Die Holcim Kies und Beton AG sowie der Gemeinderat Mülligen sind sich einig geworden über die Höhe einer angemessenen Entschädigung für den geplanten Kiesabbau. Die ausgehandelte sogenannte Inkonvenienzvereinbarung kann in Kraft treten, wenn die Gemeindeversammlung am 16. November der Erweiterung des Kiesabbaus im Gebiet «Lindenacher-Ost» zustimmt, konkret: der dafür notwendigen Teiländerung der Nutzungsplanung sowie der Änderung der Bau- und Nutzungsordnung. Im Juni dieses Jahres hatte der Gemeinderat kurzfristig beschlossen, das Geschäft von der Traktandenliste zu streichen, weil die Verhandlungen noch liefen.

Je nach Abbau- und Einbaumenge kann gemäss Gemeinderat schätzungsweise mit einer Inkonvenienzentschädigung gerechnet werden von jährlich 500'000 bis 700'000 Franken – also einer Entschädigung für die mit dem Kiesabbau verbundenen Unannehmlichkeiten wie Staub, Lärm, Verkehr oder Beeinträchtigung der Landschaft. Bisher waren es 130'000 Franken (Holcim 85'000 Franken, Biturit 45'000 Franken). Durch die neue Vereinbarung gewinne die Gemeinde an finanzieller Handlungsfähigkeit, stellt die Behörde fest, und nennt die Stichworte Schuldenabbau und Investitionen. Bei einer Ablehnung des Geschäfts bleibe die Lage angespannt.

Auch Polosport bleibt möglich

Der Reihe nach: Die Kiesvorräte im heutigen Materialabbaugebiet «Eichrüteli» in Mülligen sind bald erschöpft. Die Holcim Kies und Beton AG plant deshalb eine Erweiterung auf dem rund 22 Hektaren grossen Areal «Lindenacher-Ost». Vorgesehen ist, insgesamt 5,4 Mio. Kubikmeter Kies abzubauen. Nach erfolgtem Abbau wird die Kiesgrube, ist geplant, mit unverschmutztem Aushubmaterial aufgefüllt und rekultiviert.

Mit der Teiländerung der Nutzungsplanung soll auch die Nutzung für den Polosport möglich sein. Schon heute betreibt die ortsansässige Legacy Polo AG auf dem Gebiet nördlich des Flugplatzes Birrfeld regelmässig Polosport. Die bestehende Betriebsbewilligung ist befristet und läuft Ende 2019 aus.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist Bestandteil im Verfahren für die Umnutzungen, hält der Gemeinderat in den Unterlagen an die Gemeindeversammlung fest. Detailliert behandelt werden die Themen Umwelt, Verkehr, Grundwasserschutz sowie Landwirtschaft und Fruchtfolgeflächen.

Verkehr über Autobahn-Brücke

Der gesamte Werkverkehr, so die Absicht, soll südwestlich der A3 über die bestehende Brücke in das Kieswerk führen. Diese neue Erschliessung ist in einem separaten Verfahren zu genehmigen, führt die Behörde aus und betont, dass die Verlegung der Ein- und Ausfahrt in die Kiesgrube eine «unabdingbare» Voraussetzung sei für die Realisierung des Projekts sei. Mit der gewählten Erschliessung würden das gesamte Dorf und insbesondere die Liegenschaften entlang der Birrfeldstrasse von den Auswirkungen des Werkverkehrs entlastet. «Auch die Verkehrssicherheit für den Langsamverkehr kann mit der neuen Erschliessungslösung auf der kantonalen Radroute verbessert werden.»

Der als Grundwassergebiet von kantonaler Bedeutung ausgewiesene Bereich liegt laut Gemeinderat ausserhalb des Projektperimeters und wird nicht tangiert.

Während der öffentlichen Auflage, die im September und Oktober des letzten Jahres stattfand, gingen drei Einwendungen ein. Auf eine wurde «zufolge fehlender Legitimation» nicht eingetreten, die beiden anderen wurden vom Gemeinderat abgewiesen.