Hans Anliker (1938–2017) hinterliess offenbar nicht nur zahlreiche Kunstwerke, sondern auch etliche Freunde und Weggefährte. Zwei von ihnen, Ernst Häusermann und Markus Müller, sprachen an der aktuellen Ausstellung im Brugger Zimmermannhaus über die Zusammenarbeit mit ihm bei einigen Kunst-am-Bau-Arbeiten. Und dies vor vollen Rängen: Auch an einem sonnenreichen Morgen wollten eindrücklich viele das Gespräch der beiden nicht verpassen. Sie erzählten frei von den alten Zeiten und offenbarten dabei einige amüsante Hintergrundgeschichten.

Die erste Zusammenarbeit mit Hans Anliker geschah beim Kunst-am-Bau-Projekt zum Kindergarten in Untersiggenthal. Mithilfe von Jugendlichen aus dem Birrer Berufsbildungsheim Neuhof liessen sie Hügel aufschütten, Schaukeln aufstellen und bauten einen «Geheimnis-Weg» für die Kinder, mit mehreren Tunnels und Verstecken.

Ein Werk aus dem Jahr 2014.

Ein Werk aus dem Jahr 2014.

«Der Kunst am Bau haben wir dort einen Gebrauchscharakter verliehen», sagte Markus Müller. Es sollte nicht nur ansprechend aussehen, sondern die Kinder auch animieren darin zu spielen. «Zu meiner grossen Überraschung ist dort alles noch in Betrieb», sagte er. Offenbar verteidigen die Lehrer den künstlerischen Spiel- und Entdeckungspfad gegen die Sicherheitsbefürchtungen von Teilen der Elternschaft und der Gemeinde.

Zu diesem Thema sagte Markus Müller: «Wir haben die Hügel so aufgeschüttet, dass, falls ein Kind hinfällt, es den Hügel hinabrollt und sich nicht verletzt.» In 34 Jahren habe es nur einen Unfall gegeben, bei dem sich ein Kind offenbar den Ellbogen auskugelte. «Aber das ist ja nichts. Ein gebrochener Arm muss drin liegen, den kann man ja noch flicken», sagte er humorvoll. «Wenn man etwas ganz Harmloses baut, dann interessiert es die Kinder gar nicht.»

Mal sanft, mal intensiv.

Mal sanft, mal intensiv.

Probleme mit Sicherheit

Die künstlerische Unterschrift von Hans Anliker tragen einige andere öffentliche Bauten im Kanton, darunter etwa die Fenster der Kapelle Schinznach-Bad und der katholischen Kirche im Birrfeld, die Kunstwerke an der Reuss in Windisch oder am Kulturweg entlang der Limmat. Als ein von ihm gestalteter Kunstkeil bei der Kreisschule Mutschellen abgebrochen werden sollte, da es den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügte, sammelten Schüler erfolgreich Unterschriften gegen den Abbruch. Auch die gestaltete Rutschbahn beim steilen Hang in Oberrohrdorf-Staretschwil stehe noch. Laut Ernst Häusermann soll ihm ein früherer Swissair-Pilot gesagt haben, dass er jedes Mal beim Abfliegen die dortige Rutschbahn von oben wiedererkenne.

Die bekannteste öffentliche Arbeit dürften aber die gestalteten Baumscheiben vor dem Hauptgebäude der Aargauischen Kantonalbank in Aarau sein. In der Glockengiesserei Aarau wurden die chaotisch verworrenen Linien und Kreise aus Eisen gegossen, die heute die Bäume entlang der Bahnhofstrasse umranden. «Heute ist der Platz etwas bedeckt mit Objekten vom dortigen Blumenladen und den Betonklötzen, die als Schutz gegen Bankräuber dienen sollen», sagte Markus Müller. «Wobei der grosse Räuber ja eigentlich die Bank ist.»

Die wirren und aggressiven Formen sollten ein wenig als «subversiver Kontrapunkt» zur ernsten Bank erkennbar sein, wie er sagte. Als der Platz vor wenigen Jahren umgebaut wurde, standen die Skulpturen kurz vor der Verschrottung. Die Künstler retteten die wirren Eisenskulpturen in letzter Minute, an der Ausstellung sieht man Fotos von Ernst Häusermann, wie er sie wieder zusammensetzt.

Ausstellung noch eineinhalb Wochen

Bis zum 10. März bleiben die Arbeiten des Ende 2017 verstorbenen Künstlers Hans Anliker und der Berner Künstlerin Renata Bünter im Zimmermannhaus ausgestellt. Es ist die sechste Ausstellung, die das Brugger Ausstellungshaus dem bis zu seinem Tod in Schinznach-Bad wohnhaften Künstler widmet und die erste nach seinem Hinscheiden. Eine Retrospektive ist es aber nicht, sondern es werden Bilder aus seinem Nachlass ausgestellt, «im Dialog mit den skulpturalen Objekten von Renata Bünter als Analogie zu Anlikers schwungvoll gestischer Malerei», wie es in der Beschreibung zur Ausstellung steht. Tatsächlich passen die abstrakten, fast witzig anmutenden Objekte der Berner Künstlerin gut zu den Bildern von Hans Anliker, die beim ersten Hinschauen wie ein Wirrwarr an Farben und Formen daherkommen und sich erst bei längerem Hinschauen erschliessen.

Nebst seiner Arbeit als Künstler wirkte Hans Anliker auch als Architekt und realisierte mehrere Arbeiten im öffentlichen Raum. Fast 20 Jahre lang arbeitete er bei der Metron in Brugg, war zudem Lehrer in gestalterischen Fächern an der Berufsschule Brugg und an der Schweizerischen Bauschule in Aarau. Später machte er sich mit Aufträgen für Kunst am Bau selbstständig. «Er hat viele Baukommissionen und Architekten beraten und hatte ein besonderes Gespür dafür, was zusagen könnte und was nicht», sagte Markus Müller.

Während all dieser Jahre hat Hans Anliker immer auch gemalt und seine Arbeiten ausgestellt. «Und vor allem gekocht», wie eine Besucherin, die früher oft bei seinen Ausstellungen mitgeholfen hatte, im Zimmermannhaus sagte. «Hans war jemand, der stets alles voll auskosten wollte.» Er habe immer gerne mit anderen Menschen zusammen gearbeitet und den Austausch gesucht.