Mut und Entschlossenheit, Herzblut und Flexibilität, Pioniergeist und Weitsicht: Diese Worte sind immer wieder gefallen am Donnerstagabend.

Im Beisein von mehren hundert Gästen ist im Campussaal das 150-Jahr-Jubiläum des Kinderheims Brugg gefeiert worden.

Während gut zweier Stunden gaben sich die Redner die Klinke in die Hand, clowneske Einlagen und Musik sowie ein Auftritt von Sprachkünstler Simon Libsig sorgten für Kurzweil und gute Laune.

Regierungsrat Alex Hürzeler sprach in seiner Grussbotschaft von einem wunderbaren, ausserordentlichen und beachtlichen Geburtstag.

Grussbotschaft von Daniel Moser, Stadtammann Brugg. Er übergibt dem Kinderheim Brugg ein Bild.

Grussbotschaft von Daniel Moser, Stadtammann Brugg. Er übergibt dem Kinderheim Brugg ein Bild.

Das Kinderheim Brugg wird 150 Jahre alt und feiert den Geburtstag mit einer öffentlichen Feier im Campussaal.

Das Kinderheim Brugg sei stets gewachsen und habe sich zu einem wichtigen Partner entwickelt.

Nicht verändert habe sich in den 150 Jahren die grosse Hingabe, mit denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Kinder und Jugendlichen kümmern. Ihr Wohl stehe immer im Zentrum.

Bruggs Stadtammann Daniel Moser wies darauf hin, dass die Kinder – damals wie heute – Schutz und Unterstützung benötigen. Es sei von Bedeutung, dass sie gut betreut werden und Perspektiven haben, sei es in der eigenen Familie oder in einer Institution wie dem Kinderheim Brugg.

Nicht immer ist es einfach

Dass es drunter und drüber gehen kann wie in einer Grossfamilie, schilderte die 16-jährige Kinderheim-Bewohnerin Monja, die kurz vor dem Austritt steht und im Sommer eine Lehre beginnt. Es werde wie unter Geschwistern auch einmal gestritten, aber wenn es darauf ankomme, werde zusammengehalten. Nicht immer sei es einfach, im Kinderheim zu leben. Aber: «Es ist leichter, wenn Leute da sind, die einem unter die Arme greifen.» Es werde für sie schwierig, fügte sie sichtlich bewegt an, ohne die Menschen im Kinderheim auskommen zu müssen.

Bewohnerin Monja tritt im Sommer aus dem Kinderheim aus.

Bewohnerin Monja tritt im Sommer aus dem Kinderheim aus.

Der frühere Bewohner Tiziano Colella bestätigte, dass eine Kindheit im Kinderheim nicht schlecht sein muss, sondern viel Gutes haben kann. Er sei geprägt worden, ihm sei einiges mit auf den Lebensweg gegeben worden und es seien auch tiefe Freundschaften entstanden. «Ich habe positive Erinnerungen», sagte Colella.

«Das Leben im Kinderheim hat viele gute Seiten», hielt denn auch Gesamtleiter Rolf von Moos fest. «Aber es ist keine heile Welt.» Für schwierige Situationen – vor denen die Mitarbeiter regelmässig stehen – gebe es keine einfachen Rezepte. Trotzdem: «Die Kinder haben ein Recht auf ein verlässliches Gegenüber.»

Zum Schmunzeln: Das Interview mit den Heimkindern.

Zum Schmunzeln: Das Interview mit den Heimkindern.

Zurückgeblickt wurde in den weiteren Reden auf die Geschichte und Bedeutung des Kinderheims und geboten wurde ein Einblick in den Alltag. Stiftungsrat Stephan Preisch empfahl die Lektüre der Festschrift, die zum Jubiläum erschienen ist. Aufgezeigt werden die Entstehung, das Leben und die Zukunft der Institution. Viele Gäste sicherten sich an der öffentlichen Feier mit der Buchvernissage gleich ein Exemplar.

Im Rahmen des Jubiläums stehen weitere Feierlichkeiten auf dem Programm: Am 4. Juni, 10 bis 17 Uhr, findet am Wildenrainweg 8 ein Tag der offenen Türe statt.