Vor gut zwei Jahren wollte Ueli Eichenberger, der damals das Sennhütte-Stübli in Effingen führte, mit seiner Partnerin und deren Tochter nach Spanien auswandern, um dort eine Bar zu eröffnen. Dann änderte der Konditor-Confiseur seine Meinung. Der damals 68-Jährige wagte sich in ein neues Abenteuer und pachtete das Restaurant Sternen in Elfingen, das seit zwei Jahren geschlossen war und soeben den Besitzer gewechselt hatte. Zudem bezog er die Wirte-Wohnung über dem Lokal. Früher, bei Heidi und Emil Dätwiler, die den «Sternen» in vierter Generation führten, kamen die Gäste aus der ganzen Schweiz ins 290-Seelen-Dorf, nur schon der bekannten Rösti mit der wunderbaren Kruste wegen.

Nun steckt Wirt Ueli Eichenberger in grossen finanziellen Schwierigkeiten. Mit Verfügung des Gerichtspräsidiums Brugg vom 5. März ist über den Inhaber des Restaurants Sternen mit Wirkung ab dem 26. Februar, 11 Uhr der Konkurs eröffnet worden. Das ist der Mutation der jüngsten Handelsregistereintragung zu entnehmen.

«Ich will meine Leute bezahlen»

Auf Nachfrage der AZ betont Ueli Eichenberger, der einst das Café Altstadt in Brugg betrieb, dass die Weinstube zum Sternen wie bisher offenstehen werde. Er wolle seinen Leuten den Lohn bezahlen und die Schulden bei den Lieferanten begleichen. Würde er aufgeben, sei all dies nicht mehr gewährleistet.

Eichenberger, der sich vor allem mit seiner feinen Pâtisserie sowie den frisch gebackenen Broten und Zöpfen einen Namen gemacht hat, steht im «Sternen» alleine in der Küche. Aktuell ist eine Person im Service angestellt. «Ich habe stets viel gearbeitet, manchmal bis zu 20 Stunden pro Tag», sagt der Wirt, der seit Jahren immer wieder gesundheitlich etwas angeschlagen ist.

Der Wirt gibt zu bedenken, dass es heutzutage kaum mehr machbar sei, ein Traditionslokal mit gutbürgerlicher Küche auf dem Land zu betreiben. «Unter den Gästen sind nur ganz wenige aus der Dorfbevölkerung, auch die Jungen kommen nicht», hält Eichenberger fest.

Es sollte keine Pizzeria werden

Von mehreren Gästen war zu hören, dass sie schon bei der Bestellung darauf hingewiesen wurden, dass die Rösti nicht mehr gleich sei wie zu Dätwilers Zeiten. Auch die Qualität der Speisen und der Service wurden von den Gästen in der Vergangenheit teilweise kritisiert. Einige zogen es vor, lediglich für den Kaffee und die gluschtigen Desserts im «Sternen» einzukehren.

Als Heidi und Emil Dätwiler den «Sternen» nach über 30 Jahren Ende Januar 2015 mangels Nachfolge sowie aus gesundheitlichen Gründen schliessen mussten, fiel dem Wirtepaar dieser Schritt sehr schwer. Während zweier Jahre stand die Liegenschaft anschliessend zum Verkauf, bis ein ehemaliger «Sternen»-Stammgast die Immobilie – ohne Rebberg – erwarb.

Dem neuen Besitzer war es wichtig, wieder einen Wirt zu finden, damit das Traditionslokal Zukunft hat. «Jemand, der eine Pizzeria eröffnen will, ist nicht erste Wahl», verriet der damals 65-jährige Liegenschaftskäufer im Gespräch mit dieser Zeitung. «Ueli Eichenberger war mein Wunschkandidat», sagte er dann kurz vor der Antrinkete.

Die Pacht habe er nicht immer bezahlen können, sagt Eichenberger nun. Finanziell werde er von niemandem unterstützt. Er werde so lange wie möglich weiterarbeiten. Gegenüber der AZ wollte sich der Liegenschaftsbesitzer nicht zur Zukunft des «Sternen» äussern.

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