«Er kommt zu spät – er hatte einen Unfall, ich spüre es – er ist irgendwo zwischen Chianti und Valpolicella verschollen»: Opernhausdirektor Saunders (Erwin Britschgi) ist verzweifelt. Tito Merelli, «Lo Stupendo», der weltberühmte Startenor, lässt auf sich warten. Dabei steht die Aufführung von Verdis «Othello» an. Auch Saunders Tochter Maggie (Janine Hauser) fiebert «Lo Stupendo» entgegen. Sie will dem «Frauenflüsterer» Auge in Auge gegenüberstehen. Sehr zum Verdruss ihres Freundes Max (Joel Dätwyler), der rechten Hand von Direktor Saunders. Aber bei Maggie hat es in Sachen Max eben «noch nicht ‹Wow› gemacht».

Plötzlich taucht Merelli (Peter Steiner) auf, samt seiner rasanten Gattin Maria (Elke Delimar). Aber singen will er nicht. «Ich habe einen Vertrag», tobt Saunders. «Ich habe Blähungen», kontert Merelli und zieht sich mit Gattin zurück. Doch die ist plötzlich weg und «Lo Stupendo» tot. Mausetot. Dabei wollte ihm das Zimmermädchen Franziska (Marisa Zehnder) doch so gerne die Unterhosen herauslegen. Was jetzt? Max hat eine Idee.

Eine doppelte Premiere

Mit dem Gourmet-Theater «Othello darf nicht platzen» hat das Aargauische Freilicht-Spektakel in Zusammenarbeit mit der «Krone» Lenzburg am Freitag gewissermassen eine doppelte Premiere gefeiert. «Ich hatte die Idee eines Gourmet-Theaters schon lange mit mir herumgetragen», gestand Rico Spring, der Mann hinter dem Aargauischen Freilichttheater, vor der Aufführung. «Wenn die Idee nicht umgesetzt worden wäre, hätte ich das später zweifellos bereut.» Und neben dem feinen Menu aus der Kronenküche gibt die Komödie mit ihrer turbulenten Handlung und den herrlichen Dialogen der Truppe um Regisseur Erwin Britschgi – der zusammen mit seinem tatsächlichen Assistenten Joel Dätwyler auch gleich eine der Hauptrollen spielt – Gelegenheit, alle Register zu ziehen. Doch zurück auf die Bühne.

«Max, du bist kein Othello», meint Saunders erst. «Höchstens ein Othelleli.» Doch schnell denkt er um. «E schwarze Grind und e Wuschelperügge längt», meint er und versucht, Max’ plötzliche Angst vor dem eigenen Mut zu zerstreuen. Offenbar überzeugt der falsche Othello. Julia, die Präsidentin der Operngilde (Anita Feierabend) – «ich denke nicht ans Geld, sondern an die Reputation» – braucht sich jedenfalls keine Sorgen mehr zu machen.

Saunders und Max aber fragen sich, was mit dem toten Merelli geschehen soll. «Das gibt Publicity», freut sich Saunders pragmatisch. «Dafür beneiden uns alle Opernhäuser, von New York bis Schenkenberg!» Doch Merelli ist sozusagen auferstanden und geistert als untoter Othello durchs Geschehen. Was erwartungsgemäss zu Verwechslungen führt. Verständlich, dass sich da Diana, die Primadonna der städtischen Oper (Simone Bächler), und auch Maggie, die beide unterschiedliche Absichten auf Merelli haben, missverstanden fühlen. Saunders aber meint: «Isch doch perfekt gloffe.»

Dieser Ansicht war – dem Applaus nach zu schliessen – auch das Publikum an der Premiere. Bei ihm hat es jedenfalls «Wow» gemacht.