Brugg

Keine Angst vor der «Bitcoin-Krise» - Im «Gotthard» glaubt man ans virtuelle Geld

«Bitcoin accepted here»: Trotz schlechten Nachrichten um das digitale Geld hat Roger Widmer nach wie vor Spass am unkonventionellen Zahlungsmittel.

«Bitcoin accepted here»: Trotz schlechten Nachrichten um das digitale Geld hat Roger Widmer nach wie vor Spass am unkonventionellen Zahlungsmittel.

Roger Widmer vom «Gotthard» ist Fan virtuellen Geldes. Das Lokal war einer der ersten Betriebe der Schweiz in dem man mit der digitalen Währung bezahlen konnte. Die aktuellen Schreckensmeldungen lassen ihn kalt.

«Bitcoin in der Krise», hiess es vor wenigen Tagen, als sich einer der führenden Köpfe hinter der virtuellen Währung, Mike Hearn, aus deren Entwicklung zurückzog. «Das Experiment ist gescheitert», wetterte der 31-Jährige, als er nach Streitigkeiten im Programmierteam endgültig mit der Kryptowährung brach, alle seine Bitcoins verkaufte und den Fortbestand des Projekts ordentlich kritisierte. Der Markt reagierte sofort und bescherte dem Bitcoin einen Kursabfall von rund 430 auf weniger als 360 Dollar.

Es fehlt die Stabilität

Davon wenig beeindruckt zeigt sich Roger Widmer. Er ist der Inhaber des «Gotthard», eines Brugger Gastronomiebetriebs mit Hotel, Restaurant und Bar, an dessen Eingangstür ein Aufkleber mit dem Hinweis «Bitcoin accepted here» prangt. Widmer ist überzeugt: «Die Medien haben aus einer Kursschwankung eine Krise gemacht.» Dabei sei das Auf und Ab der digitalen Währung absolut normal. Mit zunehmender Beliebtheit kletterte der Bitcoin-Kurs im Jahr 2013 gar auf einen Wert von über 1000 Dollar. So schnell er damals stieg, so abrupt fiel er wieder, nachdem die chinesische Zentralbank ein landesweites Handelsverbot für das unkonventionelle Zahlungsmittel beschloss.

Ein paar Tage nach den erschreckenden Krisenmeldungen sitzen wir im Gastraum des «Gotthard» und plaudern über den Bitcoin. Widmer zückt sein Smartphone, öffnet eine Börsen-App und zeigt es Schwarz auf Weiss: Der Kurs hat sich bereits wieder erholt und steht derzeit bei etwas mehr als 400 Dollar. «Ich verfolge den Kurs laufend», so der Gastwirt. «Schwankungen von 20, 30 und mehr Punkten sind keine Seltenheit beim Bitcoin.»

Die Unbeständigkeit der jungen Online-Währung rühre vor allem daher, dass bislang noch mit zu wenig virtuellem Geld gehandelt wird. Der Wert der sich im Umlauf befindenden Bitcoins wird derzeit auf rund sechs Milliarden Dollar geschätzt. «Grosse Firmen müssten in den Handel mit Bitcoins einsteigen», erklärt Widmer und fügt an: «Das würde der Währung mehr Stabilität geben.» Darum hütet sich auch der Gastwirt derzeit noch, grössere Guthaben in seinem elektronischen Portemonnaie zu speichern.

Pionier der Bitcoin-Szene

Das «Gotthard» war damals, vor gut fünf Jahren, einer der ersten Betriebe der Schweiz, in dem man seinen Kaffee oder sein Cordon bleu mit der digitalen Währung bezahlen konnte. «Wir fanden das Konzept sehr interessant, gerade auch für die Studenten der nahen Fachhochschule», erklärt Widmer.

Zusammen mit einem Freund, mit dem er öfters einmal Poker spielt und der in der IT-Branche tätig ist, hat er dann das virtuelle Bezahlsystem per Smartphone und Tablet eingerichtet. «Es ist erstaunlich», so der Gastronom, «wie viele Leute sich für den Bitcoin interessierten und ihn als Zahlungsmittel benutzen. Das reicht von den Jungstudenten, die hier zu Mittag essen bis zum 70-Jährigen, der bei uns einen Kaffee trinkt.»


Durch seine Pionierrolle in der Bitcoin-Szene wurde Widmers Betrieb dann bald zum Thema in zahlreichen Medientiteln. Auch die Informationssendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens widmete dem unkonventionellen Zahlungsmittel im «Gotthard» einen Beitrag. Bis heute hat der Gastwirt grossen «Plausch» am digitalen Geld und akzeptiert neu sogar einen Ableger des Bitcoins – den Lite Coin. Dieser hat eigene Wechselkurse, unterliegt also auch anderen Kursschwankungen. «Bitcoin-Krise» hin oder her, für Roger Widmer steht fest: «Wir halten daran fest und werden ihn weiterhin als Zahlungsmittel akzeptieren.»

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