmann. "Aber unsere Philosophie war es immer, in der Schweiz zu produzieren. Nur ist der Preisdruck aus den anderen Ländern so gross, dass man Sportschuhe hier nicht mehr herstellen kann." Daraufhin habe man sich Nischen gesucht und sich auf orthopädisches Schuhwerk und Sneakers spezialisiert.

Künzli-Schuhe
4 Bilder
Die gewohnten fünf Streifen auf den Künzli-Schuhen werden künftig durch fünf quadratische "Klötzli" ersetzt (Archiv)
Barbara Artmann - Inhaberin von Künzli-Schuhe Windisch.jpg
Heidi Ammon (Mitte) überreicht Barbara Artmann ein Paar essbare Künzli-Schuhe

Künzli-Schuhe

Höhen und Tiefen

Der Start sei nicht einfach gewesen. Künzli ist ein Traditionsunternehmen, von Schweizern für Schweizern - und Artman ist Deutsche: "Ich muss die Schweizer in Schutz nehmen. Ich hab in der ganzen Zeit so viel Unterstützung bekommen, wahrscheinlich mehr als ich sie in meinem Heimatland bekommen hätte." Ausserdem habe sie einen Appenzeller Ur-Ur-Urgrossvater: "Vielleicht ist das schweizerische Schuh-Gen schon in mir."

Hart war vor allem ein Markenstreit, der der Geschäftsführerin sämtliche Kräfte abverlangte. Es ging um fünf Streifen, die bereits von einer anderen Firma als Markenzeichen angemeldet wurden. "Das wusste ich nicht, als ich Künzli übernahm." Jetzt hat Künzli fünf Klötze als Zeichen und Artmann ist stolz darauf. "Die Firma brauchte einen Dickschädel wie mich." Und noch immer ist sie "süchtig" nach ihrem Unternehmen, arbeitet 12 bis 14 Stunden am Tag.

Markenstreit gegen K-Swiss verloren

Kurt Künzli, Sohn des Gründers Werner Künzli hat die fünf Streifen in den 1950er-Jahren «erfunden». Später wurden die ersten Künzli-Schuhe auf den amerikanischen Markt gebracht: Der Importeur mit dem Namen K-Swiss meldete 1974 die fünf Streifen in den USA ohne Rücksprache mit Künzli als Marke an, später auch in Deutschland.

Als Künzli 2004 mit der neu lancierten Modelinie nach Deutschland expandieren will, reklamierte K-Swiss die fünf Streifen für sich. Es folgte ein siebenjähriger Rechtsstreit mit 37 Verfahren in fünf Ländern. Zwar erreichte Künzli 2007, dass der US-Konzern seine Schuhe nicht mehr in die Schweiz importieren durfte. Trotzdem unterlag das Aargauer Unternehmen K-Swiss endgültig im Jahr 2012. (ces)

2009 war das Unternehmen wieder in Schuss, wurde für den Swiss Award im Bereich Wirtschaft nominiert und gewann diesen auch. Doch Artmann wollte ihn nicht annehmen und sagte damals: "Es gibt so viele gute Schweizer Firmen, da müsst ihr doch nicht einer Deutschen diesen Preis geben."

Was sie am meisten ehrt sei, dass die Leute aus der Umgebung sie "Frau Künzli" nennen. "Die wahre Frau Künzli gibt es noch und ich bedanke mich jedes Jahr bei ihr, dass ich das machen kann."

Swiss Made?

Artmann führt Moderator Roman Wasik durch die Produktionsräume in Windisch. "Wir benutzen hier beispielsweise feinstes Ziegenleder, handbemalt noch dazu." Wasik stellt fest: "Hier wird viel mit der Maschine gearbeitet und auch mit der Hand. Aber kaum noch genäht. Warum?" Die Näherei sei schon vor Artmanns Zeit grösstenteils ins Ausland verlagert worden. "Wir sind trotzdem Swiss Made. Nur nicht 100, sondern 80 Prozent."

Artman trägt nur Schuhe von Künzli, ausser zum Skifahren. Im Mai liess sie sich von Trump inspirieren und setzte sich mit den"Pussyhat-Sneakers" für mehr Respekt gegenüber Frauen und der Umwelt ein. (ngü)

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