Brugg Regio
Künftig sollen die Zentrumsgemeinden im Bezirk Brugg wachsen

Nicht mehr auf dem Land, sondern im Zentrum soll die Bevölkerung wachsen. Das stösst auf Kritik. Politiker bezweifeln, ob Wachstum im Zentrum überhaupt noch möglich ist.

Claudia Meier
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So stark belebt wie am Brugger Stadtfest dürfte die Altstadt trotz Bevölkerungswachstum auch in Zukunft nicht sein. MHU/Archiv az

So stark belebt wie am Brugger Stadtfest dürfte die Altstadt trotz Bevölkerungswachstum auch in Zukunft nicht sein. MHU/Archiv az

In welchem Gebiet des Bezirks Brugg soll das Bevölkerungswachstum künftig stattfinden? Geht es nach dem Regionalentwicklungskonzept (REK) ist die Marschrichtung klar: Wachsen sollen vor allem die Zentrumsgemeinden. Hier sind 70 Prozent des Wachstums vorgesehen. Die Rede ist von einer Trendwende, denn in den letzten
30 Jahren fand hier nur knapp ein Viertel des Wachstums statt. Diese Absicht ist ganz im Sinne von Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch: «In der Aufgabenerfüllung werden ans Zentrum immer mehr Forderungen gestellt. Ohne Wachstum werden diese für uns kaum mehr finanzierbar.»

So kann sich die Bevölkerung einbringen

Das öffentliche Mitwirkungsverfahren zum Regionalentwicklungskonzept (REK) Brugg Regio läuft noch bis zum 15. November. Mit dem REK wird eine Grundlage für die künftige Raum- und Mobilitätsplanung, die Standortförderung sowie weitere Themen von regionaler Bedeutung für Brugg Regio erarbeitet. Das REK Brugg Regio definiert die Ziele der angestrebten Entwicklung. Es nennt die zu verfolgenden Strategien zum Erreichen dieser Ziele und die sich daraus ergebenden regionalen Schlüsselaufgaben, welche die Region aktiv angeht oder begleitet. Der Entwurf kann in Papierform auf der Gemeindekanzlei bestellt oder online unter www.bruggregio.ch heruntergeladen werden. (AZ)

Ammons Parteikollege Richard Plüss, SVP-Grossrat und Gemeindeammann in Lupfig, vertritt hier eine andere Meinung: «Ich finde es schade, dass gerade dort, wo die vielen Arbeitsplätze sind, das geringste Wachstum möglich ist. Man sollte vermehrt darauf hin planen, dass Wohnen und Arbeiten näher zusammengefügt werden.» Ansonsten würde noch mehr Verkehr generiert. «Ich bezweifle, dass im Zentrum ein solches Wachstum überhaupt möglich sein wird», so Plüss weiter.

Instrument infrage gestellt

Grundlage des REK bildet das neue eidgenössische Raumplanungsgesetz. Das ist allen angefragten Lokalpolitikern klar. «Die im REK angeführten Wachstumszahlen sind der Versuch einer Umsetzung des neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetzes. Für mich ist es das falsche Instrument, wenn man Wachstumszahlen in Prozent auf die Teilregionen verteilen will», so Robert Schmid, Gemeindeammann in Bözen. Damit werde den ländlichen Gemeinden die Grundlage zur gesunden Entwicklung genommen und die Abhängigkeit vom Finanzausgleich verstärkt.

Ein Grund für die Verschiebung Richtung Zentrum sei offenbar die bessere Verkehrsanbindung, sagt Schmid weiter. Das könne er aber so nicht stehen lassen: «Mit einem Bus im Halbstundentakt und den Autobahnanschlüssen in Effingen und Frick trifft das für uns nicht zu.» Kritisch hinterfragt der Fricktaler in diesem Zusammenhang auch Aussagen wie «Regionale Infrastrukturprojekte werden im Zentrum realisiert und von der Region mitgetragen».

Etwas provokativ erwidert müsste es gemäss Schmid eher heissen: «Die Zentrumsgemeinden beteiligen die Landgemeinden mit Solidaritätsbeiträgen an ihrem überproportionalen Wachstum.» Der Gemeinderat Bözen werde das Thema REK Brugg Regio sicher noch diskutieren und entscheiden, ob er dazu eine Eingabe machen werde.

Überparteilicher Infoabend

Im Schenkenbergertal organisieren die drei Grossräte Martina Sigg (FDP), Robert Obrist (Grüne) und Martin Wernli (SVP) gemeinsam einen Infoabend für die Bevölkerung. «Es ist sehr wichtig, am REK-Mitwirkungsverfahren teilzunehmen, sonst werden da Pläne entwickelt, Konzepte entworfen, und plötzlich wird etwas verbindlich, was wir gar nicht wollen.» Die Wachstumszahlen im REK erachten sie ebenfalls als unnötig. «Allgemein fühlen wir uns in diesem REK schlecht repräsentiert. Auch das Gewerbe und die Landwirtschaft sollten abgebildet werden», so Martina Sigg. Die Schönheiten im Tal wolle man erhalten, aber ein Ballenberg will man nicht werden. Die Bevölkerung ist zur Diskussion eingeladen.

Informations- und Diskussionsabend zum REK am Dienstagabend, 28. Oktober, 19.30 Uhr, Aula, Veltheim.