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Keine echten Ersatzteile: Frust sitzt tief nach Online-Kauf

Ein Anbieter aus der Region Brugg liefert über ricardo.ch nicht die versprochen Handy-Ersatzteile, sagt ein Käufer.

Michael Hunziker
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KEYSTONE

Der Ärger ist gross beim Mann aus dem Raum Brugg: Kürzlich hat er über das Onlineportal ricardo.ch einige Teile für sein Mobiltelefon bestellt. Beim Verkäufer aus der Region holte er die Ware ab – und stellte fest, dass es sich nicht um die erwarteten und versprochenen Originalteile handelte. Beim Material des Backcovers für sein iPhone habe er auf den ersten Blick gesehen, «dass es nicht echt ist».

Der Verkäufer behaupte nun, die Teile stammen gar nicht von ihm. Per E-Mail habe der Anbieter auf seine Reklamation recht aggressiv reagiert, ihn verunglimpft und als Idioten bezeichnet, sagt der Käufer. Seine Online-Bewertung, ergänzt er, sei innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal entfernt worden. Und auch Einträge von anderen Kunden seien verschwunden.

Er habe online schon mehrere geschädigte Personen ausfindig machen können, fährt der Brugger fort. Eine Geschädigte habe ein LCD-Display zurückgeschickt, das Geld aber nie retour erhalten. Die Rede sei von 199 Franken. Der Verkäufer sei mit Ausreden gekommen: Sie müsse das Handy neu einstellen, die Farben seien deshalb nicht so gut. Kurz: Die Kundin habe am Schluss einen riesigen Aufwand betrieben und viel Geld verloren.

Probiert, was möglich ist

Die Ersatzbildschirme kommen gemäss den Angaben des Anbieters teilweise von der Firma Foxconn aus Asien. Aber solche seien, sagt der Käufer, gar nicht lieferbar. Die Firma Apple ihrerseits habe ihm bestätigt, dass der betreffende Verkäufer nicht autorisiert sei und sie nicht mit diesem zusammenarbeiten.

Für ein Stirnrunzeln sorgen beim Brugger ebenfalls der Firmenname, der online oder im Telefonbuch unterschiedlich lautet, sowie die versprochenen Garantieleistungen. Es stelle sich die Frage, ob alles rechtens sei bei diesem Anbieter, der auf ricardo.ch als gewerblicher Verkäufer auftritt.

Er habe sich an das Onlineportal gewandt, fügt er an. Allerdings ohne Erfolg. Solche Anbieter sperre ricardo.ch erfahrungsgemäss nicht. «Nicht mal eine Anzeige würde da etwas bringen», stellt er resigniert fest. Der Verkäufer könne auch in Zukunft aktiv bleiben und nach wie vor «massenhaft gefälschte Ware» anbieten. Dieser betreibe, ergänzt er, ebenfalls ein lukratives Geschäft mit der Reparatur von Handys. Aber: «Die Leute erhalten nie die versprochene Originalware.»

Der Brugger ist nun an die Medien gelangt, weil es seiner Meinung nach vielleicht helfen würde, die Geschichte öffentlich zu machen. Denn niemand sei bereit, etwas dagegen zu unternehmen. Er selber habe probiert, was möglich sei.

«Kann uns direkt kontaktieren»

Der Verkäufer wollte sich auf Anfrage nicht konkret äussern zu den Vorkommnissen und Vorwürfen. Er spricht von Rufschädigung und er werde einen Anwalt einschalten. Offenbar wolle der Käufer für Unruhe sorgen. Dessen Motivation kenne er nicht. Vielleicht sei es Neid, vielleicht handle es sich um einen Konkurrenten, der in der gleichen Branche tätig sei, mutmasst er.

«Ist jemand unzufrieden mit unseren Produkten und Dienstleistungen, kann er zu uns kommen und uns direkt kontaktieren», stellt der Verkäufer fest. Probleme mit unzufriedenen Kunden kenne er sonst nicht, sagt er weiter. Seine Produkte biete er an in verschiedenen Qualitäten, was er so auch so kommuniziere. Die Ersatzteile für die Mobiltelefone könnten legal importiert und verkauft werden. Auf seiner Website ist festgehalten, dass seine Firma kein Apple-Geschäftspartner ist.