Unterwindisch

Kunstwerk aus Abfall, der am Flussufer gefunden wurde

Der Totempfahl namens «Anangu». ZVG

Der Totempfahl namens «Anangu». ZVG

Noch bis Ende März steht der zirka vier Meter hohe Totempfahl von Melanie Tauscher auf dem Dieselplatzareal in Unterwindisch. Das freut nicht alle.

Er ist ein Mahnmal und ein Denkmal zugleich und er ist vor allem nicht zu übersehen: Seit wenigen Tagen steht der eindrückliche Totempfahl namens «Anangu» auf dem Dieselplatz in Windisch. Das Projekt wurde vom Künstlerinnen-Duo Müller Tauscher konzipiert und von Melanie Tauscher, die selber auf dem Kunzareal lebt, realisiert.

Den ganzen Sommer durch sammelten die beiden Künstlerinnen an den Ufern von Reuss, Aare und Limmat viel Abfall. Aus diesem Material ist der Totempfahl entstanden, der trotz Betonsockel dem Sturm vor einer Woche nicht standhielt und umfiel. Seither ist das Kunstwerk im Boden verankert und wird bis Ende März 2019 auf dem Dieselplatz bleiben. Künstlerin Melanie Tauscher ist sich bewusst, dass sich nicht alle Anwohner über den Anblick freuen. Doch sie hat auch positive Rückmeldungen bekommen.

Totempfähle werden von Indianern der amerikanischen Nordwestküste aus verschiedenen Gründen errichtet, heisst es im Projektbeschrieb. Sie erzählen die Geschichte einer Familie oder repräsentieren die Stellung einer Familie innerhalb der Gemeinschaft oder erinnern an Verstorbene. Totempfähle beinhalten in ihren Darstellungen verschlüsselte Botschaften und sind oft mehrdeutig.

Ausserdem veranlasste das Buch «Tribe» von Sebastian Junger die Künstlerinnen, einen Totempfahl als Symbol zu nehmen, um ein Zeichen für die Gesellschaft zu setzen. «Unsere Ignoranz gegenüber Mutter Natur nimmt absurde Formen an», stellt Melanie Tauscher fest.

Er soll auf Wanderschaft gehen

Die saubere Schweiz sei gar nicht so sauber, wie oft behauptet wird. «Ignoranz, Unwissenheit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Planeten liessen dieses Kunstwerk wachsen und zu einem Mahnmal unserer Konsumgesellschaft werden», so Tauscher.

Geht es nach dem Wunsch der Künstlerinnen, so soll der mit einer Tafel zur Entstehungsgeschichte versehene Totempfahl auf Wanderschaft gehen. So könnte er beispielsweise auf Pausenplätzen der Aargauer Schulen oder auf Rastplätzen rund um das Wasserschloss aufgestellt werden. Dort würde er aufmerksam machen auf das überall gegenwärtige Plastik- und Mikroplastikproblem in Flüssen und Weltmeeren. Im Zusammenhang mit Tauschers diesjährigem Adventsfenster findet am kommenden Dienstag um 19 Uhr eine weihnachtliche Besinnung beim Totempfahl statt.

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