Franken-Schock
Konjunktur-Flaute: Harte Zeiten bremsen die regionale Wirtschaft

Starker Franken, schwacher Euro: Die Unternehmen des Bezirks Brugg haben ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich – einige begegnen der schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung mit Kurzarbeit

Lukas Scherrer
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Angespannte Auftragslage: Claude Werder, Inhaber der Samuel Werder AG.

Angespannte Auftragslage: Claude Werder, Inhaber der Samuel Werder AG.

Mario Heller

Stagnierendes BIP-Wachstum, träge Konjunktur beim Welthandel, der hartnäckig starke Franken: Die angespannte wirtschaftliche Situation macht derzeit Schweizer Unternehmen das Leben schwer. Auch in der Region Brugg, wo mehr als 3500 Unternehmen rund 27 000 Arbeitsplätze bereitstellen, klagen Geschäftsführer über die schwierigen Zeiten. Das grösste Kopfzerbrechen – da ist sich die Mehrheit der Unternehmen einig – bereitet die anhaltende Frankenstärke.

Kurzarbeit auf moderatem Niveau

Weil diese der Wirtschaft so stark zusetzt, hat Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bereits vor einem Jahr angeordnet, dass Wechselkursschwankungen zur Begründung von Kurzarbeitsentschädigungen zugelassen werden. So haben letztes Jahr auch 320 Aargauer Firmen Kurzarbeit beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit beantragt. Damit versuchen sie, während den schwierigen Geschäftsphasen, Kündigungen zu verhindern. In der Region Brugg taten dies zwölf Unternehmen.

Zwar hat sich die Anzahl Betriebe, die 2015 beim Kanton Kurzarbeit beantragt haben, seit dem Vorjahr erhöht. Thomas Buchmann, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, spricht aber von einem «aus Kurzarbeitsperspektive normalen Jahr». Dies hänge ursächlich damit zusammen, dass 2015 nicht die Nachfrage weggebrochen ist, sondern die Profitabilität. Und dafür sei die Beantragung von Kurzarbeit kein geeignetes Mittel.

Wirtschaftlich bewegtes Jahr

«Es ist schwieriger geworden, genügend Aufträge an Land zu ziehen, um eine gute Auslastung zu gewährleisten», erklärt Claude Werder, Inhaber der Samuel Werder AG. «Der schwache Euro lässt grüssen.» So sei denn auch der letztjährige Umsatz um rund zehn Prozent eingebrochen. Damit würde die Investition in neue Technologien stark erschwert, so Werder. Das Veltheimer Unternehmen ist in der Feinwerktechnik aktiv und gewann 2015 den Aargauer Unternehmenspreis in der Kategorie Industrie- und Produktionsunternehmen bis 250 Mitarbeiter.

Auch die Antalis AG blickt auf ein wirtschaftlich bewegtes Jahr zurück. Mit mehr als 300 Mitarbeitern ist das Unternehmen im Bereich Papier, Verpackungsmaterialien, Produkte für die visuelle Kommunikation und Logistikdienstleistungen eines der bedeutendsten der Region. Auch Janine Hurschler, die Marketing-Leiterin der Lupfiger Grosshandelsfirma, führt die Aufhebung des Euro-Mindestkurs als grösste Herausforderung an: «Wir sind derzeit stärker konfrontiert mit Themen wie sinkender Papiernachfrage, Abwanderung von Aufträgen ins Ausland, Preiszerfall und Margenminderung.» Damit habe sich auch der Kostendruck erhöht, sowohl für die Firma als auch für die Kunden. «Trotz des Frankenschocks», so Hurschler weiter, «ist es uns 2015 aber gelungen, ein gutes Geschäftsresultat zu erzielen.»