Fricktal
Kommt das Fricktal bald unter die Güterzugräder?

Mit zunehmendem Gütertransport steigt der Druck auf die Bözbergbahn. Grossrat Roland Agustoni wollte in einer Interappellation mögliche Auswirkungen auf die Strecke Basel-Zürich wissen.

Walter Christen
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Ein Container-Güterzug auf der Eisenbahnstrecke Basel–Zürich bei Frick, unterwegs in Richtung Bözberg. chr

Ein Container-Güterzug auf der Eisenbahnstrecke Basel–Zürich bei Frick, unterwegs in Richtung Bözberg. chr

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In seiner Interpellation vom 4. Juni wollte Grossrat Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) wissen, welche Auswirkungen vom geplanten Gateway Limmattal auf die Bahnstrecke Basel–Zürich (Bözberg), insbesondere auf das Fricktal, zu erwarten sind.

Wachsende Containermengen

Grossrat Agustoni begründete seine Fragen an den Regierungsrat wie folgt: «Um die wachsenden Containermengen im Im- und Exportverkehr bewältigen zu können, plant SBB Cargo einen Gateway im Limmattal.

Interpellant: «Ich bin nicht zufrieden»

Der Rheinfelder Grossrat Roland Agustoni von der GLP-Fraktion hat die Interpellation zum Bahnverkehr auf der Bözbergstrecke eingereicht und von der Antwort des Regierungsrates Kenntnis genommen. Er hielt gegenüber der Aargauer Zeitung auf Anfrage fest: «Solange der Regierungsrat sagt, es seien Probleme da und man ihn nicht poltern hört, kann ich nicht zufrieden sein. Ob ich nun einen weiteren Vorstoss lanciere, kann ich im Moment noch nicht sagen. Aber es ist so, es stehen jetzt mehr Fragen im Raum als vorher.» Wie der Rheinfelder GLP-Grossrat weiter ausführte, nehme die ganze Problematik auf der Bözberg-Bahnlinie fast halbjährlich zu. Ferner seien die S-Bahn-Erweiterungen im Gespräch, «aber das Fricktal wird wieder einmal mehr nicht berücksichtigt». Weiter: «Gerade bei uns, wo man wirklich an Grenzen stösst, passiert einfach nichts. Ich bin wütend, es muss etwas geschehen. Der Ball liegt ganz eindeutig bei der Regierung, die in der Pflicht steht für die Bahnprojekte im ganzen Kanton, auch im Fricktal. Wenn man immer nur Krücken unterstellt, läuft der Patient nie.» (chr)

Der weltweite Trend zum Transport von Gütern in Containern wird weiterhin ein starkes Wachstum (jährlich bis fast 10 Prozent) im kombinierten Verkehr auf Strasse, Bahn und Schiff hervorrufen.

Der Gateway soll ab Ende 2018 die Verteilung der Container, die von den Nordseehäfen per Bahn ins Limmattal gelangen, übernehmen. Von dort aus werden die Container über den angrenzenden Rangierbahnhof in das Netz des Wagenladungsverkehrs geschleust und in der Schweiz fein verteilt.

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) rechnen künftig mit 1200 Containern pro Tag im Import und Export. Welche konkreten Auswirkungen haben diese auf die Bözberglinie und das Fricktal, mit welchen Mehrbelastungen ist dadurch zu rechnen?»

Dazu die Antwort der Regierung: «Im Bericht zur Totalrevision des Gütertransportgesetzes geht der Bund beim Binnen- sowie Import- und Exportgüterverkehr von einer Zunahme bis 2030 zwischen 20 und 40 Prozent aus, im Vergleich zu heute. Parallel dazu wird auch der alpenquerende Transitgüterverkehr mit der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) deutlich zunehmen.»

Und weiter «Festzuhalten ist, dass die Züge für die erwähnten 1200 Container im Import und Export in den bisher geplanten Güterverkehrstrassen enthalten sind. Auch der für die Lärmsanierung relevante Emissionsplan 2015 berücksichtigt diesen Verkehr. Aufgrund der konjunkturell bedingten Nachfrageschwankungen kann vom Regierungsrat heute nicht beurteilt werden, zu welchem Zeitpunkt tatsächlich alle reservierten Gütertrassen genutzt sein werden.»

Es gibt zusätzlichen Lärm

Weiter warf Roland Agustoni die Frage auf, ob zusätzliche Lärmimmissionen zu erwarten seien und wie die Regierung darauf zu reagieren gedenke.

Die Antwort: «Ja. Grundsätzlich gibt es eine wachsende Nachfrage im Schienengüterverkehr und zur Begrenzung der negativen Auswirkungen ist die Lärmsanierung ein Thema. Die Bözbergachse ist inzwischen lärmsaniert. Ab 2020 sollen in der Schweiz Emissionsgrenzwerte für Güterwagen eingeführt werden.»

«Wie garantiert der Regierungsrat, dass vorab die S-Bahn im Fricktal nicht unter die ‹Güterzugsräder› kommt, und wie sieht die künftige Weiterentwicklung betreffend Angebot und Sitzplatzzahlenerweiterung im Personenverkehr aus?»

Die Antwort auf diese Frage: «In der Angebotsplanung Nordwestschweiz bearbeiten die SBB gemeinsam mit den Kantonen die langfristige Angebotsplanung und die dafür benötigten Infrastrukturelemente. Die Vorstellungen des Kantons zur mittel- und langfristigen Angebotsentwicklung sind im Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr 2013 aufgezeigt.»

Und weiter: «Bei der Infrastruktur haben die SBB gemeinsam mit den Nordwestschweizer Kantonen Studien für die Entflechtungsbauwerke in Pratteln und Muttenz sowie den Ausbau des Ostkopfs Bahnhof Basel erarbeitet. Diese sind bereits teilweise in das strategische Entwicklungsprogramm der SBB eingeflossen. Da mittelfristig ein durchgehender 15-Minuten-Takt der Regio-S-Bahn im Fricktal nicht möglich ist, setzt sich der Regierungsrat bei den Interregiozügen für attraktiveres Rollmaterial und zur Verbesserung der Sitzplatzkapazität für zusätzliche Halte in Stein-Säckingen und Möhlin ein.»

Kommentar

Nicht nur für Güter die Bahn

n Für manche ausländische Bahnexperten und Güterbahnchefs ist die Schweiz als Eisenbahnland ein Vorbild. Einigkeit herrscht, dass für Güter die Bahn gegenüber dem Strassenverkehr das umweltfreundlichere Transportmittel ist.

So weit, so gut. Aber Strukturen müssen angepasst, Kosten gesenkt und die Orientierung an den Kunden erhöht werden, damit das Cargo-Geschäft wettbewerbsfähig bleibt. Und genau hier sitzt der Haken. Weil hierzulande dem Schienengüterverkehr ein hoher Stellenwert eingeräumt wird, droht der Personenverkehr auf gewissen Strecken von den Güterzügen überrollt zu werden. Etwa auf der Bözberglinie, die durch das Fricktal führt.

Angesichts der in zunehmendem Masse überlasteten Strassen gewinnt in Zukunft der Transport auf der Schiene an Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist denn auch zu vernehmen, dass die Bahn noch über Kapazitäten verfüge und der Güterverkehr zu fördern sei. Beispiele sind der Neubau des Bözbergtunnels und der geplante Gateway Limmattal.

Aber nicht nur für Güter die Bahn, muss man sagen. Die (Bahn-)Politik soll dafür sorgen, dass der Personenverkehr auch in den Randregionen seinen Stellenwert behält.