Die Arbeitsgruppe Militärhistorische Anlagen des Kantons Aargau unter Leitung von Grossrat und Historiker Titus Meier hat in den Jahren 2012 und 2013 eine Liste derjenigen militärhistorischen Anlagen von regionaler und nationaler Bedeutung erarbeitet, die der Nachwelt zu erhalten sind. In Ergänzung zu den bisherigen Anlagen des Vereins Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal sind gut 30 Objekte evaluiert worden, die restauriert und teilweise wieder originalgetreu ausgerüstet werden sollen.

«Erwerb und Unterhalt der neuen militärhistorischen Anlagen werden aus eigenen Mitteln beschafft. Die entsprechenden Arbeitsleistungen werden auf ehrenamtlicher Basis erbracht», erklärt Titus Bürgi, Ressortleiter Militärhistorische Anlagen beim Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal. Für die Verkaufsverhandlungen zuständig ist die Armasuisse als Vertreterin der Eidgenossenschaft.

Herausragende Rolle

Das Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal besteht aus drei Pfeilern: Schweizerisches Militärmuseum Full, Festungsmuseum Reuenthal sowie militärhistorische Anlagen. Anders ausgedrückt: Gezeigt werden die militärischen Verteidigungsmittel der Armee, der Alltag und die Ausrüstung der Soldaten sowie die Verteidigungsanlagen. «Der Kanton Aargau spielte bei der Verteidigungsplanung der Schweizer Armee sowohl in der Zeit des Zweiten Weltkrieges wie im Kalten Krieg eine strategisch herausragende Rolle», stellt Bürgi fest. «Wer das Wasserschloss im Besitz hatte, besass den Eingang zum Mittelland.»

Als Schlüsselräume galten die Rheingrenze, das Untere Aaretal sowie der Bözberg. Hier wurde deshalb eine Vielzahl von Befestigungsbauten errichtet. Angesichts der damaligen hohen Bedeutung für die Verteidigung habe es sich der Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal zum Ziel gemacht, wesentliche Anlagen und Anlagendispositive im originalen Zustand zu erhalten, so Bürgi.

Derzeit verfügt der Verein über 60 ehemalige militärische Anlagen – von Geländehindernissen über Geschützschilde, Infanteriewerke, Artillerie-, Beobachtungs- und Sanitätsbunker sowie Führungsbauten bis zum Artilleriewerk. «Nach dem Erwerb der Anlagen wurden, wo erforderlich, aufwendige Restaurierungen vorgenommen», führt Bürgi aus. Neben dem Erhalt der Bausubstanz seien die Anlagen wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen und entsprechend originalgetreu auszurüsten gewesen. «Eine weitere, ständige Aufgabe ist der fachgerechte Unterhalt der Anlagen und der zugehörigen Umgebung.»

Einzigartige Kombination

Dem Verein sei es gelungen, bei der Bevölkerung der Region, aber auch bei Besuchenden aus anderen Gebieten der Schweiz und des Auslands, Interesse und Verständnis für die geschichtliche Bedeutung der Verteidigungsbestrebungen im 20. Jahrhundert zu wecken. «Die Kombination der drei Pfeiler des Militär- und Festungsmuseums Full-Reuenthal ist in der Schweiz wie auch im europäischen Ausland einzigartig», fährt Bürgi fort. «Zusammensetzung, Umfang und Vollständigkeit, aber auch die Vielseitigkeit der gezeigten Sammlungen innerhalb der Gesamtthematik sind in ihrer Art weit über die Landesgrenzen hinaus einmalig.» Einzigartig sei überdies der Umstand, dass die ausgestellten Objekte fast ausnahmslos funktionsfähig seien und funktionsfähig erhalten werden, «was bei Publikumsvorführungen auf grosses Interesse stösst».

Kurz: Das Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal biete eine Plattform zu Auseinandersetzung und Dialog zu wichtigen Facetten der jüngeren Geschichte des Landes und des Kantons Aargau, fasst Bürgi zusammen. Die Art und Weise der Präsentation der Exponate, der regelmässigen Vorführung, der Einführung in sozialhistorische Aspekte, aber auch die Möglichkeit, einzelne militärhistorische Anlagen im Gelände zu erwandern und deren Inneres als damaligen Lebens- und Wirkungsraum der Soldaten zu erleben, haben laut Bürgi zu einem eigentlichen «Museum zum Anfassen» und zu einem «lebendigen Museum» geführt. «Geschichte und damalige Technik bleiben nicht toter Buchstabe beziehungsweise tote Materie, sondern sind für grosse und kleine Besucherinnen und Besucher fass- und erlebbar und können so für breite Gesellschaftskreise zu einem Geschichtsverständnis der anderen Art führen.»

Meistens ist der Preis tief

Für die Immobilien der Armee zuständig ist die Armasuisse. Es komme immer wieder vor, dass ehemalige militärische Gebäude und Anlagen veräussert werden, erklärt Jacqueline Stampfli, stellvertretende Leiterin Kommunikation. Als Beispiel erwähnt sie die beiden Umnutzungsgesuche, die zurzeit in Rüfenach öffentlich aufliegen. Der eine Bunker befindet sich in der Bauzone und soll als Keller umgenutzt werden, der zweite Bunker soll künftig der landwirtschaftlichen Nutzung dienen. Definiert werde die Nutzung über das Bau- und Planungsrecht, fährt Jacqueline Stampfli fort. «Die meisten Bunker liegen ausserhalb der Bauzone. Deshalb werden in den meisten Fällen die Bunker zur historischen Erhaltung verkauft.» Manchmal sei auch die Lagerung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen möglich. Ein Verkauf komme aber nur zustande, wenn die nötigen zivilen Bewilligungen vorliegen.

Der Preis werde, soweit möglich, über den Markt bestimmt, so Jacqueline Stampfli. Bei einem Verkauf an eine militärhistorische Stiftung stehe die historische Erhaltung im Vordergrund. «In diesen Fällen ist keine andere Nutzung möglich und der Preis fällt entsprechend tief aus.»