Bözberg

«Kühe sind mein Leben»: Diese Aargauerin will Braunviehkönigin werden

Larissa Gut mit dem Rind Fabienne, das gerne im Mittelpunkt steht.

Larissa Gut mit dem Rind Fabienne, das gerne im Mittelpunkt steht.

Die 21-jährige Bözberger Bauerntochter steht zusammen mit drei anderen jungen Frauen im Final der Wahl zur Braunviehkönigin.

Sie gehören zur Schweiz wie Käse, Uhren und Schokolade: die Kühe, insbesondere das Braunvieh. Die herzigen Kühe mit dem braun-grauen Fell und dem weiss umrandeten Maul, das so aussieht, als hätten sie gerade aus dem Milcheimer getrunken, sind aus unserem Land nicht wegzudenken.

Die 21-jährige Larissa Gut ist von der Rasse begeistert. Auf dem elterlichen Hof in Bözberg leben rund 30 Exemplare dieser Gattung. Daneben gibt es noch Jersey, Holstein und Red Holstein.

An den Braunviehkühen fasziniert Gut ihr extrem ruhiger Charakter. Ausserdem werden sie älter als andere Rassen und erreichen somit mehr Laktationen. Als Laktation wird im Fachjargon die Zeit bezeichnet, in der eine Kuh Milch gibt, begonnen mit der Geburt eines Kalbes bis zum nächsten Trockenstellen. Das Trockenstellen erfolgt meistens sieben Monaten nach der Trächtigkeit.

Drei weitere Frauen als Konkurrenz

Das ist vor allem vom wirtschaftlichen Aspekt her interessant. Denn bis eine Kuh zum ersten Mal kalbt – bis dahin wird sie übrigens noch Rind genannt – dauert es zwei Jahre. In dieser Zeit verursacht das Tier dem Besitzer nur Kosten und bringt keinen Ertrag. Deswegen sind viele Laktationen von Vorteil.

Daneben zeichnet sich die Braunviehrasse, die neuerdings auch Brown Swiss genannt wird, durch eine hohe Milchqualität und eine gute Anpassungsfähigkeit aus. Insgesamt leben in der Schweiz rund 172000 Tiere dieser Gattung. Sie sind allerdings nicht zu verwechseln mit dem Original Braunvieh. Dieses ist kleiner und muskulöser und liefert neben Milch zusätzlich noch Fleisch.

«Kühe sind mein Leben», sagt Larissa Gut. Einer der Gründe, weshalb sie sich für die Wahl zur Braunviehkönigin angemeldet hat. Am 30. November wird in Brunegg anlässlich der Swiss Classic, der Schweizer Meisterschaft der Züchtergruppen, die Braunviehkönigin für zwei Jahre gekrönt. Auf die Idee teilzunehmen, wurde Gut von ihrem Vater gebracht. Dieser las in der Zeitung davon und schlug ihr vor, mitzumachen. Also bewarb sich die 21-Jährige.

Sie wurde an ein Casting eingeladen und nun steht sie mit drei weiteren jungen Frauen aus den Kantonen Obwalden, Schwyz und Appenzell Ausserrhoden im Final. Die Wahl wird so ablaufen, dass sich die Kandidatinnen kurz vorstellen und einige generelle Fragen zum Braunvieh und zu agrarpolitischen Themen beantworten.

Anschliessend darf das Publikum abstimmen. Speziell auf die Wahl vorbereiten wird sich Gut nicht. «Ich weiss so viel, wie ich weiss», sagt sie. Und als Bauerntochter und Studentin der Agrarwissenschaften an der ETH Zürich ist das eine ganze Menge.

«Kühe werden mega unterschätzt»

Die weit verbreitete Meinung, dass Kühe ein wenig doof sind, kann Gut nicht bestätigen. «Kühe werden mega unterschätzt.» Es seien sehr vielfältige und sensible Tiere, erklärt sie. Ihnen könne man nichts vormachen. Wenn es einem nicht gut gehe, merkten das die Kühe sofort und würden sich ebenso verhalten, einem also quasi den Spiegel vorhalten.

Sei man zum Beispiel angespannt und nervös, werde das Tier ebenfalls zappelig. Und wenn man nicht hundertprozentig bei der Sache sei, laufe die Kuh sowieso nicht. Gut schmunzelt, sie kennt das aus eigener Erfahrung.

Auch wüssten die Vierbeiner ganz genau, mit welchen Tricks sie etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Stall und Weide müssten ausserdem immer gut gesichert sein, denn Kühe würden alles auseinandernehmen.

Als Braunviehkönigin wird Larissa Gut nicht nur als Botschafterin des Braunviehs unterwegs sein, sondern den Leuten die Landwirtschaft generell näherbringen. Viele hätten den Bezug dazu verloren, bedauert die junge Frau.

Das merkt sie immer wieder, wenn im Rahmen des Projekts «Schule auf dem Bauernhof» Kinder und Jugendliche den elterlichen Betrieb besuchen. Der Aargauerin ist es ein Anliegen, den Menschen wieder bewusst zu machen, wie wertvoll die Landwirtschaft ist. Nicht nur als Produktionssektor, sondern auch als Schweizer Kulturgut.

Eine bewusste, saisonale, regionale Ernährung und Respekt vor den Lebensmitteln sind Larissa Gut wichtig. Deswegen, findet sie, dürften Nahrungsmittel ruhig etwas mehr kosten. Hier in der Umgebung habe es so viele Landwirtschaftsbetriebe.

Wieso also in den Supermarkt gehen und nicht im Hofladen beim Bauern um die Ecke einkaufen oder auf dem Markt? Dadurch hätten die Konsumenten die Kontrolle, wie die Lebensmittel produziert und die Tiere gehalten würden. Jeder Bauer, der direkt vermarkte, sei gerne bereit zu zeigen, wie er produziere, ist sich Gut sicher.

Sie freut sich darauf, als Braunvieh-Königin viele interessante Leute zu treffen und verschiedene Regionen, andere Ansichten und Mentalitäten kennenzulernen.
Wie es beruflich nach dem Studium weitergehen soll, kann die Bözbergerin noch nicht definitiv sagen.

Als Berufsschullehrerin angehende Landwirte EFZ zu unterrichten oder in einer Beraterfunktion für ein Agrarunternehmen tätig zu sein, würde sie reizen. Auch den elterlichen Betrieb einmal zu übernehmen, könnte sie sich vorstellen. Aber erst einmal steht die Wahl an, und wenn alles gut geht, darf sich der Kanton Aargau schon bald über eine Braunviehkönigin freuen.

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