Windisch/Villnachern
König gibt das Kommando des Rekrutierungszentrums in Windisch ab

Gut 25 Jahre war Roland König als Berufsoffizier in der Schweizer Armee tätig, nun geht diese Ära am 28. Mai zu Ende: König geht in den Vorruhestand.

Carolin Frei
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Gut sieben Jahre war Oberst Roland König Kommandant des Rekrutierungszentrums Windisch. Das Foto zeigt ihn zusammen mit dem Gebirgsyeti, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Carolin Frei

Gut sieben Jahre war Oberst Roland König Kommandant des Rekrutierungszentrums Windisch. Das Foto zeigt ihn zusammen mit dem Gebirgsyeti, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Carolin Frei

Erinnerungen hat er zuhauf, die er gerne mitnimmt. «Als junger Mann hätte ich mir nicht vorstellen können, Berufssoldat zu werden», erinnert sich der gebürtige Fricktaler. So hat er denn erst eine Lehre in der Maschinenindustrie absolviert und später während 12 Jahren in der Chemie gearbeitet. «Ich war der erste Schweizer, der zum diplomierten Kraftwerksmeister in Deutschland ausgebildet wurde», sagt er.

In dieser Funktion hatte er sich immer wieder technischen Herausforderungen zu stellen und zugleich durfte er sich um die Personalführung kümmern. Zwei Bereiche, die ihm grosse Freude bereiten. Warum also ein Wechsel zum Berufsmilitär? «Beim Abverdienen zum Hauptmann habe ich mich für diesen neuen Karriereschritt entschieden und bis heute nicht bereut.» Auslöser war mitunter, dass er dank verschiedenen militärischen Hochgebirgsausbildungen viel Zeit in der Natur verbringen konnte. Ein weiterer Punkt, der ihm nebst Technik und Personalführung, sehr wichtig ist.

Als junger Mann arbeitete er in der Wintersaison als Skilehrer und er nahm sogar für die Nationalmannschaft an Rennen teil. Im Grasskifahren wurde er gar Vizeschweizermeister. Sport ist denn auch heute noch ein grosses Thema für ihn. Ski fahren, Skitouren, Bergtouren, Joggen, Velo fahren und Biken gehören als Ausgleich für ihn dazu. Genauso wie das Musikmachen. Bei verschiedenen militärischen Anlässen kam es schon mal vor, dass Roland König das Akkordeon hervorholte, und zwei, drei Stücke zum Besten gab. «Ich mache gerne Musik, habe früher sogar an Hochzeiten Tanzmusik gespielt.» Privatstunden hat er als Jugendlicher bei einer französischen Akkordeonlehrerin genommen. Sie sei sehr streng gewesen, aber er habe viel gelernt, vor allem Disziplin. So erstaunt denn nicht, dass ihm das Dranbleiben an einer Sache, Organisieren und Führen gut liegen.

Er mag kritische Hinterfrager

Welche Erinnerungen nimmt er mit? «Ich habe in meiner Dienstzeit wohl an die 60 000 junge Menschen kennen lernen dürfen», sagt er. Mit all diesen unterschiedlichen Charakteren ein gemeinsames Ziel zu erreichen, das sei etwas vom Schönsten. Nicht immer seien die jungen Männer und Frauen von Beginn an vom Militärdienst begeistert. Er möge jedoch Menschen, die kritisch hinterfragen. Für ihn ist in solchen Situationen wichtig, dass man im Gespräch die Fronten zu lösen versucht. Und das sei ihm gut gelungen. Man höre immer nur von den wenigen, die negativ auffallen. Die anderen würden jedoch über 90 Prozent ausmachen. Zudem schätzt er am Militär die Kameradschaft, die untereinander wächst. «Ich erinnere mich an eine Übung, bei der wir eine Transportseilbahn über einen Gletscher bauen mussten.» In der Nacht habe dann eine Lawine alle nicht verlegten Kabel verschüttet.

21 Tage waren er und seine Truppe ohne Unterbruch im Einsatz. «Alle haben alles gegeben. Es war unglaublich, was Menschen in Extremsituationen zu leisten vermögen.» Eine ganz andere Erinnerung war das Unglück beim Wassern einer Schwimmbrücke. Ein Ponton samt Tieflader verschwand im Fluss – und mit ihm alle Soldaten. Zum Glück sei dann einer um den anderen wieder aufgetaucht und konnten gerettet werden, allesamt unverletzt. «Unfälle kann man nie gänzlich ausschliessen, aller Vorsichtsmassnahmen zum Trotz.» Nun hofft er, dass auch bis zu seinem letzten Arbeitstag nichts Gröberes mehr passiert.

Am 28. Mai wird Roland König offiziell verabschiedet. Dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt für ihn und seine Frau Rosmarie. Eingeläutet wird er mit einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking. Künftig wird der 58-Jährige mehr Zeit für seine Familie, zu der zwei erwachsene Söhne gehören, sein Enkelkind und seine Hobbys haben. «Meine Zeit nicht mehr fremdbestimmt nutzen zu können, darauf freue ich mich extrem.»

Dazu gehöre auch, mit seinem Oldtimer-Döschwo eine «Stress-Entschleunigungsfahrt» zu machen. Er wird zudem weiterhin als Gemeinderat an seinem Wohnort Villnachern tätig sein. «Einfach so lange, wie es mir Spass macht.»