Brugg/Mailand

Keiner will sie: Werden die «Brugger» Expo-Türme jetzt verschrottet?

Herzstück des Schweizer Pavillons an der Expo in Mailand waren die vier Türme. Die Idee dazu hatte das Brugger Büro Netwerch.

Herzstück des Schweizer Pavillons an der Expo in Mailand waren die vier Türme. Die Idee dazu hatte das Brugger Büro Netwerch.

Über das Schicksal der Türme, die im Schweizer Pavillon an der Expo Mailand standen, wird Ende Woche entschieden. Rund 50 Städte haben bereits abgewunken, die von Brugger Architekten konzipierten Türme zu erwerben.

Die Weltausstellung in Mailand ist Vergangenheit: Sie hat am Samstagabend nach sechs Monaten die Tore geschlossen. Seit August nahm der Besucherstrom laufend zu. Insgesamt konnten 21 Millionen Gäste gezählt werden. Das Motto «Den Planeten ernähren. Energie für das Leben» wurde gemäss der internationalen Zeitschrift «Exhibitor Magazine» von der Schweiz am besten umgesetzt.

Expo Milano: So sieht es im Schweizer Pavillon aus.

Expo Milano: So sah es im Schweizer Pavillon aus.

Für die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland ist «Präsenz Schweiz» zuständig. Herzstück des Schweizer Pavillons, der vom Brugger Architekturbüro Netwerch konzipiert wurde, waren die vier Türme, die mit Kaffee, Salz, Apfelringli und Wasserbecher gefüllt waren. Jeder Besucher durfte sich frei bedienen. Alle sechs Wochen wurden die Plattformen abgesenkt.

Am 10. Oktober gingen die Apfelringli aus und einen Tag später die Becher für das Mailänder Leitungswasser. Was an Kaffee und Salz übrig blieb, geht gemäss Andrea Arcidiacono, Kommunikationschef des Schweizer Pavillons bei «Präsenz Schweiz», in diesen Tagen an die Banco alimentare. Die Nichtregierungsorganisation sorgt nun dafür, dass die Lebensmittel an Bedürftige in Mailand verteilt werden.

Private haben Interesse

Schon bei der Planung hat Netwerch an eine mögliche Umnutzung nach der Expo gedacht. Die Idee war, dass die Türme für Urban Gardening in einem Schweizer Stadtquartier wieder aufgebaut werden könnten. Was ist in der Zwischenzeit daraus geworden? «Wir haben mehr als 50 Schweizer Städte von Zürich über Basel, Bern, Lugano sowie Genf angeschrieben und gefragt, ob sie interessiert sind», erzählt Andrea Arcidiacono. Aber keine der angefragten Städte habe eine entsprechende Möglichkeit gesehen.

Für den Abbau, den Transport und Wiederaufbau entstünden je nach Turmgrösse Kosten zwischen 800 000 und 1 Million Franken. Es gebe aber noch private Interessenten, so Andrea Arcidiacono weiter. Bis Ende Woche soll definitiv entschieden werden, ob einer oder mehrere Türme in die Schweiz zurückkehren werden. Falls dies nicht klappt, werden Stahl, Glas und Holz getrennt und in Italien wiederverwendet. Gemäss Vereinbarung sollen rund 75 Prozent des Materials rezykliert werden. Noah Baumgartner von Netwerch in Brugg will die Hoffnung noch nicht aufgeben und würde es bedauern, wenn keiner der Türme in die Schweiz zurückkommt. «Aber was will man machen?», sagt er.

Expo Milano: Schweizer Pavillon mit über zwei Millionen Besuchern

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Polstermöbel kommen in Schweiz

Bereits entschieden ist, dass die ebenfalls von Netwerch entworfenen Loungemöbel für den Schweizer Pavillon an Privatpersonen in der Schweiz verkauft werden. Die edlen Polstermöbel wurden zusammen mit de Sede aus Klingnau entwickelt und passen zu repräsentativen Räumen.

Das Architekturbüro Netwerch konzipierte auch die Gotthard-Ausstellung mit dem Massiv, das die Wasserscheide darstellt. Die vier Gotthard-Kantone Wallis, Graubünden, Uri und Tessin hätten sich noch nicht geeinigt, was mit dem grossen Granitteil passieren soll, betont Andrea Arcidiacono von «Präsenz Schweiz». Das sei nun Sache der vier Regierungsräte. Bis der Entscheid gefällt wird, soll das Gotthard-Massiv bei der Herstellerfirma im Tessin aufbewahrt werden.

In einem ersten Schritt wird nun in Mailand der Schweizer Pavillon geleert. Ab 20. November beginnt der Abbau, der bis Ende Februar dauern wird. Im März will die Schweiz den Italienern das Ausstellungsgelände so zurückgeben, wie sie es bei der Grundsteinlegung am 12. September 2014 übernommen hatte. Dass der Schweizer Pavillon im Mailänder Stadtteil Rho Bestandteil einer neuen Arealnutzung sein könnte, sei nie eine ernsthafte Option gewesen, sagt der Kommunikationschef. Für die Italiener sei es aber ein Thema, auf diesem Gelände ein neues Universitäts- und Forschungszentrum zu errichten. Deshalb bleiben einige markante Gebäude wie der Palazzo Italia oder der Padiglione Zero erhalten.

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