Lauffohr

Kritik an Anbau von Nassreis wird laut – wegen Treibhausgas

Das Reisfeld in Lauffohr wird nur temporär geflutet. Wie sich das aufs Klima auswirkt, wird noch erforscht.

Das Reisfeld in Lauffohr wird nur temporär geflutet. Wie sich das aufs Klima auswirkt, wird noch erforscht.

Der Anbau von Nassreis sorgt für den Ausstoss des Treibhausgases Methan und ist damit klimaschädigend. Das sagt eine Projektverantwortliche des Reisanbaus in Brugg dazu.

In Lauffohr wird zum zweiten Mal in Folge Nassreis angepflanzt. Beteiligt sind die Max Schwarz AG in Villigen und Agroscope, das Kompetenzzentrum der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung. Die Initianten wollen den Landwirten eine neue Anbaumöglichkeit für Felder, die oft überschwemmen, eröffnen und gleichzeitig die Biodiversität fördern. Denn in der Schweiz sind viele Nassflächen verschwunden und damit auch die Wassertiere und –pflanzen.

Das Projekt geniesst in der Bevölkerung grossen Rückhalt. Viele sind begeistert von den Tieren, die sich ansiedeln. Doch inzwischen werden auch kritische Stimmen laut, unter anderem in der Kommentarspalte dieser Zeitung online. Die Nassreis-Produktion sei klimaschädlich und ziehe zudem viele Mücken an, lautet die Kritik. Tatsächlich kommen 10 bis 25 Prozent der weltweiten Methan-Emissionen aus gefluteten Reisfeldern. Das fanden Forscher der Max-Planck-­Institute heraus.

Das atmosphärische Methan bildet sich im Boden und im Wurzelraum der Reispflanzen. In Brugg will man dem mit der temporären Flutung entgegenwirken. «Dadurch wird der negative Effekt der Methan-Bildung so reduziert, dass die Kultur bezüglich Treibhausgas-Bilanz auf organischen Böden gemäss Modellrechnungen deutlich besser abschneidet als herkömmliche und sogar von einem Emittenten zu einer Senke werden kann», sagt Agro­scope-Projektleiterin Katja Jacot. Heisst: Das Reisfeld kann – je nach Boden – von einem Emissionsverursacher sogar zu einem Reservoir werden, das Kohlenstoffdioxid aufnimmt, speichert und so den Treibhausgaseffekt abschwächt. «Auf mineralischen Böden wie in Brugg verhält es sich etwa gleich bis leicht schlechter», so Jacot. «Es wird hier dringend Forschung benötigt.»

Nassreis-Pflanzung in Lauffohr

Nassreis-Pflanzung in Lauffohr

Im Aargau gibts insgesamt vier Nassreisfelder, schweizweit neun. Das in Lauffohr ist das grösste. Unter anderem ist bereits ein Wasserfrosch aufgetaucht und Yvonne Fabian von Agroscope hat eine Fledermauslibelle gefunden. Angepflanzt wird der Reis von der Max Schwarz AG aus Villigen. (Video vom 27. Mai 2020)

Tiefe Temperaturen sind heikel für den Reisanbau

Der Anbau von Trockenreis verursacht weniger Methan-Emissionen. In der Südschweiz funktioniert der Anbau mit Beregnung, in der Nordschweiz haben vereinzelte Landwirte, darunter die Max Schwarz AG, in den letzten zehn Jahren versucht, Trockenreis anzubauen. Bis anhin erfolglos. «Mit der Flutung sind die Reispflanzen besser vor Kälte geschützt», erklärt Jacot. «Die tiefen Temperaturen im Frühling und in den Sommernächten sind heikel für die Reisproduktion.»

Weitere Pluspunkte für den Nassreisanbau seien zudem, dass es bis anhin bei der Sorte Loto zu keinem Pilzbefall kam und dass dank der Flutung viele verschiedene Ackerunkräuter unterdrückt werden können. «Ein sehr wichtiges Ziel ist auch, einen Lebensraum für Nässe liebende Arten zu schaffen. Ein Lebensraum, der in der Schweiz sehr stark zurückgegangen ist», so die Projektleiterin. Dazu kommt: «Vernässende Landwirtschaftsflächen sind schwierig zu nutzen. Der ökologische Anbau von Reis könnte im Schweizer Mittelland eine standortgerechte Produktion ermöglichen», ist Jacot überzeugt.

Kritisiert wird die Nassreisproduktion auch wegen der Mücken, die dort ebenfalls einen Lebensraum finden. Jacot sagt: «Mit der permanenten Flutung von Mai bis Ende Juli oder Mitte August wird nicht nur ein Lebensraum für Mücken geschaffen, sondern auch ein Habitat, in dem sich eine Räuberfauna, bestehend beispielsweise aus Libellen, entwickeln kann, die einen Grossteil der Mücken und deren Larven fressen.»

In den Nassreisfeldern hätten sich gemäss Katja Jacot Tausende Libellen erfolgreich entwickelt. Die Idee und Hypothese gelte es aber noch wissenschaftlich zu prüfen. So wird sich diesen Sommer eine Studentin der Uni Zürich im Rahmen ihrer Masterarbeit diesem Thema widmen.

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