Brugg

Knapp acht Jahre nach der grossen Krise: Die Neujahrsblätter lösen sich aus dem alten Raster

Die Brugger Neujahrsblätter haben sich in 130 Jahren nicht nur inhaltlich, sondern auch äusserlich verändert.

Die Brugger Neujahrsblätter haben sich in 130 Jahren nicht nur inhaltlich, sondern auch äusserlich verändert.

Die Vernissage der traditionellen Brugger Publikation steht am 1. Dezember neu allen Interessierten offen.

Im März 2012 drohte einer 122-jährigen Tradition das Aus: Denn die Redaktion der «Brugger Neujahrsblätter» teilte unmissverständlich mit, dass die Produktion der «Neujahrsblätter» noch im gleichen Jahr eingestellt werde. In erster Linie mangelte es an interessierten Lesern. Verkauft wurden nur noch 300 Exemplare.

«Wir suchen nach Autoren, betteln um das nötige Geld und am Ende müssen wir gar noch um die Käufer buhlen», sagte Beat Kaufmann, damals Vorsitzender des Redaktionsteams. Die Kosten für die Produktion mit einer Auflage von 1100 Exemplaren beliefen sich damals auf rund 28000 Franken. Ein finanzielles Risiko, das der fünfköpfigen Redaktion als zu hoch erschien. Ohne neue Trägerschaft könne die Publikation für die Region Brugg nicht mehr erscheinen.

Neun Monate später wurde anlässlich der Vernissage des 123. Jahrgangs die Wiedergeburt der «Brugger Neujahrsblätter» – mit neuem Konzept, breiterer Themenvielfalt und frischem Layout – im Salzhaus gefeiert. Der damalige CEO der Effingerhof AG blickte optimistisch in die Zukunft, denn das Potenzial sei noch längst nicht ausgeschöpft. Und wie sieht das heute aus?

Gefragt ist ein umfassender Blick auf die Region Brugg

Die Auflage der «Brugger Neujahrsblätter» betrug bis 2015 jeweils 1100 Exemplare. Im Jahr 2016 erfolgte eine Reduktion auf 800 Exemplare. Diese Stückzahl gilt auch für den 130. Jahrgang, der am kommenden Sonntag um 17 Uhr im Salzhaus vorgestellt wird.

Neu braucht es für die Teilnahme an der Vernissage keine Einladung mehr, sondern es sind alle Interessierten – auch spontane Besucher – willkommen. Literaturwissenschafter und Autor Thomas Strässle wird von seinen literarischen Erinnerungen an Brugg erzählen und die «Chommerbuebe», bestehend aus den Aarauer Musikern Stephan Hunziker und Benno Ernst, werden den Anlass mit vertonten Gedichten von Paul Haller begleiten.

Nach der Vorstellung der «Neujahrsblätter 2020» wird Stefan Höchli aus der vierköpfigen Redaktion verabschiedet. Verkauft wird die Dokumentensammlung mit der Chronik wie bisher während des Apéro zum Preis von 25 Franken.

Die Organisation der» Brugger Neujahrsblätter» (BNJB) brauche klare und verlässliche Strukturen, hält Redaktionsleiterin Annegret Ruoff von der Effingermedien AG auf die Frage nach den grössten Herausforderungen im Zusammenhang mit den BNJB fest.

«Diese haben wir nun errichtet», sagt sie. Die Sicherstellung der Produktion durch die Effingermedien im Hinblick auf die Zukunft bilde dabei die Basis für die kreative Arbeit der Redaktion.

Es sei wichtig, die BNJB noch stärker aus einem traditionellen und zuweilen festgefahrenen Raster zu lösen und sie auf kreative Weise zu öffnen – sowohl bezüglich Thematik als auch bezüglich Redaktion, Layout und Autorenschaft.

Erstmals wurden die neuen BNJB von der visuellen Gestalterin Claudia Filipek produziert. Auch die Zielgruppe soll erweitert werden. Dabei ist der Effingermedien AG wichtig, zunehmend auch ein jüngeres Publikum mit entsprechenden Themen anzusprechen.

Ein wertvolles Zeitzeugnis für zukünftige Generationen

Die Produktion der BNJB sei aufwendig, da sie in gebundener Form erscheine. «Rechnet man den personellen Aufwand innerhalb der Effingermedien nicht mit ein, halten sich Ausgaben und Einnahmen über Verkauf und Sponsoring im Moment in etwa die Waage», hält Ruoff fest.

Das Redaktionsteam, bestehend aus Stefan Höchli, Annegret Ruoff, Barbara Stüssi-Lauterburg und Brigitte Süess, engagiert sich freiwillig für die BNJB. Die Autorinnen und Autoren leisten im Rahmen eines bescheidenen Honorars einen grossen Einsatz. Die Digitalisierung der Ausgaben ist bereits in die Wege geleitet worden.

Die BNJB sind laut der Effingermedien AG «ein sehr wertvolles und zukunftsträchtiges Produkt für Brugg und die Region, das es zu bewahren gilt». Als Zeitzeugnis seien sie von unschätzbarem Wert, nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für zukünftige Generationen.

Unabdingbar scheint den Verantwortlichen eine intensivere Zusammenarbeit mit den Gemeinden der Region. Die Errichtung einer neuen Trägerschaft, beispielsweise im Rahmen eines Vereins, ist für die Effingermedien AG derzeit kein Thema.

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