Die beiden Kakerlaken Jim und Bud haben nur ein Ziel: Aus dem unterirdischen Labyrinth, in dem sie sich nach einer Nuklearkatastrophe befinden, an die Erdoberfläche zu gelangen. Auf dieser Reise hat der Spieler – der in die Person der Kakerlake Jim schlüpft – verschiedenste Aufgaben zu lösen.

Entwickelt worden ist das Endzeit-Computergame «Journey of a Roach» – das bis jetzt weltweit mehr als 100 000-mal verkauft worden ist – durch ein Team von Gamedesignern, die unter der Firma Koboldgames GmbH heute im Technopark in Brugg arbeiten.

Alternative war eine eigene Firma

«Wir haben uns während unseres Studiums an der Kunsthochschule Zürich kennen gelernt, wo wir alle den Studiengang Gamedesign besucht haben», sagt Ralf Mauerhofer, der zusammen mit Yasemin Günay, Jasmin Widmer, Binan Woll und Mischa Geiser das Kernteam von Koboldgames bildet. «Nach der Ausbildung stellte sich uns die Frage: Was jetzt? Es gibt ja nicht viele Stellen im Bereich dieses neuen Mediums. Wir haben uns dann gesagt: Warum gründen wir nicht eine eigene Firma? Begonnen haben wir in Olten, auf der finanziellen Basis von Quersubventionierungen und Erspartem.»

Seit einiger Zeit hat die Koboldgames GmbH ihren Sitz im Technopark in Brugg. «Das tolle Angebot des Technoparks hat uns auf Anhieb gefallen», so Ralf Mauerhofer.

Das war das Sprungbrett

Mit «Journey of a Roach» gelang den Jung-Unternehmerinnen und -unternehmern der Durchbruch. Zum einen wurde das Spiel beim «Call for Projects: Swiss Games 2012/13» ausgezeichnet. Zum andern gelang es, einen Fachverlag für die Vermarktung zu finden. «Das war das Sprungbrett für unser Unternehmen», stellt Ralf Mauerhofer fest.

Nach diesem Anfangserfolg hat sich das Koboldgames-Team Auftragsarbeiten zugewendet. Nicht zuletzt deshalb, weil der sogenannte Independent-Markt – das heisst die Entwicklung von Spielen, für die dann ein Vermarkter gesucht werden muss – grosse Vorinvestitionen in zeitlicher und damit auch finanzieller Form erfordert. «Wir haben uns daher entschlossen, einen anderen Weg einzuschlagen und in Richtung Serious Games zu gehen», erklärt Ralf Mauerhofer. «Bei diesen Spielen, die etwas mehr als nur Unterhaltung bieten, geht es darum, Informationen zu transferieren. Die Spiele sollen ergänzend zu andern Medien wirken und andere Zugänge zu einem Thema ermöglichen.»

So haben die Gamedesignerinnen und -designer von Koboldgames – um nur zwei Beispiele zu nennen – für einen grossen Versicherer ein Strategiespiel entwickelt, und für die Wasserversorgung der Stadt Zürich unter dem Namen «A Tale of Wells» ein Spiel, das aufs Handy geladen werden kann und Besucherinnen und Besuchern der Stadt Wissenswertes über Zürichs Brunnen vermittelt.

Zusammen mit dem Zentrum für Ethik und dem Institut für Finance and Banking der Universität Zürich sowie dem Zeppelin-Institut (Friedrichshafen) ist «uFin», ein Trainingsspiel für Studierende und Beschäftigte im Finanz-Sektor, entwickelt worden. In diesem Spiel, in dem der Spieler als Ermittler agiert und Feedbacks auf seine Entscheide erhält, wird der Lerneffekt vertieft. Aus dem Verhalten der Spieler lassen sich zudem für die Forschung wichtige Erkenntnisse ableiten. Zudem lässt sich das Umfeld, in dem die Spieler agieren, verändern.

Auf Programmierseite aufgestockt

«Wir sind gut unterwegs», stellt Ralf Mauerhofer fest. «Wir haben auf der Programmierseite aufgestockt. Jetzt besteht das Team aus sieben Leuten. Es ist für uns sehr spannend, mit stets anderen Themen konfrontiert zu werden.»

Gleich bleibt laut Ralf Mauerhofer stets die Motivation, einen ernsthaften Inhalt auf eine zugängliche Art zu vermitteln. «Solange wir als Team diese Motivation haben, sehe ich grosse Potenziale. Es macht Spass, jeden Morgen nach Brugg zu kommen und sich den Herausforderungen zu stellen.»