Brugg
Kernig und authentisch wie eh und je

Die legendäre Bluesrockband Dr. Feelgood brachte das Salzhaus zum Kochen.

Ursula Burgherr
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Vom ersten Ton an geben die vier Urgesteine von Dr. Feelgood im Brugger Salzhaus Vollgas. ubu

Vom ersten Ton an geben die vier Urgesteine von Dr. Feelgood im Brugger Salzhaus Vollgas. ubu

Sänger Robert Kane, Gitarrist Steve Walwyn, Bassist Phil Mitchell und Drummer Kevin Morris sitzen vor ihrem Auftritt tiefenentspannt in der Garderobe und trinken Rotwein. Von Aufregung keine Spur. Auf der Bühne zu stehen sei für sie das Normalste der Welt, berichten die vier Mitglieder von Dr. Feelgood und lümmeln auf den bequemen Polstersesseln herum.

Rund 120 Auftritte bestreiten die Herren in den besten Jahren immer noch pro Jahr. Und sind bis heute in ganz Europa für ihre mitreissenden Liveacts bekannt. Obwohl von der Originalbesetzung der 1971 gestarteten Band keiner übrig geblieben ist, ging die Show über verschiedene Wechsel immer irgendwie weiter. Gemäss Mitchell, der seit 1983 bei Dr. Feelgood am Bass steht, gab es nur einmal eine längere Pause, als Gründungsmitglied und Sänger Lee Brilleaux an Krebs starb. Die Schweiz steht bei jeder Tournee auf der Agenda. «Wir haben hier viele Fans», sagt Kane, der früher Sänger bei den Animals war. Der letzte Auftritt in Brugg liegt rund 30 Jahre zurück und fand im Piccadilly statt. Gitarrist Werner Ammann, der im Salzhaus mit seiner Band Brugglyn Blue als Opening Act auftritt, kann sich gut daran erinnern. Auch damals bestritt er nämlich das Vorprogramm der Bluesrocklegenden aus England.

«Rock’n’Roll», schreit eine Frau im Publikum, als es dann soweit ist und die Musiker von Dr. Feelgood ins Rampenlicht treten. Die Verwandlung der vier Urgesteine, die eben noch etwas träge in der Garderobe herumhingen, zu energiegeladenen Liveperformern ist erstaunlich. Vom ersten Ton an geben sie Vollgas. Erweisen sich als exzellente Handwerker an ihren Instrumenten und füllen den Raum mit erdigen und schnörkellosen Rhythm’n’Blues. Das fährt sofort in die Beine. Alle wippen mit beim Eröffnungssong «Stupidity». Das gleichnamige Album schaffte es 1976 an die Spitze der englischen Charts. Nahtlos geht es weiter mit Hits wie «Who do you love», «Roxette» und «Back in the Night». Selbst ihr Dauerbrenner «Milk and Alcohol», den sie schon zigtausend Mal gespielt haben, kommt frisch und unverbraucht daher.

«Wir bringen die alten Sachen gerne, denn das will unser Publikum hören», beantwortet Zane schon im Vorfeld des Konzerts die Frage, ob es nicht mal Zeit für ein paar neue Songs wäre. Und die unverhohlene Spielfreude zeigt, dass sie wirklich immer noch Spass an ihrer Musik haben.

Keine Spur von Müdigkeit

«Dr. Feelgood klingen frisch, kernig und authentisch wie am ersten Tag», findet ein Zuschauer, der sie vor 28 Jahren im Basler Atlantis miterlebt hat. Nach ihrem Auftritt im Salzhaus machen die Musiker kurz Pause in ihrer englischen Heimat, bevor es nach Spanien weitergeht. Nächstes Jahr stehen u.a. Australien und Japan auf dem Programm. Und auch eine Rückkehr in die Schweiz für Konzerte in Basel und Zürich ist geplant. Keine Spur von Müdigkeit bei den ergrauten Musikkoryphäen. «Live-Auftritte wie derjenige im Salzhaus sind unser Lebenselixier», sind sie sich einig.