Brugg

Kinderbetreuung: Das wird sich ändern

Von den Aargauer Gemeinden haben lediglich Aarau und Brugg die Umsetzung des Kinderbetreuungsgesetzes versäumt - jetzt wird vorwärts gemacht.

Die Stadt macht jetzt vorwärts. Um das neue Gesetz umzusetzen, werden die schulergänzenden Tagesstrukturen an eine Firma ausgelagert.

Eigentlich ist Brugg spät dran: Gemäss dem neuen kantonalen Kinderbetreuungsgesetz hätte die Stadt bereits auf das Schuljahr 2018/19 umfassendere Tagesstrukturen anbieten müssen. Diese sehen eine erweiterte schulergänzende Betreuung von 7 bis 18 Uhr vor. Von den Aargauer Gemeinden mit Kinderbetreuung haben lediglich Aarau und Brugg die Umsetzung des Gesetzes bisher versäumt. Der Grund: Die Zeit war zu knapp, um «professionelle und bedarfsgerechte Strukturen» zu schaffen, sagte der Stadtrat letztes Jahr. «Zum Wohle des Projekts» habe er deshalb das Ganze um ein Jahr verschoben.

Gestern nun teilte der Stadtrat mit, dass die erweiterte Kinderbetreuung künftig von der dafür spezialisierten Firma Kidéal geleitet wird. Kidéal AG mit Hauptsitz in Urdorf im Limmattal hat sich nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren durchgesetzt. Seit über zehn Jahren bietet die Firma Tagesstrukturen und Kindertagesstätten in mehreren Deutschschweizer Ortschaften an, darunter in Wettingen. Landesweit werden 1000 Kinder von 200 Mitarbeitenden betreut. Unter dem Namen «Tagesstern» führt die Firma in Wettingen sechs Betreuungsstandorte. In Brugg sind vier «Tagesstern»-Standorte geplant.

Fünf Kinder pro Standort nötig

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Ausbildung zu verbessern, wird das bisherige Angebot um neue Betreuungsmodule erweitert: 

Kindergarten- und Primarschulkinder werden neu insbesondere am Mittwoch, am Nachmittag sowie während der Ferien betreut werden können. Für die Durchführung eines Moduls müssen mindestens fünf Kinder angemeldet sein. Kommen weniger Kinder an einem Standort zusammen, werden die Standorte für die betreffenden Module zusammengelegt. In diesen Fällen sind die Eltern verantwortlich für den Transport zum Betreuungsort. Den Transport zwischen Tagestisch und Schule hingegen übernimmt Kidéal.

Eltern haben die freie Wahl

Die bisherigen Standorte im Lateinschulhaus Zentrum, in den Schulen Bodenacker und Au-Erle sowie in Umiken (dort nur Mittagstisch und Randstunden II) will die Stadt möglichst weiterführen. Darüber entschieden wird aber erst, wenn die Anmeldungen eingetroffen sind. Ab dem neuen Schuljahr erhalten die Eltern einkommensabhängige Beiträge an die Kinderbetreuung. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind in einer Kindertagesstätte, einer Tagesfamilie oder den schulergänzenden Tagesstrukturen betreut wird. Eltern können ihre Kinder dort betreuen lassen, wo sie wollen, auch in anderen Gemeinden. Brugg beteiligt sich auch da an den Kosten. Nur ab einem Nettoeinkommen von 100'000 Franken gibt es keine Beiträge. Unabhängig vom Geld der Eltern wird die Stadt aber die Mittagsbetreuung für Kindergarten- und Primarschulkinder zusätzlich mit einem Beitrag pro anwesendem Kind unterstützen.

Im April sollen mehr Details zu Angebot, Preisen und dem Anmeldeprozedere vorliegen. Eltern von schulpflichtigen Kindern werden mit Flyer über das neue Angebot informiert. Anmeldungen für eine Betreuung der Kinder ab dem Schuljahr 2019/20 werden ab Mitte Mai über die Website des künftigen «Tagesstern Brugg» möglich sein. Subventionen müssen Eltern künftig bei der Stadtkanzlei beantragen. Für die Prüfung der Anträge und Zahlung der Beiträge werden 20 Stellenprozente in der Stadtverwaltung geschaffen. Die jährlich 20'000 Franken dafür hiess der Einwohnerrat letzten Oktober mit 37 Ja- zu 7 Nein-Stimmen gut. Die gesamten Mehrkosten für die Einführung der erweiterten Kinderbetreuung schätzte Stadtammann Barbara Horlacher im September auf bis zu 200'000 Franken.

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