Thalheim
Kirchgemeinde hält an Residenzpflicht für Pfarrer Stefan Huber fest

Im Thalner Pfarrhaus soll auch in Zukunft der Pfarrer wohnen. Das ist der Entscheid der Reformierten Kirchgemeinde. Der Pfarrer wird sich nun beruflich neu orientiern. Denn: Die Pfarrfamilie hat in Schönenwerd ein Haus gekauft und zügelt im Sommer.

Claudia Meier
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Thalheim will künftig keine Ersatzabgabe an den Kanton mehr leisten.

Thalheim will künftig keine Ersatzabgabe an den Kanton mehr leisten.

Claudia Meier

«Jetzt geht der Pfarrer.» So lautete die erste Reaktion in der Turnhalle, als Kirchenpflegepräsidentin Silvia Schneider-Roth am Freitagabend das Resultat der geheimen Abstimmung bekannt gab. Mit 42 Nein- zu 35 Ja-Stimmen hatten sich die Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Thalheim gegen die Entbindung von der Residenzpflicht für Pfarrer Stefan Huber ausgesprochen.

Es ist noch nicht oft vorgekommen, dass im Kanton Aargau über dieses Thema abgestimmt wurde. Kirchenpflegemitglied Thomas Wernli betonte, als er das Traktandum erläuterte: «Wir sind mit der Arbeit des Pfarrers sehr zufrieden. Doch das Privatleben ist Stefan Huber offenbar sehr wichtig. Deshalb möchte er von der Residenzpflicht im Pfarrhaus entbunden werden.» Es stelle sich schon auch grundsätzlich die Frage, wie lange die Kirchgemeinde Thalheim noch in dieser Form mit einem 80-Prozent-Pensum für den Pfarrer bestehen bleiben werde.

9000 Franken weniger Lohn

Rückblick: Die vierköpfige Pfarrfamilie Huber hat vor kurzem in Schönenwerd ein Haus gekauft, weil sie den Kindern – 4 und 6 Jahre alt – ermöglichen möchte, die gesamte Schulzeit an einem Ort zu absolvierenFa. Gezügelt wird während den Sommerferien.

Die Entbindung von der Residenzpflicht wäre nur für den aktuellen Pfarrer für den Rest der Amtsperiode bis 2018 gültig gewesen. Der Pfarrer hätte im Gegenzug garantiert, seine Arbeit in der gewohnten Art und Weise bis zum Ablauf der Amtsperiode auszuführen. Sein Jahreslohn hätte sich durch den Wegzug aus dem Pfarrhaus um 9000 Franken reduziert und die Kirchenpflege hätte alles darangesetzt, das Pfarrhaus mit seinen 10 Zimmern zu vermieten. Das Archiv im Eingangsbereich wäre räumlich abgetrennt und das Büro des Pfarrers in den Pfarrhausschopf verschoben worden.

Berufliche Neuorientierung

In der Diskussion war von einer Weichenstellung für die Zukunft die Rede, immer mehr Pfarrer seien geschieden und nicht an einem grossen Haus interessiert. Es wurden Ängste geäussert, dass man in einem leerstehenden Pfarrhaus locker 25 Asylsuchende einquartieren könnte. Einige vermuteten dahinter auch ein gutes Geschäft für die Kirchengemeinde, die finanziell schlecht dasteht.

Konsternation machte sich zum Versammlungsschluss unter den 78 Kirchgemeindemitgliedern breit. Pfarrer Stefan Huber sagte: «Ich weiss nicht, ob dieser Entscheid der beste für die Gemeinde ist.» An seiner Amtsführung werde sich vorerst nichts ändern, aber eine berufliche Neuorientierung werde nun dringender, räumte er am Rande der Versammlung enttäuscht ein.