Brugg
Kriminelle suchen gezielt Senioren aus – so wehren sich die Betagten

Der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht referierte zum Thema «Kriminalität und Senioren». Lesen Sie in der Galerie, was die Brugger Senioren unternehmen, um sich zu schützen.

Deborah Bläuer
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Was haben Sie an diesem Nachmittag gelernt, und werden Sie jetzt etwas ändern?
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27. Seniorennachmittag Philipp Umbricht, leitender Oberstaatsanwalt, hielt im Salzhaus einen Vortrag zum Thema "Kriminalität und Senioren."
Werner Pauli, 88, Brugg «Meine Ansichten über das richtige Verhalten wurden bestätigt. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und werde nichts speziell ändern.»
Gerhard Bach, 85, Brugg «Dass man einfach aufpassen und manchmal misstrauisch sein muss. Ändern werde ich eigentlich nichts, ich weiss schon, was ich zu Hause zu tun habe.»
Peter Rähmi, 72, Brugg «Ich finde es gut, dass man Tipps, wie man sich verhalten soll, bekommen hat. An und für sich werde ich aber nichts ändern, denn ich bin vorsichtig.»
Johanna Zumstein, 72, Brugg «Eigentlich haben mein Mann und ich alles schon gewusst. Wir haben eine Kamera und einen Türspion. Damit sind wir gut bedient und werden nichts ändern.»
Erika Vonder Mühll, 85, Brugg «Ich verhalte mich schon so, wie sie es gesagt haben. Ich mache nachts die Rollläden runter und lasse niemanden herein.»

Was haben Sie an diesem Nachmittag gelernt, und werden Sie jetzt etwas ändern?

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Im Salzhaus Brugg lud die FDP am Mittwoch zum 27. Seniorennachmittag. Einwohnerrat Peter Haudenschild führte durch den gut besuchten Anlass. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Handorgelgruppe «DonnschtigHöckler».

Nach einer kurzen Begrüssung von Titus Meier, Präsident der FDP Brugg, hielt der leitende Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht einen Vortrag zum Thema «Kriminalität und Senioren». Dabei legte er den Fokus auf die Senioren als Opfer. Umbricht hob die hohe Sicherheit im Kanton Aargau hervor und erklärte, dass dies aber nicht zwingend bedeute, dass man sich auch sicher fühle. Bei Straftaten seien 15% der Geschädigten über 60. Zwar sei das ein tiefer Wert, doch bei einigen Delikten seien Senioren überdurchschnittlich häufig betroffen. Namentlich bei Trickdiebstahl, Betrug und Wucher.

Um die Gründe dafür besser zu verstehen, erklärte Umbricht einiges zu den Tätern. Er bezeichnete sie als «gut ausgebildet» und Profis: «Sie sind hervorragende Berufsleute, sie machen aber etwas, das verboten ist.» Wie jeder andere Berufsmann auch, möchte der Täter mit wenig Aufwand und geringem Risiko möglichst viel verdienen. Deswegen werden bewusst Senioren als Opfer ausgewählt. Denn diese sind körperlich unterlegen, generell hilfsbereiter und weniger misstrauisch als der Grossteil der Bevölkerung.

Sie klingeln an der Haustür

Es ist für Taschendiebe von Vorteil, dass Senioren tendenziell eher Bargeld anstatt für den Täter wertloses Plastikgeld bei sich haben. Zudem tragen Senioren das Portemonnaie an bekannter Stelle und haben nicht, wie viele Junge, in verschiedenen Hosentaschen ein paar Münzen verteilt.

Für Betrüger, die sich das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen und diese um ihr Geld bringen wollen, spielen der Festnetzanschluss und der Eintrag im Telefonbuch eine zentrale Rolle. Das ist bei Senioren meistens der Fall. Zudem sind sie untertags telefonisch erreichbar und haben Zeit, um den Betrügern zuzuhören. Haben diese ihren Gesprächspartner eingewickelt, so ist es praktisch, dass viele Senioren schnell verfügbares Geld haben, also zum Beispiel nicht erst noch Aktien verkaufen müssen. Ausserdem besitzen sie in der Regel mehr Geld als ein Zwanzigjähriger, der gerade erst ins Berufsleben gestartet ist.

Wucherer, die minderwertige Leistungen zu unverhältnismässig hohen Preisen anbieten, klingeln häufig direkt an der Haustür. Sie können in Form von dubiosen Verkäufern oder Handwerkern auftreten, die ihre Arbeit zu supergünstigen Preisen anbieten. Auch sie setzen darauf, dass die Leute zu Hause sind und rasch verfügbares Geld haben. Zudem bewohnen Senioren vielfach ältere Häuser, bei denen das eine oder andere tatsächlich repariert werden muss.

Oberstaatsanwalt Umbricht appellierte an die Zuhörer, Anzeige zu erstatten, wenn sie das Gefühl hätten, Opfer von einem Betrüger geworden zu sein. Das Geld sei wahrscheinlich weg, aber jeder aus dem Verkehr gezogene Betrüger könne keiner anderen Person mehr schaden.

Ein gesundes Misstrauen

Als Prävention riet Umbricht allgemein zu Vorsicht, Aufmerksamkeit und einem gesunden Mass an Misstrauen. Im Zweifelsfall solle man sich Zeit herausbedingen und mit jemandem über die Sache sprechen. «Kein Geldgeschäft ist so wichtig, dass es nicht mindestens einen Tag warten kann», betonte er. Und im Notfall gäbe es immer noch die Telefonnummer 117. Auch Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei Brugg, wies bei der abschliessenden Fragerunde die Anwesenden darauf hin, sich nicht zu scheuen, den Notruf zu wählen. Ganz nach der Devise «lieber einmal zu viel als einmal zu wenig».

Danach gab er anhand typischer Beispiele einige Verhaltenstipps: Das Portemonnaie sollte niemals zuoberst im Einkaufskorb liegen. Es ist wichtig, räumliche Distanz zu wahren, gerade bei Bancomaten. Wird in einem Mehrfamilienhaus geläutet, so lohnt es sich, nachdem die Tür geöffnet wurde, nachzuschauen, wohin diese Person geht.

Anschliessend informierten der Brugger Stadtrat Reto Wettstein und der Windischer Gemeinderat Max Gasser über Aktuelles aus dem Stadt- und Gemeindehaus. Der Abschluss machte Bruno Kaufmann, Präsident der FDP Windisch. Danach liess man den Nachmittag gemütlich bei Kaffee und Kuchen ausklingen.