«Den Kindern von Suchtkranken wurde in der Vergangenheit oft zu wenig Beachtung geschenkt», sagt Hanspeter Stocker in seinem sonnigen Büro an der Annerstrasse in Brugg. Seit 16 Jahren ist er Stellenleiter der Suchtberatung Bezirk Brugg.

Egal, ob Probleme mit Alkohol, Cannabis, Heroin, Kokain, Partydrogen oder stoffungebundenen Abhängigkeiten wie Essstörungen, Spiel-, Internet- sowie Kaufsucht: Ein dreiköpfiges Beratungsteam hilft bei Suchterkrankungen kostenlos weiter (siehe separater Text).

Ein eingespieltes Beraterteam (v. l.): Christian Solèr, Helen Frei und Stellenleiter Hanspeter Stocker.Mathias Marx

Ein eingespieltes Beraterteam (v. l.): Christian Solèr, Helen Frei und Stellenleiter Hanspeter Stocker.Mathias Marx

Beraterin Helen Frei ist zudem Co-Leiterin des neuen Gruppenangebots für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. «Mehr als 30 Prozent solcher Kinder werden – meist sehr früh in ihrem Leben – selbst suchtkrank.

In der Gruppe erleben sie, dass sie nicht alleine sind mit ihren Fragen», sagt Hanspeter Stocker. Parallel dazu können die Eltern in einem Kurs lernen, wie sie die Kinder über ihre Krankheit informieren können.

Im vergangenen Jahr wurden in Brugg 315 Personen – darunter 190 Neuangemeldete – beraten. Die meisten Suchtkranken haben ein Problem mit Alkohol (132) oder Cannabis (105). Mit Heroin-Abhängigkeit kämpfen 19 Personen und mit Kokain 21. Letztes Jahr erlebte Stocker eine Premiere: Im Bezirk Brugg gab es keine einzige Neuanmeldung mit einer Heroin-Abhängigkeit.

Zusammenarbeit mit dem Casino

Stocker stellt fest, dass sich die Betroffenen relativ spät beraten lassen. Erst wenn es in der Familie grössere Schwierigkeiten gebe, der Arbeitsplatz auf dem Spiel stehe oder die Sucht bedrohlich an der Gesundheit nage, seien die Suchtkranken bereit, etwas in ihrem Leben zu verändern. Sehr oft melden sich die Angehörigen noch vor den Suchtkranken.

Die Beratungsstelle in Brugg arbeitet auch eng mit dem Casino Baden zusammen. «Wenn jemand im Casino wegen seines Glücksspielverhaltens Hilfe wünscht, wird der Gast auf das Beratungsangebot aufmerksam gemacht», sagt Stocker. «Das Casino Baden leistet einen finanziellen Beitrag an die Kosten der Beratung mit den betroffenen Glücksspielern.»

Risikofreudige Pillenschlucker

Problem Nummer 1 ist und bleibt der Alkohol, der oft in Kombination mit Partydrogen konsumiert wird. «Ich staune immer wieder, wie Leute Pillen schlucken, ohne zu wissen, was drin ist. Damit gehen sie ein sehr grosses Risiko ein», betont der Stellenleiter.

Die Hälfte aller Neuanmeldungen betrifft – meist 15- bis 18-jährige – Cannabis-Konsumenten. «Im Sinne einer Frühintervention ist die Polizei im Bezirk Brugg hier sehr aktiv. Jede Verzeigung wird der Jugendanwaltschaft gemeldet», sagt Stocker.

Die Jugendlichen müssen danach in Gruppen bei der Suchtberatung antraben, wo die Gründe für den Konsum und die Gefahren im Umgang mit Drogen besprochen werden. «Wir gehen zwar nicht davon aus, dass sie nach der Beratungsrunde nicht mehr kiffen. Aber möglicherweise verändert sich ihr Konsumverhalten», so Stocker. Werden sie nochmals erwischt, kommt es zu einer Gefährdungsabklärung.

Zwei Drittel der Abhängigen auf der Beratungsstelle sind Männer. «Hinter dem eigentlichen Suchtproblem liegen meistens noch andere Themen», betont Stocker. «Das ist manchmal ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.»

Mehr Infos zur Suchtberatung finden Sie hier.