Villigen

Kindergarten-Pavillon oder Schulhaus Stilli: Neuer Schulraum ist dringend gesucht

Eine Option wäre es, das ehemalige Schulhaus Stilli zu reaktivieren.

Eine Option wäre es, das ehemalige Schulhaus Stilli zu reaktivieren.

Soll der heutige Kindergarten-Pavillon aufgestockt oder das alte Schulhaus Stilli reaktiviert werden? Die Meinungen gehen auseinander.

Die Schülerzahlen steigen, der Platz wird knapp, Handlungsbedarf besteht. «Es muss etwas gehen», sagte denn auch Peter Gut, Gemeinderat in Villigen. Die Entwicklung der Gemeinde, fügte er an, sei grundsätzlich eine gefreute Sache. Es sei nun der Entscheid zu fällen, wo die Kinder in Zukunft die Schule besuchen.

Eine Arbeitsgruppe wurde ins Leben gerufen, die Situation analysiert. Am Dienstagabend sind in der Trotte unter dem Titel «Orientierung Schulraumplanung 2018» die beiden Konzepte vorgestellt worden. Rund 50 Interessierte liessen sich in etwas mehr als anderthalb Stunden ins Bild setzen. Neben Gemeinderat Gut anwesend waren als Vertreter der Arbeitsgruppe: Olivier Moser, Vizeammann; Isabelle Keller, Präsidentin Schulpflege; Koni Burger, Schulleiter; André Jacquat, Architekt.

Die Aufgaben nehmen zu

Gut zeigte auf, warum das heutige Raumangebot ausgeschöpft wird. Einerseits wird die 6. Klasse seit Sommer 2014 in Villigen geführt, andererseits bringen geburtenstarke Jahrgänge neue Herausforderungen. Weiter erwähnte der Gemeinderat die rege Bautätigkeit sowie die Angebote wie Spezial- und Stützunterricht, Randstundenbetreuung, Aufgabenhilfe oder Tagesstrukturen.

Schulleiter Burger ging auf die Zahlen ein. Im Schuljahr 2017/18 besuchen voraussichtlich insgesamt 46 Mädchen und Buben die beiden Kindergarten-Abteilungen, im Schuljahr 2018/19 können es sogar 51 Kinder sein. In der Primarschule wird die Grenze von 26 Schülern pro Abteilung ebenfalls überschritten. Kurz: Es seien die Weichen zu stellen für einen optimalen Schulbetrieb, hielt Burger fest.

Folgende Varianten hat die Arbeitsgruppe geprüft: Bau von neuem Schulraum; Nutzung von vorhandenem Raum; Auslagerung von Klassen in Nachbargemeinden. Letzteres, stellte sich laut Gemeinderat Gut heraus, komme nicht infrage.

Der Bau von Schulraum ist denkbar am Standort Erbslet. Mit der Aufstockung des Kindergarten-Pavillons könnten drei neue Schulzimmer realisiert werden, führte Architekt Jacquat aus. Schon vorhanden wäre Platz im Ortsteil Stilli. Das alte Schulhaus, das seit dem Gemeindezusammenschluss 2006 anders genutzt wird, könnte reaktiviert werden und die 4. bis 6. Klasse aufnehmen. Jacquat legte dar, welche Massnahmen getroffen werden müssten. Vor allem die sanitären Anlagen sind sanierungsbedürftig.

Für einen einzigen Schulstandort Erbslet – also für die Aufstockung des Kindergarten-Pavillons – sprechen gemäss Arbeitsgruppe unter anderem die einfachere Führung, die bewährte Infrastruktur oder der gute Austausch. Als Nachteile aufgeführt werden etwa der beschränkte Raumgewinn, die zu erwartenden hohen Investitionen oder aber die Bauarbeiten während Schulbetrieb. Die Vorteile der Variante mit zwei Standorten Erbslet und Stilli sind die bereits bestehende Turnhalle und der Werkraum, die Aufwertung der Anlage und die gute Erreichbarkeit.

Allerdings steige der Betriebs- und Koordinationsaufwand, Geräte müssten teilweise doppelt beschafft werden, und bestehende Mietverhältnisse seien zu kündigen. Für die Firma Lika, die ihr Domizil im alten Schulhaus in Stilli hat, könne ein neues Mietangebot gemacht werden für das frühere Schulhaus Winkel in Villigen, sagte Gemeinderat Gut. Es seien weitreichende Überlegungen gemacht worden, fuhr er fort. «Wir haben beide Varianten neutral angeschaut.» Es gelte nun herauszufinden, welche Lösung geeignet sei.

In der angeregten Diskussion war kein eindeutiger Favorit auszumachen. Während sich die Einen mit einem zweiten Schulstandort Stilli anfreunden konnten – «hier ist alles vorhanden, der Ortsteil wird belebt» –, bezeichneten es die Anderen als schade, würde die Schule auseinandergerissen. Das Wohl der Kinder stehe im Zentrum, und auf die Bedürfnisse der Lehrerschaft sei Rücksicht zu nehmen, sagte eine Anwesende. Kritisch hinterfragt wurden die prognostizierten Schülerzahlen, die geplanten Sanierungsmassnahmen sowie die Kosten.

Stimmberechtigte entscheiden

Für die Aufstockung des Kindergartens Erbslet wird mit rund 1,16 Mio. Franken gerechnet, dazu kommt die Ausstattung der drei neuen Schulzimmer für 120 000 Franken. In Stilli könnte Schulraum für 309 000 Franken geschaffen werden, die Ausstattung käme auf voraussichtlich 190 000 Franken zu stehen. Daneben fallen Kosten an für die Sanierung von Nasszellen, Garderoben und Fassade sowie für die Erneuerung des Schulhauses Winkel und des TW-Pavillons Erbslet. Die Rede ist von insgesamt knapp 1,2 Mio. Franken. Peter Gut und André Jacquat betonten, dass der Unterhalt und der Werterhalt der bestehenden Liegenschaften – ob genutzt oder ungenutzt – so oder so sichergestellt sein müsse und da und dort sowieso Sanierungsmassnahmen anstehen.

Der Gemeinderat gehe in einem nächsten Schritt noch einmal über die Bücher, sagte Vizeammann Olivier Moser am Schluss. Ziel sei es, den Kredit der kommenden Gemeindeversammlung im Juni zu beantragen, denn: «2018 müssen wir bereit sein und eine gute Lösung haben.»

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