Lupfig

Krisengeschütteltes Haus Eigenamt: «Wir wollen keinen Konkurs»

Das Haus Eigenamt in Lupfig ist der Bevölkerung wichtig, befindet sich aber in finanzieller Schieflage.

Das Haus Eigenamt in Lupfig ist der Bevölkerung wichtig, befindet sich aber in finanzieller Schieflage.

Vereinspräsidentin Ursi Berger setzt sich – trotz Kritik – weiterhin für das Haus Eigenamt in Lupfig ein.

«Ein zweites Jahr mit 1,1 Mio. Franken Defizit wie 2015 hätten wir nicht stemmen können», sagte Präsidentin Ursi Berger vom Altersheimverein Eigenamt während ihrer Begrüssung an der Generalversammlung. So seien denn auch Tarifanpassungen, Entlassungen und weitere Optimierungen unumgänglich gewesen, fuhr sie fort.

Der Auftritt fiel Berger nicht leicht, sie atmete immer wieder tief durch. Anwesend waren in der Mehrzweckhalle Lupfig am Mittwochabend 54 Mitglieder (von 304) sowie mehrere Gemeindevertreter. Schnörkellos zeigte Berger auf, dass in allen Bereichen grosser Handlungsbedarf bestand, was in der Vergangenheit oft zu Kritik führte. Dazu gehörten fehlende Pflegedokumentationen, jährliche Mitarbeitergespräche sowie die Ausbildungspflicht. «Wenn wir all die Anpassungen nicht gemacht hätten, würde es das Haus Eigenamt nicht mehr geben», stellte die Präsidentin klar.

Auch Geschäftsleiter Hanspeter Müller betonte, dass 2016 unpopuläre Entscheide notwendig waren, um die Finanzen ins Lot zu bringen. Ende 2015 betrug der Personalbestand 75 Vollzeitstellen, ein Jahr später waren es noch 57, wobei fünf Stellen im Bereich Reinigung ausgelagert wurden. Das ist laut Müller effizienter und kostengünstiger. In der Jahresrechnung 2016 resultierte ein Minus von 130'000 Franken. Das Betriebsergebnis konnte zwar deutlich verbessert werden, aber die flüssigen Mittel nehmen weiterhin ab. Der Vorstand hat entschieden, die Pensionstaxen anzupassen und den Rabatt von 15 Franken pro Tag für Bewohner aus den Trägergemeinden abzuschaffen. Es fehlt an Rückstellungen für Renovationen.

Für einige Bewohner wird es teurer

Für grosse Verwirrung sorgten die Zahlen im Budget 2017. Müller sagte, er habe die gleichen Zahlen wie letztes Jahr genommen. Kurz darauf behauptete er das Gegenteil. Gerechnet wird mit einem Minus von 411 500 Franken. Ab 2018 werde man schwarze Zahlen schreiben, stellte Müller in Aussicht. Fragen zu deutlich höher budgetierten Haushalts- und Verwaltungsausgaben konnte er nicht beantworten.

Mehrere Mitglieder störten sich daran, dass der Rabatt für die Bewohner aus den vier Trägergemeinden gestrichen werden soll. «Das kostet uns über 5000 Franken pro Jahr mehr», sagte ein Mann. Ein anderer: «Die Bewohner aus den Trägergemeinden halfen früher mit ihren Steuergeldern, das Heim zu bauen, und sollten die Vergünstigung weiterhin bekommen.» Nach der Ankündigung einiger kritischer Mitglieder, das Budget abzulehnen, berief Präsidentin Ursi Berger eine Pause für die Besprechung mit den Vorstandskollegen ein. Diese kamen zum Schluss, am Budget und den höheren Tarifen festzuhalten. «Wir sind auf diese zusätzlichen 150'000 Franken im Jahr angewiesen, weil wir mit der Liquidität am Anschlag sind und keinen Konkurs anmelden wollen», so Berger.

Mitglieder sagen Nein zum Budget

Mit 28 Nein- zu 17 Ja-Stimmen lehnten die Mitglieder das Budget 2017 ab. Im zweiten Schritt allerdings hiessen die vier Gemeindevertreter das Budget einstimmig gut und kehrten den ersten Beschluss um. «Wofür zahle ich eigentlich den Jahresbeitrag? Ich werde doch nur angelogen und kann nichts mitbestimmen», entfuhr es einem verärgerten Mitglied. «Das liegt an diesem komischen Reglement», erklärte Berger.

Vor den Wahlen musste sie den Rücktritt von Fredi Bärtschi aus dem Vorstand bekannt geben. Der Arzt war für die Ressorts Gesundheits- und Qualitätssicherung zuständig und an der Versammlung ferienbedingt nicht anwesend. Seinen Entscheid teilte er dem Vorstand am 18. März mit. Das war zu knapp, um einen Nachfolger zu suchen. Zudem wird sich der Vorstand an einem Workshop mit der Zukunft des Heims und der Zusammensetzung des Vorstands im Hinblick auf die Fusion von Lupfig und Scherz ab 2018 befassen. Alle anderen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt.

Vizepräsident Mark Büttikofer informierte über eine mögliche Umwandlung der Rechtsform von einem Verein zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft: «Solange wir nicht einen aktiven Überschuss von 100'000 Franken haben, ist die Umwandlung nicht möglich.» Das hätten die Abklärungen bei einem Rechtsanwalt gezeigt. Eine ältere Frau stellte zum Abschluss fest: «Dass wir vom Verein damals dem Umbau zustimmten, war ein grosser Fehler.»

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