«Du solltest auch so ein Viech montieren, Schatz», meint die Dame angesichts des Plüschbären hinten an der Honda Goldwing. Ob sie das wohl ernst meint? Der «Schatz» jedenfalls scheint wenig begeistert. «Sicher nicht», meint er.

Natürlich stehen beim Internationalen Goldwing-Treffen im Brugger Geissenschachen nicht Plüschtiere, sondern Motorräder im Vordergrund. Und die Fahnen im Zeltlager und die Wimpel an den Maschinen zeigen, dass Goldwing-Fahrerinnen und -Fahrer aus beinahe allen Ländern Europas dem Ruf des Goldwing Clubs Schweiz nach Brugg gefolgt sind.

Goldwing-Treffen in Brugg

Leuchtende Parade durch die Brugger Altstadt.

Im Schatten eines Baumes haben auch Maureen und John Hindhaugh ihr Zelt aufgeschlagen. Sie sind mit ihrer Goldwing Modell 1981 mit Seitenwagen aus den britischen Midlands nach Brugg gekommen. «Meine Maschine hat bloss 1100 Kubikzentimeter Hubraum», sagt John. «Moderne Goldwings haben 1500 oder gar 1800 Kubikzentimeter Hubraum.» Maureen meint: «Wir brauchen kein Sportmotorrad. Die Goldwing ist sehr bequem. Und wir haben es gemütlich genommen. Wir haben zwei Wochen für den Besuch des Treffens reserviert.»

Das Ehepaar ist nicht zum ersten Mal bei einem Goldwing-Treffen in der Schweiz. John hebt die Plane über dem Seitenwagen an, zeigt auf eine kleine Kuhglocke und sagt: «Die haben wir 1985 beim Treffen in Zug erhalten – für die weiteste Anreise.»

Im Zeltlager und im Festzelt geht es am Samstagnachmittag vor dem Start zur Nationen-Parade entspannt zu und her. Alte Bekanntschaften werden aufgefrischt. Neue geknüpft. Zeit auch, die mächtigen Maschinen mit ihren Sechs-Zylinder-Motoren – «Downsizing» ist da offensichtlich kein Thema – den ausladenden Verschalungen und den Audioanlagen zu bestaunen. Viele Goldwing-Besitzer haben ihre Maschinen zusätzlich individualisiert. Sei das mit einem Airbrush-Kunstwerk oder bloss mit einem speziellen Getränke- oder Rückspiegelhalter.

Nationen-Parade als Höhepunkt

«Das sind zwei ganz verschiedene Welten», sagt ein Schweizer Goldwing-Fahrer auf die – angesichts der Hitze entschuldbare – Frage, weshalb er denn dieses Motorrad fahre und nicht beispielsweise eine Maschine der andern Kultmarke – derjenigen aus Milwaukee. «Die Goldwing ist eine perfekte Reisemaschine», erklärt er und schwärmt von seinen Reisen durch Europa.

Goldwing-Treffen Brugg

Internationales Schaulaufen der Goldwing-Töffs.

Langsam beginnt vor der Tribüne die Aufstellung für die Nationen-Parade, einer der Höhepunkte des Treffens. Mit etwas Verspätung – man will offenbar auf einen Postauto-Kurs Rücksicht nehmen – wird gestartet. Abgesehen von den Hupen in den verschiedensten Tonlagen setzt sich der Konvoi erstaunlich leise in Bewegung. Auch das ist ein Merkmal der Goldwing.