Elfingen
Künstler ziehen in Klassenzimmer

Ins alte, 2012 stillgelegte Schulhaus Elfingen ist neues Leben eingekehrt. Am gestrigen Sonntag präsentierten sich die neuen Mieter erstmals der Öffentlichkeit und erläuterten ihr Konzept von einem Kunst- und Kulturhaus.

Hans Christof Wagner
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Zum Tag der offenen Tür brachten die Künstler am alten Schulhaus farbige Folien an
7 Bilder
Künstlerin Annette Wells Talsi (links) im Gespräch mit Besuchern
Kunst- und Kulturhaus Elfingen
Kathrin Rauber arbeitet gerne mit dem Werkstoff Ton
Esther Solanki hat sich auf Drucke spezialisiert
Als Kunst- und Kulturhuus 11 präsentiert sich das alte Elfinger Schulhaus neu
Auch Materalien aus der Natur verwendet Esther Solanki gerne

Zum Tag der offenen Tür brachten die Künstler am alten Schulhaus farbige Folien an

Hans Christof Wagner

Heidi Suleiman aus Effingen war im August 2013 die erste Künstlerin, die ins damals leerstehende Schulhaus einzog. Sie klopfte bei der Gemeinde an und stiess auf offene Ohren – ein alternatives Konzept zur Nutzung der Immobilie, die seit der Verlegung der Schule nach Bözen nicht mehr gebraucht wurde, gab es ja nicht. Heidi Suleiman schloss mit der Gemeinde einen Mietvertrag für den früheren Werkraum ab – zu günstigen Konditionen, wie sie sagt.

So sprach sich die neue Möglichkeit auf bezahlbare Ateliers in der regionalen Szene schnell herum. Immer mehr zogen ein – ins Klassenzimmer im zweiten Obergeschoss und als Nutzer von Mehrzweckraum und dem Bereich, wo früher die Tagesstrukturen waren. Teilweise kannten sich die Künstler schon zuvor. Doch erst mit dem Elfinger Projekt haben sie sich in ihrem jetzigen Netzwerk kennen gelernt.

Nicht mehr isoliert

So mancher unter ihnen musste zuvor in Wohnzimmer und Küche werkeln, isoliert von Kollegen. Jetzt haben sie nicht nur günstige, helle und moderne Räume gefunden, die für ihr Schaffen nahezu ideal sind. Sie schätzen auch die Nähe zueinander, dass sie sich gegenseitig helfen, austauschen und inspirieren können – innerhalb der früheren Schulräume, die sie sich vielfach teilen, oder über die Stockwerke hinweg.

Mit Kathrin Rauber (Bözen), Esther Solanki (Rüfenach), Annette Wells Talsi (Ennetbaden), Ernesto Walti (Mellingen) und Heidi Suleiman (Effingen) sind fünf Künstler eingezogen. Maria Olloz (Effingen) und Maren Sturm (Bözen) erweitern mit Kinderbetreuung (ein Mal wöchentlich am Freitagnachmittag) und Tai-Chi das Angebot. Maria Olloz hatte schon zu Zeiten, als im Haus noch Schüler ein- und ausgingen, den Mittagstisch organisiert.

Die Ansprüche an die Räume sind im Künstlerkreis unterschiedlich hoch. Manche sind nur sporadisch da. Andere, wie Kathrin Rauber und Heidi Suleiman, nutzen ihre Räume intensiver und regelmässiger. Rauber arbeitet auch im Bereich Kunsttherapie für Kinder. Sie weiss darum, dass die kreative Betätigung mit Farbe, Pinsel und Ton bei ADS- und ADHS-Störungen hilfreich sein kann.

Fühlt sich wohl in Frauenrunde

Zahlreiche Elfinger folgten am gestrigen Sonntag der Einladung, selbst zu sehen, wie aus dem früheren Schulhaus ein kreativer Ort geworden ist. Auch frühere Lehrer, die ihre einstige Wirkungsstätte kaum wiedererkannten, waren unter den Besuchern.

Für den Anlass hatten die Künstler ihr Domizil mit farbigen Folien versehen und ein Farbkonzept zur Orientierung der Gäste erstellt. «Wir wollten damit dem alten Schulhaus eine neue Identität geben», sagt Ernesto Walti, der im Frühjahr ins Kunst- und Kulturhaus eingezogen ist und sich, wie er sagt, in der Frauenrunde wohl fühlt.