«Koi sind nicht – wie alle Leute denken – die Ferraris im Gartenteich», sagt Roger Wyss.

Er muss es wissen. Als Geschäftsführer der Koi-Breeder AG in Schinznach-Dorf kennt er die asiatischen Fische ganz genau. «Wir verkaufen Koi bereits ab 20 Franken. Die wenigsten Fische kosten mehrere tausend», betont er.

Koi-Liebhaber sind bei Koi Breeder bestens aufgehoben. Von der Beratung über den Teichbau bis zum Verkauf der Fische: Dies alles bieten die Spezialisten an – dieses Jahr schon seit zehn Jahren. Das Jubiläum feiern die Koi-Experten mit ihren Kunden.

Wenn es um die schönen Karpfen geht, ist ein kleines, aber bedeutendes Detail wichtig: Der Plural der besonderen Fische bleibe der gleiche wie im Singular, bemerkt der Geschäftsführer. Er schlage sich jeweils die Hände über dem Kopf zusammen, wenn irgendwo von «Kois» die Rede sei. Zurück zu den schillernden Ziehfischen:

Wie sie genau nach Europa kamen, ist umstritten. Roger Wyss meint sich zu erinnern, dass es chinesische Mönche waren, die gewisse Karpfen wegen ihrer Pigmentfehler aussortierten und diese miteinander kreuzten. So entwickelten sich mit der Zeit die für Koi so typischen schillernden Farben.

Früher züchteten Wyss und seine Mitarbeiter noch selber Fische. Heute sei die Nachfrage zu gross. Immerhin sei das nächstgelegene Koi-Fachgeschäft erst in Langenthal, sagt der Händler.

Der Koi kennt keine Flugangst

Der Schinznacher Koihändler bezieht alle seine Tiere von demselben Züchter in Japan. «In der Koi-Szene gibt es ein paar japanische Züchter, die Liebhabern ein Begriff sind», so Wyss. Die ein- bis vierjährigen Fische kommen per Flugzeug in die Schweiz. Eingepackt in einen Plastiksack mit genügend Sauerstoff ist die Reise normalerweise kein Problem.

Ganz selten sei es schon vorgekommen, dass ein Plastiksack einriss und der Fisch verendete. Die Frage nach den häufig sehr hohen Preisen kommt immer. So auch jetzt: Weshalb sind gewisse der schönen Fische so teuer? Wyss erklärt, worauf es ankommt: «Der Preis errechnet sich aus der Qualität. Dazu zählt Körperform, Hautqualität, Farbintensität und Zeichnung.»

Nicht wie bei Kleidermarken, bei denen die Marke zählt, spielt es bei Koi keine Rolle, wer den Fisch gezüchtet hat. Ein weiterer Faktor, der den Preis gewisser Fische so in die Höhe treiben lässt, ist die Selektion. «Auf einen Fisch, den man verkaufen kann, kommen 100 000 Koi, die ausscheiden», sagt der Geschäftsleiter. Er unterstreicht aber, dass sein Geschäft am meisten Tiere in der eher niedrigen Preisklasse verkaufe, das heisst zwischen 50 und 200 Franken.

Kunden seien «Kraut und Rüben durcheinander»

Das Klischee, dass Koi-Haltung nur etwas für Reiche wäre, entkräftet Wyss: «Wir haben Koi für jedes Portemonnaie.» Ganz günstig ist das Hobby jedoch trotzdem nicht: Etwa 5 000 Franken müsse man für den Koi-Teich in die Hände nehmen. Dazu kämen dann noch die Fische, sagt der Fachmann.

Es sei kein bestimmter Typ Mensch, der durchschnittliche Koi-Halter. «Kraut und Rüben durcheinander», sagt der Zierfischexperte lachend. Zu Zeiten nerve er sich über die klischeebehaftete Darstellung des Hobbies in der Öffentlichkeit.

Kein Hobby für Unüberlegte

Koihaltung ist keine Freizeitbeschäftigung, die man aus einer Laune heraus beginnen sollte. «Viele Leute informieren sich im Vorfeld gar nicht recht, was dieses Hobby für einen Aufwand bedeutet», sagt er.

Die handzahmen Koi würden einem «wie jedes Haustier richtig ans Herz wachsen». Dass dies bei Koi-Breeder schon längst der Fall ist, glaubt die Besucherin spätestens dann, als der Ziehfischexperte schmunzelnd zugibt, dass er sich im Sommer jeweils für ein paar Schwimmzüge zu seinen geliebten Fischen gesellt.