Brugg
Krumme Geschäfte mit Schrott führen zu einer Geldstrafe

Das Bezirksgericht verurteilte einen 55-jährigen Mann zu einer bedingten Geldstrafe. Vorgeworfen wurde dem Beschuldigten, gut 3000 Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben.

Louis Probst
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Beschuldigter liess Geld in eigene Tasche fliessen (Symbolbild)

Beschuldigter liess Geld in eigene Tasche fliessen (Symbolbild)

Keystone

«Ich habe Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben, weil der Vorwurf nicht stimmt», erklärte der Beschuldigte vor der Einzelrichterin, Gerichtspräsidentin Franziska Roth. «Es hiess, ich hätte Ware und Geld gestohlen. Das stimmt nicht.» Vorgeworfen wurde dem Beschuldigten, gut 3000 Franken in die eigene Tasche abgezweigt zu haben.

Von seinem damaligen Arbeitgeber, einer in Brugg domizilierten Firma, hatte er den Auftrag erhalten, einen im Kanton Zürich stehenden Container zu entsorgen. Er war diesem Auftrag auch nachgekommen. Und er hatte seinem Chef eine Quittung präsentiert, wonach er den Container für 4000 Franken verkauft habe. Der Arbeitgeber schöpfte allerdings Argwohn. Er entliess seinen Mitarbeiter und erhob Strafanzeige.

Die Staatsanwaltschaft kam zum Schluss, dass der Beschuldigte den Container zwar verkauft hatte. Allerdings für höchstens 900 Franken. Und sie konnte den Käufer auch beibringen. In der Folge war der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Franken und zu einer Busse von 800 Franken verurteilt worden.

Der grosse Unbekannte

«Der Container musste dringend weg», erklärte der Beschuldigte vor Gericht. «Da stand plötzlich dieser Alteisenhändler da. Er wollte 4500 Franken. Ich habe ihm 4000 bezahlt.» Er sei damals krank gewesen, sagte der Beschuldigte. Deswegen habe er den Abtransport des Containers selber nicht gesehen. «Als ich wieder auf den Platz kam, war der Container weg», meinte er. «Darauf habe ich dem Alteisenhändler das Geld gegeben. Gesehen habe ich den nur zweimal.»

An Namen oder Herkunft des Schrotthändlers konnte er sich nicht entsinnen. Die Quittung, die er seinem Arbeitgeber präsentiert hatte, enthält denn auch keinerlei Hinweis auf den Empfänger des Geldes. Er sei kein Bürolist, meinte der Beschuldigte dazu. Dagegen bestätigte ein Zeuge vor Gericht, dass er den mit Alteisen und Müll gefüllten Container für rund 900 Franken erworben hätte. Er hätte dafür zwar eine Quittung, könne sie jedoch nicht mehr finden. Den Container habe er weiterverkauft, nachdem er über dessen Grösse erschrocken sei.

«Grosses Pech»

«Der Beschuldigte soll aufhören, uns für dumm zu verkaufen», erklärte der Rechtsvertreter des ehemaligen Arbeitgebers und forderte eine Bestrafung gemäss dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Pflichtverteidiger dagegen verlangte Freispruch. Er zog die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Zweifel und machte geltend, dass es das «grosse Pech» seines Mandanten sei, «dass es ihm trotz grosser Bemühungen nicht mehr gelang, wieder Kontakt zum Alteisenhändler herzustellen». Der Beweis für die seinem Mandanten zur Last gelegte Veruntreuung sei nicht erbracht. Der Beschuldigte sei daher freizusprechen.

Reduktion des Tagessatzes

Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth sprach den Beschuldigten jedoch im Sinne der Anklage schuldig. Sie reduzierte aber, angesichts der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten, den Tagessatz der bedingten Geldstrafe auf 55 Franken. Für das Gericht sei erstellt, dass der Beschuldigte den Differenzbetrag für sich behalten habe. Die Quittung über die 4000 Franken sei unvollständig, obwohl dem Beschuldigten geschäftliche Vorgänge bestens bekannt gewesen seien.