Unerwartete Neuigkeiten aus Mülligen: Der Kiesabbau im Gebiet «Lindenacher Ost», respektive die dafür notwendige Teiländerung der Nutzungsplanung, ist doch kein Thema an der Gemeindeversammlung übermorgen Freitag. Denn noch laufen die Verhandlungen zwischen der Gemeinde sowie der Holcim Kies und Beton AG über die Inkonvenienzvereinbarung.

Diese regelt, wie die Gemeinde entschädigt wird für die durch den Kiesabbau entstehenden Unannehmlichkeiten wie Staub, Lärm und Verkehr oder Beeinträchtigungen der Landschaft. «Leider konnten sich der Gemeinderat und die Holcim Kies und Beton AG bisher nicht über die Höhe einer angemessenen Entschädigung einigen», heisst es im aktuellen «Mülliger Blatt».

An seiner Sitzung diese Woche hat der Gemeinderat deshalb beschlossen, das Geschäft rund um die Erweiterung des Kiesabbaus im Gebiet «Lindenacher Ost» von der Traktandenliste der Gemeindeversammlung zu streichen. Die Behörde ist der Ansicht, dass die Frage der Inkonvenienz ein Bestandteil der Entscheidungsgrundlagen darstellt – also vorliegen muss, bevor die Stimmberechtigten entscheiden. Das Geschäft wird der Gemeindeversammlung unterbreitet, sobald eine Einigung betreffend Frage der Inkonvenienz erzielt werden kann, hält der Gemeinderat fest.

IG begrüsst den Entscheid

Kritisch auseinandergesetzt mit den Plänen der Holcim hat sich eine Gruppierung mit dem Namen IG Mülligen-Birrfeld. Sie hat eine Kampagne lanciert mit dem digitalen Informationsschreiben «Blickpunkt», spricht von einem Projekt mit vielen Unbekannten und Risiken, befürchtet grosse Nachteile für das Grundwasser, die Landwirtschaft, die Landschaft sowie die Bevölkerung, kurz: für die Lebens- und Wohnqualität. Ebenfalls äussert sich die Gruppierung überzeugt, dass die Gemeinde zu wenig profitiert von der rentablen Kiesgewinnung sowie der Wiederauffüllung.

Bruno Baumann von der IG Mülligen-Birrfeld begrüsst den Entscheid des Gemeinderats, das Traktandum noch nicht behandeln zu lassen an der Gemeindeversammlung. Er erachtet das Vorgehen als richtig und ist sich sicher, dass dieses Geschäft abgelehnt, respektive zurückgewiesen wird, solange nicht Klarheit herrscht, denn: «Die Mülliger wollen von Holcim eine spürbare und anständige Entschädigung.»

Holcim steht hinter dem Projekt

Holcim dagegen betont, dass unter Miteinbezug aller Beteiligten ein solides Projekt erarbeitet wurde, das sämtliche Auflagen erfüllt, auch in den Bereichen Umwelt, Grundwasser und Verkehr. So sei etwa mit dem Gemeinderat und der Verkehrskommission eine optimale Verkehrsführung konzipiert und ein entsprechendes Baugesuch eingereicht worden.

«Vor diesem Hintergrund sind wir nach wie vor überzeugt, dass wir mit Mülligen und Lupfig eine gute Übereinkunft für den künftigen Kiesabbau treffen werden», sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Der Entscheid des Gemeinderats Mülligen werde zur Kenntnis genommen. «Wir prüfen die weiteren Schritte und informieren alle Beteiligten zu gegebener Zeit», wird zum weiteren Vorgehen ausgeführt. Näher kommentieren will Holcim die laufenden Verhandlungen nicht.