Bezirk Brugg
Kostenlose Abgabe von Weihnachtsbäume – das praktizieren nur noch wenige Ortsbürgergemeinden

Im Bezirk Brugg sind es vor allem vermögende Ortsbürgergemeinden, die zur Weihnachtszeit Tannenbäume aus ihrem Wald verteilen.

Michael Hunziker
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Welcher passt in die heimische Stube? In den nächsten Tagen gehts ans Aussuchen des perfekten Weihnachtsbaums.

Welcher passt in die heimische Stube? In den nächsten Tagen gehts ans Aussuchen des perfekten Weihnachtsbaums.

Bruno Kissling/Archiv AZ

Dicht gewachsen muss er sein, regelmässig beastet und versehen mit einem weichem Nadelkleid. In einigen Orten im Bezirk Brugg kommen die Einwohnerinnen und Einwohner – den Ortsbürgern sei Dank – besonders günstig zum perfekten Weihnachtsbaum.

Oder zu einem zwar kostenlosen, aber nicht immer ganz makellosen Kandidaten – wie in Mandach. Die Abgabe der Weihnachtsbäume an alle Einwohner sei ein beliebtes Angebot, sagt Gemeindeammann Lukas Erne.

Auch wenn die Bäume nicht immer, wie er anfügt, vergleichbar sind mit denjenigen – eben: perfekten – aus Christbaumplantagen. «Dafür sind sie natürlich im Wald gewachsen.» In der Regel handle es sich um Rottannen – «also keine speziell für diesen Zweck gepflanzten und gepflegten Bäume». Der Bannwart schneidet jeweils eine Gewisse Menge und deponiert sie, die Einwohner könnten sich selbst bedienen, erklärt Erne. «Es hat, so lange es hat.»

Da und dort gibt es einen Gutschein

In Bözen findet die traditionelle Weihnachtsbaumabgabe am Samstag statt. Rund 130 Rottannen wechseln die Besitzer, sagt Gemeindeschreiberin Ursula Pfister, als Dankeschön der Ortsbürgergemeinde an die Einwohner.Dieser Brauch, der seit Jahrzehnten besteht, werde sehr geschätzt.

In der Stadt Brugg haben die Ortsbürger seit mehreren Jahrzehnten ein Anrecht auf einen Weihnachtsbaum. Rund 250 Gutscheine werden in die Haushaltungen verschickt. Abgeholt werden kann der Fichten-Weihnachtsbaum dann an einem festgelegten Termin beim Werkhof. Ein Drittel bis die Hälfte der Gutscheine werde jeweils eingelöst, schätzt Förster Ruedi Graf.

In Bözberg erhalten die Ortsbürger ebenfalls gratis einen Weihnachtsbaum, müssen diesen einfach vorgängig bestellen. Der Weihnachtsbaumverkauf steht dann am Samstag, 21. Dezember, auf dem Programm.

Kostenlos zu einer Rottanne kommen weiter die Remigerinnen und Remiger – jedenfalls traditionsgemäss all diejenigen, die am Waldarbeitstag teilgenommen haben. Sie erhalten einen Gutschein, der am Weihnachtsbaumverkauf am Samstag, 21. Dezember, eingelöst werden kann.

Zum Verkauf stehen neben Rottannen auch Nordmanntannen und Weisstannen. Umrahmt wird der beliebte Anlass von einem Konzert der Musikgesellschaft. Mit einem Glühwein können sich die Besucher zudem auf die Weihnachtszeit einstimmen.

Es seien vor allem vermögende Ortsbürgergemeinden, die nach wie vor Bäume abgeben, sagt Revierförster Oliver Frey. Der Brauch stamme aus der Zeit, als der Wald noch Gewinn abwarf. «Dies ist heute leider nicht mehr der Fall.»

Dass in der Gemeinde Remigen nie einheimische Weihnachtsbäume abgegeben werden konnten, hange damit zusammen, dass der Wald zu 95 Prozent mit Laubholz bestockt sei. Anders gesagt: Im Wald von Remigen wachsen keine Weihnachtsbäume.

Ein Ort setzt für die Festtage auf eine Flasche Wein

Apropos Gutscheine: In Hausen wurden die Ortsbürger vor elf Jahren darüber informiert, dass wegen des verhältnismässig grossen administrativen Aufwandes auf den Versand von Gutscheinen verzichtet wird.

Mit der ortsansässigen Gärtnerei Winkenbach wurde ein einfacheres Verfahren vereinbart: Jede Ortsbürgerin und jeder Ortsbürger sowie der Gemeinderat und das Gemeindepersonal erhielten die Möglichkeit, einen um 10 Franken vergünstigten Weihnachtsbaum zu beziehen.

«Dieses Angebot wurde kaum genutzt», führt Gemeindeschreiberin Michèle Keller aus. Weil bei der Ortsbürgergemeinde Einsparungen vorgenommen werden mussten, wurden per 2013 die Rabatte abgeschafft.

In Villnachern bieten die Ortsbürger Nordmanntannen und Rottannen zu sehr günstigen Preisen an – dieses Jahr allerdings zum letzten Mal. Denn die Kulturfläche der Weihnachtsbäume falle der Aufforstung zu einem Mischwald zum Opfer, hält Gemeindeschreiber Benjamin Plüss fest. Als Grund nennt er die Verlegung der neuen Hochspannungsleitungen.

Ob zu klein und zu krumm, zu gross und zu wenig grün: Den Auensteinern darfs egal sein. Dort erhalten die Ortsbürgerinnen und Ortsbürger keinen Weihnachtsbaum, sondern eine Flasche Wein – rechtzeitig auf die Festtage und «natürlich Auensteiner», sagt Gemeindeschreiber Jürg Lanz.

Weihnachtsbaumverkauf ist beliebt

Bei einer Umfrage unter den Gemeinden im Bezirk Brugg zeigt sich: Vielerorts findet keine Abgabe von Weihnachtsbäumen durch die Ortsbürgergemeinde statt. In Birr wird ein solcher Brauch genauso wenig gepflegt wie in Habsburg, Lupfig, Thalheim oder Windisch. An einigen Orten – wie in Birrhard, Mönthal oder Schinznach – existiert gar keine Ortsbürgergemeinde mehr.

In einigen Gemeinden hat aber der Verkauf von Weihnachtsbäumen Tradition und wird von der Bevölkerung geschätzt und rege genutzt: In Mülligen findet der Anlass morgen Samstag auf dem Schulhausplatz statt. In der Regel wechseln 30 bis 40 Nordmanntannen und Fichten die Besitzer, sagt Gemeindeammann Ueli Graf.

Der Gemeinnützige Frauenverein bietet warme Getränke an. In Elfingen organisiert das Forstamt den Verkauf ebenfalls morgen Samstag auf dem Schulhausplatz. Und in Schinznach-Bad gibt es Nordmanntannen direkt vom Feld – dazu Würste vom Grill und Glühwein.

Einheimische Rottannen und Nordmanntannen sind am Samstag nächste Woche beim Waldhaus Rüfenach zu haben. Im benachbarten Riniken kommt der Reinerlös des Weihnachtsbaumverkaufs am gleichen Tag einer gemeinnützigen Institution zugute. In Veltheim sind die Einwohnerinnen und Einwohner mit dem Weihnachtsbaumverkauf beim Gemeindewerkhof am 21. Dezember eingeladen zu einem warmen Getränk mit Speckzopf und Adventsschnitten. (mhu)