Man liebt ihn oder man hasst ihn. Kaum ein anderer Schweizer Sänger polarisiert so stark wie Michael von der Heide. Das Publikum in zwei Lager zu teilen, macht dem androgynen Künstler heute Spass.

Schliesslich zeitigt er seit 20 Jahren Erfolge im Musikbusiness und weiss, was er kann. Der Hang zum Narzissmus paart sich bei ihm mit Charme und ungeheurem Witz. Selbst Flops wie die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2010 mit «Il pleut de l’or» verpackt er in seinen Kommentaren zwischen den Liedern mit so viel Selbstironie, dass sich alle kugeln vor Lachen.

Im Eventlokal Cubus gibt von der Heide alles. Er schält sich lasziv aus seinen Jackets, tänzelt herum, erzählt witzige Anekdoten und flirtet mit dem Publikum. «Ein bisschen gefallsüchtig bin ich schon», verrät der Barde vor dem Konzert in den Räumen des Weinkellers Riegger.

Gegen das Lampenfieber, das er immer noch hat, macht er Yoga-Übungen. Und die scheinen zu nützen. Nach den ersten Akkorden von Gitarrist Martin Buess nimmt er die Bühne in Besitz und geniesst ganz offensichtlich jede Sekunde im Rampenlicht. Mit «J’ai perdu ma jeunesse» aus seinem Album Lido kokettiert der jugendliche 41-Jährige zu Beginn seiner Show.

Der verstorbenen Kabarettistin Margrit Rainer zollt er Tribut mit «Helvetia im Himmel» und «Eusereine chönnt das au». Auch «Tapetenwechsel» von der einstigen Chansonnière Hildegard Knef erfährt durch ihn eine Neuauflage, die ihr alle Ehre macht. Von den Eigenkompositionen ist «Jeudi Amour» – seine erste Hitsingle – immer noch eine der schönsten und sorgt in Birrhard für Gänsehautmomente.

Und selbst wenn der Entertainer das Popliedchen «Ouragan» von Prinzessin Stephanie de Monaco aus der Mottenkiste ausgräbt, wird es nicht peinlich, sondern sehr amüsant.

Haarscharf am Kitsch vorbei

Episoden von seiner Kindheit in Amden kommen zu Gehör. Damit verbunden, wie ihm das «Gotti» seine erste LP von Paola postete, für die er schwärmte. Ihre Schlager trällerte er als Bub zu Hause mit Mamas Haarbürste als Mikrofon und träumte schon damals von der Bühne. Die Schnulze «Blue Bayou» darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht fehlen. Dabei schrammt er haarscharf am Kitsch vorbei – aber auch das gehört zum Gesamtpaket des Michael von der Heide.

Die zweite Folge von Cubus Live in den Räumen der Riegger AG, Langgass, in Birrhard wird am 19. März fortgesetzt mit einem Auftritt von Sina.